Polizei räumt Bergkramerhof

Vorsätzlich verfassungswidrig gehandelt: Dr. Josef Hingerl öffnet Golfplatz trotz Lockdown

Berkramerhof-Betreiber Dr. Josef Hingerl im Sessel
+
Sieht den Sicherheitsabstand auf seiner Golfanlage gewährleistet: Berkramerhof-Betreiber Dr. Josef Hingerl.
  • Daniel Wegscheider
    vonDaniel Wegscheider
    schließen

Wolfratshausen - Am Bergkramerhof spielen die Golfer, bis ein Großangebot der Polizei aus München und Wolfratshausen anrückt und „aufräumt“, wie Betreiber Dr. Josef Hingerl sagt. Der Jurist plante das Vorhaben, um dagegen rechtlich vorzugehen.

Am vergangenen Samstagnachmittag rückten 28 Polizeibeamte zur Golfanlage Bergkramerhof in Wolfratshausen aus und erteilten dort mehrere Platzverweise. Dr. Josef Hingerl, der Geschäftsführer des Golfklubs, hatte die Grünanlage morgens mit vorheriger medialer Ankündigung eröffnet, sodann die Polizei die 70 Hektar große Fläche am Nachmittag wieder sperrte.

Das Landratsamt wird dagegen nun einen weiteren Bußgeldbescheid erlassen: „Mit der Öffnung des Golfplatzes hat Dr. Hingerl ganz klar eine Ordnungswidrigkeit begannen“, berichtet Landratsamt-Sprecherin Sabine Schmid auf Nachfrage. „Nach der derzeit gültigen Infektionsschutz-Maßnahmenverordnung ist das Golfspielen dort nicht erlaubt.“

Laut dem Leiter der Polizeiinspektion Wolfratshausen, Andreas Czerweny, gingen am Samstag mehrere Anrufe ein: „Dort oben wird Golf gespielt“. In Summe schlugen am Samstag rund 80 Spieler ihre Bälle Richtung Grün. Aber: „Der Betrieb von Sportstätten ist derzeit gesetzlich untersagt“, betont auch Czerweny, und ergänzt: „Das weiß Hingerl auch“. Polizei und der Golfanlagenbetreiber hatten sich in der Früh an der Anlage sogar getroffen und sich unterhalten. „Es war ein ruhiges Gespräch“, so Polizeichef.

Auch Hingerl selbst hegt keinen Groll gegen die Polizei: „Die machen ihren Job, den Fall muss ein Gericht entscheiden“, bestätigt er auf Nachfrage. Der Jurist sieht diesen nämlich differenzierter: „Individualsport ist unter Beachtung der Kontaktbeschränkung erlaubt.“ Aus Amtssicht ist Hingerl der Meinung, „dass die Schließung der Golfplätze bereits seit dem ersten Lockdown“, also von Anfang an, „verfassungswidrig war“. Es gebe dort keinen Grund für eine Ansteckungsgefahr.

Hingerl betont: „Ich organisiere was die Virologen, Mediziner und Politiker wollen: raus an die frische Luft gehen, Sport treiben und Abstand halten.“ Auf dem Bergkramerhof seien zum Hygieneschutz das Clubhaus, Restaurant und Toiletten dicht. Und es dürften im Abstand von acht Minuten jeweils nur zwei Golfer auf die Anlage. Das bedeute, einen Abstand von rund 250 Metern zwischen den nachfolgenden spielenden Paaren.

Er begeht das vorsätzlich

Wolfratshausens Polizeichef Andreas Czerweny,

Derzeit steht noch das Bußgeldverfahren vom Mai 2020 aus, der ersten formal rechtswidrigen Eröffnung der Golfanlage während des ersten Lockdowns (wir berichteten). Hingerl sagt: „Auf den Bußgeldbescheid warte ich bis heute, um beim Verwaltungsgericht München eine Klärung herbeizuführen.“ Das bestätigt auch Czerweny: „Hingerl möchte den Bußgeldbescheid erhalten, damit er gegen den Gesetzgeber vorgehen kann. Er begeht das vorsätzlich.“

Die Polizei nahm am Samstag insgesamt 21 Anzeigen auf. Hingerl dazu: „Ich übernehme selbstverständlich die Verantwortung, verteidige die Golfspieler und übernehme das zu zahlende Bußgeld.“ Um 16.47 Uhr teilte der Geschäftsführer auf seiner Homepage mit, dass die Golfanlage nun wieder geschlossen sei und erklärt: Das Gelände Bergkramerhof könne „als freie Natur“ von jedermann benutzt werden: also von Fußgängern, Joggern, Mountainbikern und freilich auch Golfern. Daniel Wegscheider

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Kommentare