Plädoyers für Gleichberechtigung

Weltfrauentag-Programm im „Hinterhalt“ sorgt für berührende Momente

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Eröffneten die Ausstellung „Die Welt der Frau“: KIL-Vorsitzende Assunta Tammelleo (vorne, l.) sowie Christoph (l. hinten) und Julia Haderer (2. v. l. hinten).

Gelting – Zum fünften Mal organisierte der Kulturverein Isar-Loisach gemeinsam mit dem Historischen Verein Wolfratshausen eine Veranstaltung zum Weltfrauentag. Der Andrang war größer als erwartet.

Assunta Tammelleo eröffnete den fast vierstündigen Abend in der ausverkauften Kulturbühne Hinterhalt mit einer Ausstellung der ägyptischen Karikaturistin Doaa El-Adl. „Die Welt der Frau“ entstand in der „Schule des Ungehorsams“ des berühmten Linzer Künstlers Gerhard Haderer. Tammelleo transportierte die zum Teil verstörenden Zeichnungen über sexuellen Missbrauch und häuslicher Gewalt eigenhändig mit ihrem Auto von Linz nach Gelting. Den Weg von Oberösterreich in die Kulturbühne fanden auch Christoph Haderer, Sohn von Gerhard Haderer und Leiter der „Schule des Ungehorsams“, sowie seine Frau Julia. „Doaa El-Adl ist für uns eine Heldin des Ungehorsams“, sagte Haderer. Denn die Karikaturistin gehe das hohe Risiko ein, von einer repressiven Regierung inhaftiert zu werden. „Gewalt gegen Frauen gibt es aber nicht nur in Ägypten, das ist ein weltweites Problem“, betonte der Linzer. Nach diesem berührenden Programmauftakt lockerte das gemischt männlich-weibliche Saxofon-Quartett Saxema mit Evergreens aus den 1920er- und 1930er-Jahren die Stimmung im ausverkauften Hinterhalt auf.

Der Vorsitzenden des Historischen Vereins Dr. Sybille Krafft war es dann vorbehalten, gleich vier Schirmherrinnen der Veranstaltung auf die Bühne zu bitten. Im Rahmen eines Speed-Datings verrieten die beiden Ickinger Bürgermeisterkandidatinnen Dr. Beatrice Wagner und Cornelia Zechmeister sowie die Geretsrieder Bewerberin Martina Raschke und die Eurasburger Kandidatin Carola Belloni, was ihnen zum Thema Gleichberechtigung einfällt. So zitierte Raschke die katholische Frauenrechtlerin Helene Weber mit deren Aussage „Der reine Männerstaat ist das Verderben der Völker“. Einen ähnlich kämpferischen Spruch wählte Cornelia Zechmeister, die zwei Sätze der einstigen britischen Premierministerin Margaret Thatcher wiedergab: „Wenn Sie in der Politik etwas gesagt haben wollen, wenden Sie sich an einen Mann. Wenn Sie etwas getan haben wollen, wenden Sie sich an eine Frau“. 

Die Ickinger SPD-Bürgermeisterkandidatin Wagner und die Eurasburgerin Carola Belloni warben dafür, strikte Grenzen aufzulösen. „Irgendwann einmal werden wir keinen Weltfrauentag mehr benötigen, weil wir alle gleichberechtigt sind“, hofft Belloni. Vor der Aufführung des von Regisseur Oliver Storz inszenierten Nachkriegsdramas „Drei Schwestern made in Germany“ hatte dessen Witwe Jutta das Wort. Im Interview mit Hannelore Greiner sprach sie über ihre Zeit als Sekretärin bei der amerikanischen Militärverwaltung in Schwäbisch Hall. „Damals gab es kaum Lebensmittel, kein Theater, nur ein wenig Kino“, berichtete Storz. Der danach aufgeführte Film aus dem Jahr 2005 ließ all diese Erinnerungen wieder wach werden. Der Erlös des Filmabends geht an den Erinnerungsort Badehaus und an den Kulturverein Isar-Loisach. „Wir wollen damit Kultur- und Bildungsarbeit unterstützen“, versprach Tammelleo. Peter Herrmann

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Info: Die Ausstellung „Die Welt der Frau“ ist bis zum 22. März kostenlos im Nebenraum der Kulturbühne Hinterhalt zu sehen. Öffnungszeiten: Mo., Mi., Do. von 15 bis 18 Uhr sowie Fr., Sa., So. von 14 bis 18 Uhr.

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