Plädoyer für gentechnikfreies Bayern

Gesundheits- und Umweltminister Markus Söder verriet in Ascholding, wie er Hausärzten und Landwirten helfen will. Foto: Herrmann

CSU-Landtagsabgeordneter Martin Bachhuber verlor bei der Vorstellung seines prominenten Parteigenossen nicht viele Worte und freute sich einfach nur, dass er nach Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg mit Markus Söder binnen weniger Wochen bereits den zweiten bedeutenden Politiker zu einem Auftritt im Landkreis Bad-Tölz Wolfratshausen überreden konnte

. Standesgemäß empfangen von der Ascholdinger Blasmusikkapelle und dem tosenden Applaus der rund 100 Gäste im voll besetzten Saal des Wirtshauses „Neuwirt“, hielt der 44-jährige Nürnberger zunächst einen knapp einstündigen Vortrag zu den Themen Gesundheitsreform, Risiken der Agrogentechnik und Schutz gefährdeter Tierarten. Dabei sparte Söder auch nicht mit persönlichen Anekdoten und Erfahrungsberichten aus seinem Familienleben: So habe sich das zunächst sehr angespannte Verhältnis zu seinem Vater erst gebessert, als er den todkranken Mann regelmäßig in der Palliativ-Station eines Krankenhauses besuchte. Der Bogen zur aktuellen Gesundheitspolitik ist so schnell gespannt: „Für uns kommt es nicht nur auf die modernsten Stand der medizinischen Geräte an, sondern auch darauf, dass wir auf den letzten Metern unseres Lebens würdig begleitet werden. Deshalb wird Gesundheit immer teurer werden.“ Im Ausbau präventiver Leistungen sieht Söder deshalb einen Lösungsansatz, die Effizienz des kostspieligen Gesundheitssystems zu gewährleisten. Wichtig sei zudem, dass für angehende Ärzte ländliche Strukturen wieder mehr an Attraktivität gewinnen und nicht das gesamte hochqualfizierte Personal in die Städte abwandert. Die Förderung der Regionalisierung ist für Söder auch in Bezug auf die Nahrungsmittelproduktion ein lohnenswertes Ziel: „Ich setze mich dafür ein, dass Bayern in naher Zukunft völlig gentechnikfrei ist. Leider gibt es in anderen Bundesländern einige Agrarmanager, die nur auf Gewinnmaximierung aus sind und mit belasteten Tierfuttermitteln unsere Gesundheit gefährden.“ Solch klare Worte hörten die anwesenden Landwirte im Saal gern. Bei der anschließenden Diskussionsrunde beklagte jedoch ein Bauer, dass die eigenen bayerischen Produkte aufgrund der strikten Einhaltung von Vorschriften des bayerischen Staatsministeriums im Wettbewerb mit anderen Bundesländern oder Staaten schlechtere Karten haben. Ein Vorwurf, den Söder so nicht im Raum stehen lassen wollte, zumal die Einhaltung der EU-Vorschriften in allen Mitgliedsländern gelte. Mit dem EU-Recht haderte auch ein Pferdezüchter, der seine Tiere durch die Wiederansiedelung des Wolfes im Alpenraum nachhaltig gefährdet sieht: „Wölfe, Bären und Luchse sind nun mal gefährliche Raubtiere, die nicht unterschätzt werden dürfen.“ Markus Söder machte sich dennoch für den Artenschutz des bedrohten Wolfes stark, bewilligte aber in Ausnahmefällen Ausgleichszahlungen, sobald Pferde auf der Flucht vor Wölfen in Abgründe stürzen. Viel Unmut im Publikum erregte der Umstand, dass die Krankenkassen von den Hausärzten inzwischen noch mehr Einsparungen verlangen. Ein betroffener Mediziner forderte Söder offen auf, dafür zu sorgen, „dass die Krankenkassen nach der Kündigung der Hausärzteverträge durch die AOK nicht mit uns Schlitten fahren“. Mittlerweile verzichteten immer mehr Ärzte auf Hausbesuche, da sie dafür nur unzureichend bezahlt würden. Söder verwies daraufhin auf den Einsatz von mobilen Teams, die zum Beispiel Demenzkranke nach Hause begleiten. Nicht zuletzt seien aber auch die Familien selbst gefordert. So ist es für den vierfachen Familienvater eine Selbstverständlichkeit, dass sich die eigenen Kinder, „denen man jahrelang den Hintern ausgeputzt hat, später auch einmal um die bedürftigen Eltern kümmern“.

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