Plagiatsverdacht erhärtet sich

14 Zeilen nahezu wortgleich: Links die Dissertation Dominic Stoibers aus dem Jahr 2010 und rechts die Seminararbeit von Nils Zeino-Mahmalat aus dem Jahr 1997. In Stoibers Arbeit findet sich jedoch keine Fußnote, die auf Zeino-Mahmalats Drittsemesterarbeit verweist. Mit Stoibers Arbeit konfrontiert, zeigt sich Zeino-Mahmalat amüsiert: „Ich kann meine Stellen nachvollziehen und finde meine Sätze wieder.“ Bis die Universität Innsbruck zu einem Ergebnis kommt, gilt hinsichtlich des Plagiatsvorwurfs die Unschuldsvermutung. Foto: Fastner

Der Plagiatsverdacht (wir berichteten) gegen Bezirksrat Dominic Stoiber erhärtet sich. Dem Gelben Blatt liegt mittlerweile eine Kopie zur derzeit unter Verschluss liegenden Dissertation Stoibers vor, ferner eine grobe Analyse des Medienwissenschaftlers Stefan Weber. Der österreichische Plagiatsexperte behauptet in einer „PlagScan“-Analyse, dass der Sprössling von Ex-Ministerpräsident Edmund Stoiber Teile aus einer Drittsemesterarbeit des Siegener Studenten Nils Zeino-Mahmalat von 1997 abgeschrieben hat.

