Planungssausschuss goutiert 60-Meter-Destillationsturm des Flüssiggasherstellers

Der Tyczka-Turm kommt

Der Flüssiggashersteller Tyczka darf seinen 60 Meter hohen Destillationsturm errichten – nun muss die Bebauungsplanänderung nur noch den Stadtrat am 18. Dezember passieren. Das ist allerdings Formsache.

Geretsried – Die Industriestadt bekommt ein industrielles Wahrzeichen. Denn der Flüssiggashersteller Tyczka will seinen Standort an der Blumenstraße erweitern.

Dafür sind ein 60 Meter hoher Destillationsturm sowie ein 30 Meter hohes Gastanklager geplant. Der Entwicklungs- und Planungsausschuss machte den Weg nach erneuter Auslegung der Planunterlagen dafür frei – trotz weiter bestehender Bedenken von Trägern öffentlicher Belange. Die Stadt weist die Kritik zurück. Michael Schlenz vom Bauamt verwies auf naturschutzrechtliche Vorbehalte der Bedenkenträger. Denn die Erweiterungspläne bringen eine massive Rodung mit sich, die es auszugleichen gilt. 2,5 Hektar Wald wird Tyczka zur Realisierung abholzen. Hier fordert das Landratsamt eine „ökologische Bauleitung vor Beginn der Rodung“. Uwe Feickert vom Büro „U Plan“ erinnerte auf die von der Firma Tyczka 1991 geleistete Ausgleichsmaßnahme im Bereich unweit von Gut Buchberg. Damals wurden drei Hektar aufgeforstet, „im Vorgriff auf den jetzigen Eingriff“. Weiter bemängelt das Landratsamt die Höhe des Destillationsturmes, „da die optische Fernwirkung nicht bewertet und in Relation zur Beeinträchtigung des Landschaftsbildes gesetzt wird“. Dem widerspricht die Stadtverwaltung mit dem Hinweis auf andere Gebäudehöhen innerhalb des Stadtgebietes und der Nachbarkommunen. Wie etwa das Hochhaus an der Sudetenstraße, das 37 Meter hoch ist. Oder dem Behördenfunkmast in Wolfratshausen (etwa 50 Meter, d.Red.). Ebenso sei der Degussa-Kamin in Pullach 88 Meter hoch. Die Stadt sieht die geplante Erweiterung als Maßnahme zur Sicherung des Betriebsstandorts und zum Erhalt von Arbeitsplätzen. Nahezu diskussionslos passierte die von Tyczka geplante Erweiterung den Entwicklungsausschuss. Nur Beate Paulerberg (Grüne) widersprach. Sie störte sich wie schon zur ersten Auslegung des Bebauungsplans an der „optischen Fernwirkung, den nicht auszuschließenden Störfällen für das Schutzgut Mensch und den verkehrlichen Emmissionen“. Lorenz Weidinger (FW) konterte, dass „man mit diesen Argumenten jedes Bauvorhaben kaputt reden kann“. Die Höhe des Turms sei „Geschmackssache, wie übrigens auch die Grünen“. Und: „Mir gefällt der Turm und ich würde auch noch 20 Meter höher genehmigen.“ Bürgermeisterin Cornelia Irmer (parteifrei) fügte hinzu, dass auch „das Schutzgut Mensch Arbeitsplätze braucht“. Das letzte Wort hat nun der Stadtrat am 18. Dezember. Dessen Zustimmung gilt als sicher – mit Ausnahme der Grünen-Fraktion, die in Konsequenz ihrer Argumentation die Tyczka-Erweiterung wohl ablehnen dürfte.

Ralf Fastner

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