„Kein Schmerzensgeld für die Arbeit“

Personalsicherungskonzept statt Großraumzulage: Gemeinde Königsdorf erarbeitet eigenes Konzept

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Ab hier ist Schluss: Der Geltungsbereich der Großraumzulage endet direkt vor dem Königsdorfer Ortseingangsschild.

Königsdorf – Als Bürgermeister Anton Demmel im Dezember vergangenen Jahres die Information auf den Schreibtisch flatterte, dass der Geltungsbereich der Großraumzulage direkt vor dem Königsdorfer Ortseingangsschild endet, war guter Rat teuer.

Statt der Zahlung der Vergünstigung will die Kommune nun einen eigenen Weg gehen: Einstimmig beschlossen die Gemeinderäte in ihrer Januarsitzung, ein sogenanntes Personalsicherungskonzept erarbeiten – es soll Angestellten im öffentlichen Dienst in Königsdorf besondere Anreize bieten.

Zum 1. Januar 2020 trat die Regelung zur „Gewährung der Großraumzulage München für Tarifbeschäftigte“ in Kraft. Von der Erweiterung des Geltungsbereichs profitieren sechs Gemeinden im nördlichen Landkreis. Bis zu 270 Euro monatlich können nun die beiden Städte Wolfratshausen und Geretsried sowie die Gemeinden Eurasburg, Dietramszell, Egling und Münsing den Beschäftigten auf das Gehalt aufschlagen. Für jedes Kind sind weitere 50 Euro Bonus möglich. Verständlich die Sorge der Gemeinden, die direkt an der Bezuschussungsgrenze liegen.

Und ein Ärgernis für Königsdorfs Bürgermeister Anton Demmel. Noch in der Dezembersitzung des Gemeinderats sah es so aus, „als würde kurz vor Königsdorf der Schlagbaum runtergeh‘n und wir sind die Deppen“. Auf Anfrage beim Kommunalen Arbeitgeberverband hieß es, Königsdorf könnte alternativ eine sogenannte Arbeitsmarktzulage auszahlen. Die Zulage sollte maximal 20 Prozent der Stufe 2 der einschlägigen Entgeltgruppe betragen. Mit Hinweis darauf, dass die Arbeitsmarktzulage „kein Freibrief zur pauschalen Erhöhung der tariflichen Gehälter“ sei, sollte die Gewährung eine Ausnahme bleiben und befristet werden.

In Zahlen hätte das für Königsdorf bedeutet, dass eine solche „Arbeitsmarktzulage“ die Gemeinde einen dicken Batzen Geld gekostet hätte. Für die Zahlung des Grundbetrages von 270 Euro monatlich wären insgesamt 92.776 Euro auf die Gemeinde an Kosten pro Jahr hinzugekommen, dazu noch einmal 10.200 Euro für den Kinderzuschlag – mehr als 100.000 Euro im Jahr.

Auch mit dem Wissen, dass etwa Nachbargemeinden wie Eurasburg die Großraumzulage zahlen werden, „haben wir trotzdem gemeint, dass das Gehalt nicht unbedingt an erster Stelle steht, sondern das Umfeld“, erklärte Demmel in der Januarsitzung des Gemeinderats. Stattdessen soll ein Personalsicherungskonzept für Ausgleich sorgen. Freilich nicht ohne Geld in die Hand zu nehmen, aber ein Konzept, das die Attraktivität und Wertschätzung der Kommune jenseits des Gehalts vermitteln soll. Demmel ging sogar noch einen Schritt weiter und bedauerte die anderen Gemeinden, die nach dem Motto „Friss oder Stirb“ dem Arbeitgeberverband folgten. „Jetzt gefällt mir unsere Idee sogar fast besser“, denn anders als die Großraumzulage könnten diese Leistungen dann individuell und flexibel angeboten werden und liefen auch nicht in vier Jahren ab, wie der Rathauschef erklärte.

Demmel stellte zudem klar, dass sich die Gemeinde nicht vor den Kosten drücken wolle. Vielmehr ginge es ihm darum, mit dem Personalsicherungskonzept die Attraktivität Königsdorfs als Arbeits- und Wohnort zu stärken. Während Josef Birzele (UBL) die Idee eines „Personalsicherungskonzepts“ unterstützte, befeuerte er die Entscheidung mit dem Einwurf, dass sich die Großraumzulage nur für Einrichtungen kommunaler und nicht freier Träger gelte.

So profitierten etwa Erzieherinnen der Kindertagesstätte in Eurasburg von der Zulage, die Mitarbeiterinnen des katholischen Kindergartens in Beuerberg hingegen gingen leer aus. „Letztlich müssten die Einrichtungen auch kostendeckend laufen“, fügte Birzele hinzu. Die Großraumzulage dürfte kein „Schmerzensgeld für die Arbeit“ sein. Gerne in die Arbeit zu gehen können auch mit Leistungen wie bezahlbarer Wohnraum, Zuschüssen für den ÖPNV oder Zahlung von Fortbildungsmaßnahmen erreicht werden. Auch sei eine bessere personelle Besetzung von Einrichtungen ein Pluspunkt bei der Arbeitsplatzwahl. Bis zur nächsten Gemeinderatssitzung wollen die Gemeinderäte die Vorschläge aufgreifen und weiterentwickeln.Sandra Gerbich

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