Der Medienwissenschaftler Weber bezieht sich in seiner Analyse nur auf den ersten Teil der im Februar 2010 eingereichten und 287 Seiten umfassenden Dissertation („Die Föderalismusreform I der Bundesrepublik Deutschland: Beschreibung und Bewertung der Reform und eine Analyse der Bewährung in der Praxis anhand des Nichtraucherschutzes“, d.Red.). Laut der Auswertung gibt es eine Vielzahl von Fundstellen, die möglicherweise im wissenschaftlichen Sinn fragwürdig sind. „Aufbauend auf diesen eindeutigen Funden habe ich keine gutachterliche Ausarbeitung gemacht – schlichtweg, weil ich dazu keinen Auftrag erhalten habe“, sagt Weber auf Nachfrage des Gelben Blattes. „Man müsste jeden Treffer einzeln auswerten.“ Für die Tiroler Tageszeitung interpretierte Weber schon partikuläre Funde. Eine Plagiatssoftware hat etwa 24 Treffer bei Stoibers Dissertation gefunden, die auf die Hausarbeit („Kompetenzverteilung im deutschen Föderalismus – Bund und Länder im Konflikt“, d.Red.) von Nils Zeino-Mahmalat zurückzuführen sind. Er studierte 1997 im dritten Semester Politikwissenschaft, arbeitet heute für den Verkehrsverbund Rhein-Ruhr. Vom Gelben Blatt mit Dominic Stoibers Arbeit konfrontiert, zeigt sich Zeino-Mahmalat amüsiert: „Ich kann meine Stellen nachvollziehen und finde meine Sätze wieder.“ Dass die Hausarbeit, an der sich Stoiber vermutlich bedient hatte, damals schon 13 Jahre alt war und im dritten Semester verfasst wurde, lässt Dominic Stoiber und seinen österreichischen Doktorvater wissenschaftlich nicht gut aussehen. „Das waren damals meine ersten wissenschaftlichen Gehversuche, ich hätte nie gedacht, dass sich die einmal in einer Dissertation wiederfinden“, sagt Zeino-Mahmalat auf Nachfrage des Gelben Blattes. „Die Linke“ im Bezirkstag fordert indes Dominic Stoibers Abberufung aus diesem Gremium. Linke wollen Stoiber schassen Aufgrund des sich erhärtenden Plagiatsverdacht gegen Dominic Stoiber steht nicht nur dessen Doktortitel auf der Kippe: Die Linke im Bezirkstag fordert die Abberufung des Lokalpolitikers. Auf einen Bericht in der Tiroler Tageszeitung beruft sich Die Linke im Bezirkstag. In dem österreichischen Blatt sei „nachgewiesen, dass Stoiber in seiner Dissertation Textpassagen abgeschrieben hat“. Linken-Bezirksrat Prof. Dr. Klaus Weber empfiehlt demnach „die Abberufung des Bezirksrats Dominic Stoiber wegen des Nachweises eines Plagiats im Rahmen seiner Dissertation an der Universität Innsbruck“. Zudem forderte der Münchner Psychologieprofessor Stoiber auf, seinen „Titel für die Zeit der Prüfung ruhen zu lassen“. Geprüft wird bereits seit Herbst vergangenen Jahres. Stoiber habe sich laut Weber des Ehrenamts als unwürdig erwiesen. Die Linke beruft sich auf Paragraph 13 der Bezirkstagsordnung, der genau für diesen Fall eine Abberufung möglich macht. Weber forderte Stoiber dazu auf, eine Kopie seiner Doktorarbeit zu erhalten oder selbige Arbeit ins Netz zu stellen. Die Email-Antwort Stoibers am 5. Januar um 11.22 Uhr sei laut Weber lapidar: „Meine Dissertation liegt, wie das üblich ist, bei der Universität.“ Weiter gibt Stoiber an: „Ich habe alle diesbezüglichen Anforderungen erfüllt.“ Als weiteres Argument führt Weber ins Feld, dass Stoibers Dissertation „entgegen der üblichen Gepflogenheiten“ im wissenschaftlichen Bereich weder als Buch veröffentlicht noch als Datei im Internet zu finden ist. „Stoiber entzieht sich somit wirksam der Möglichkeit einer Überprüfung durch Andere.“ Weber stellte bereits eine Ausleihanfrage für Stoibers Dissertation. Doch er kam nicht an die Arbeit heran. Anfragen bei der Landesbibliothek Tirol und bei der Nationalbibliothek in Wien wurden am 26. Januar von den dortigen Stellen negativ beantwortet: „Es tut uns leid, aber das bestellte Dokument ist nicht lieferbar. Mitteilung: Leider auch in Wien gesperrt aufgrund eines Plagiatverdachtes.“ Eine Nachfrage Webers ergab, dass diese Sperrung Stoibers Dissertation „auf Weisung des Vize-Rektors für Lehre und Forschung der Universität Innsbruck veranlasst wurde und die Arbeit, die in Wien lag, ,eingezogen’ wurde“. In der Tiroler Tageszeitung vom 7. März sei laut Weber nachgewiesen, dass „Stoiber in seiner Dissertation zum einen aus einer Hausarbeit aus dem Jahre 1997, die von Nils Zeino-Mahmalat an der Universität Siegen eingereicht wurde, Textpassagen abgeschrieben hat, die Quelle nicht genannt und andererseits die Zitiernachweise aus dieser Quelle wiederum gestrichen hat“. Sonach habe Stoiber jun. vorsätzlich versucht, zu verbergen, dass er Textteile aus anderen Arbeiten übernahm. „Das Abschreiben aus diesen Quellen hat er vorsätzlich verschleiert.“ Wenn dem nicht so wäre, hätte Stoiber „problemlos seine Arbeit im Netz veröffentlichen oder diese zur Einsicht freigeben können“. Stoiber bringe mit seinem unehrenhaften Verhalten nicht nur sich selbst in Misskredit, sondern auch den Bezirkstag von Oberbayern. „Sein unehrenhaftes Verhalten sollte Grund sein, ihn von seinem Ehrenamt abzuberufen.“ Dominic Stoiber selbst äußerte sich bislang nicht zu den Vorwürfen. Gegenüber dem Gelben Blatt war er trotz mehrmaliger Anrufe auf seinem Handy nicht zu erreichen. Bis die Universität Innsbruck zu einem Ergebnis kommt, gilt hinsichtlich des Plagiatsvorwurfs die Unschuldsvermutung.

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