Country, Austro-Pop und Königsjodl

PiPaPo-Festival in der Kulturbühne Hinterhalt bietet abwechslungsreichen Konzertmix – „Nicht alle Tage zu hören“

Eingespieltes Duo: Josef Baumgartner (l.) und Roman Hofbauer bilden die Folsom Prison Band.
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Eingespieltes Duo: Josef Baumgartner (l.) und Roman Hofbauer bilden die Folsom Prison Band.

Gelting – Mit der Folsom Prison Band sowie dem „Väter und Söhne“-Konzert der Familien Hammerschmied und Wagner setzte der Kulturverein Isar-Loisach jüngst ihrer Livestream-Übertragungen des diesjährigen PiPaPo-Festivals fort.

Hervorragenden Ersatz für den kurzfristig abgesagten Auftritt des Musikkabarettisten Helmut A. Binser konnte der Kulturverein Isar-Loisach (KIL) für die dritte Veranstaltung des PiPaPo-Festivals verpflichten. Denn Roman Hofbauer und Josef Baumgartner, die seit sechs Jahren als Folsom Prison Band auf Tour gehen, präsentierten eine abwechslungsreiche Hommage an Country-Legenden wie Johnny Cash, Willie Nelson, Kris Kristofferson und Hank Williams.

Country aus Niederbayern

Ganz in Schwarz mit Cowboyhut bekleidet, betrat Hofbauer die Kulturbühne. Der erste Song „Man in Black“ zeigte, wohin die musikalische Reise ging. Sein Kompagnon Baumgartner folgte bereicherte den Sound mit Fender-Resonator-Gitarre und Banjo. Zwischendurch erzählte Hofbauer Anekdoten zur Entstehungsgeschichte der einzelnen Songs – wie etwa ein Whisky-Gelage von Cash und Nelson vor einem gemeinsamen Auftritt.

Dass Hofbauer im niederbayerischen Landkreis Dingolfing-Landau lebt, merkte man seinem akzentfreien Gesang nichtan. Songs wie „I walk the line“, „Give my love to rose“ oder „Ghost Riders in the sky“ beeindruckten.

Die Frage, warum ihn ausgerechnet Country-Musik seit seiner Jugend so fasziniert hat, beantwortete Hofbauer mit der starken Beziehung zu seinem in Philadelphia geborenen Großvater: „Country-Musik war für mich immer was fürs Herz. Sie hat mich schon immer inspiriert.“ Jahre später wandelte er mit der Folsom Prison Band auf den Spuren von Johnny Cash und spielte vor Sträflingen in einer Justizvollzugsanstalt. Den Song „San Quentin“ singt er seither mit besonderer Hingabe. Mit „Ring of Fire“ und der Zugabe „On the road again“ endete ein abwechslungsreicher Abend, der auch KIL-Vorsitzende Assunta Tammelleo beeindruckte: „Solche Musik ist nicht alle Tage im Hinterhalt zu hören.“

Hommage an Fredl Fesl

Zu einem musikalischen Familientreffen kam es dann am darauffolgenden Freitagabend. Bevor Roland und Marius Hammerschmied sowie Günter und Maximilian Wagner gemeinsam die Bühne betraten, schlüpfte Roland Hammerschmied zunächst in die Rolle des niederbayerischen Sängers Fredl Fesl. Mit beeindruckender Textsicherheit interpretierte der ehemalige Geretsrieder Kulturpreisträger nicht nur dessen größte Erfolge, sondern bewies auch seine Fingerfertigkeit an der Gitarre. Selbstverständlich durften die schräge Jodeleinlage beim „Königsjodler“, das Aufzählen Münchner Stadtteile beim „Taxilied“ und die Verneinungshymne „Weil I net mog“ nicht fehlen.

Die Begeisterung für Fesls Lieder erreichte Hammerschmied schon in jungen Jahren. Im Alter von 15 Jahren spielte er Claude Wolff, dem ehemaligen Bürgermeister der französischen Geretsrieder Partnerstadt Chamalières, einmal das „Lied vom Rausch“ vor. „Obwohl er nichts verstanden hatte, war Wolff schwer beeindruckt und wollte das Stück immer wieder hören“, berichtete Hammerschmied.

Das weitere PiPaPo-Programm

Auftritte der Kabarettisten H.G. Butzko (5. 12.), Lizzy Aumeier (12. 12.) und Holger Paetz (18. 12.), jeweils um 20 Uhr. Am 6. Dezember (11 Uhr) zeigen die KIL-Allstars ein Nikolaus-Programm. Nach der Musical-Cabaret-Show von Liliath (22. 12.) enden die Kulturtage an Heiligabend mit einer Überraschungsbescherung. Alle Livestream-Auftritte sind auf dem Youtube-Kanal der Kulturbühne Hinterhalt auf hinterhalt.de abrufbar.

Selten gespielte Lieder von Ambros und Danzer

Nach seiner fast einstündigen Fesl-Hommage tauschte der 53-Jährige die Instrumente und griff in die Saiten seiner E-Gitarre. Neben ihm postierten sich sein Sohn Marius am Schlagzeug sowie Günter und Maximilian Wagner, um mit einer rockigen Version des Georg-Danzer-Liedes „Lass mi amoi no d‘Sun aufgehn segn“ den zweiten Teil des Konzertabends zu eröffnen. Günter Wagner, der im Nordlandkreis vor allem als Organisator des Wolfratshauser Flussfestivals und des Geretsrieder Kulturherbstes bekannt wurde, sang zudem Lieder aus dem Frühschaffen von Wolfgang Ambros. Neben dessen Hit „Es lebe der Zentralfriedhof“ gab’s auch selten gespielte Nummern wie die österreichische Bob-Dylan-Übersetzung „Des Sandlers Flucht“ oder das beklemmende Obdachlosen-Lied „De Kinettn wo I schlof“ zu hören. Zwischendurch entlockte Maximilian Wagner dem in die Jahre gekommenen Klavier der Kulturbühne Hinterhalt berührende Töne. Dass am Ende das einst von Wolfgang Ambros und André Heller gesungene Duett „Für immer jung“ erklang, war zweifellos ein würdiger Abschluss. ph

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