Zeichen gegen das Vergessen

Polizeipräsident von Besuch des Erinnerungsortes „Badehaus“ tief beeindruckt

Zeichen gegen das Vergessen: Polizeipräsident Robert Kopp (l.), Badehaus-Vereinsvorsitzende Sybille Krafft, Polizeivizepräsidentin Eva Schichl und der Wolfratshauser Inspektionsleiter Andreas Czerweny besuchten den Erinnnerungsort Badehaus Waldram.

Wolfratshausen – Über 19.000 ehrenamtliche Arbeitsstunden stecken im „Badehaus““, einem für das südliche Oberbayern wichtigen Ort der Erinnerung, der Begegnung und des Lernens. Dieser Leistung und der herausragenden Ausstellung über die Siedlung Föhrenwald zollten Polizeipräsident Robert Kopp und Vertreter des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd sowie der Polizeiinspektion Wolfratshausen durch ihren Besuch am Montag vergangener Woche – am Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus – ihren höchsten Respekt.

Das Badehaus im heutigen Wolfratshauser Ortsteil Waldram wurde in den Jahren 1939/40 – in der damaligen als Siedlung Föhrenwald, wo ausländische Zwangsarbeiter sowie deutsche zivile und kriegsdienstverpflichtete Arbeitskräfte im Wolfratshauser Forst lebten, errichtet. Ende April 1945 wurden auf dem Todesmarsch der Dachauer KZ-Häftlinge in der Nähe von Föhrenwald Hunderte von Gefangenen befreit. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde es in eines der größten und am längsten bestehenden Lager für jüdische Displaced Persons in ganz Deutschland umgewandelt. Heimatlos gewordene Juden aus Osteuropa warteten hier bis 1957 auf ihre Ausreise nach Palästina / Israel oder hofften in einem anderen Land ein neues Leben beginnen zu können. Ab 1956 wurden in Föhrenwald meist katholische, kinderreiche Heimatvertriebene angesiedelt und der Ort in Waldram umbenannt.

Bis heute finden sich hier Spuren dieser einzigartigen Migrationsgeschichte. Durch den im September 2012 gegründeten Verein „Bürger fürs Badehaus Waldram-Föhrenwald“ wurde das historische Gebäude bekanntlich vor dem Abriss bewahrt und ein Ort der Erinnerung, der Begegnung und des Lernens geschaffen. Da dieser geschichtsträchtige Ort seit Oktober 2018 der Öffentlichkeit zugänglich ist und mitten im Dienstbereich des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd liegt, nahm Polizeipräsident Robert gemeinsam mit seiner Stellvertreterin Eva Schichl und weiteren Angehörigen des Präsidiums sowie der Polizeiinspektion Wolfratshausen die Einladung der Vorsitzenden des Vereins, Dr. Sybille Krafft, gerne an, um sich persönlich einen Eindruck zu verschaffen.

Krafft brachte in einer knapp 1,5 stündigen Führung durch die aufwendig und eindrucksvoll gestalteten Räumlichkeiten die verschiedenen Epochen der Zeitgeschichte in Föhrenwald näher. Danach äußerte sich Polizeipräsident Robert Kopp tief beeindruckt: „Beklemmend und erschütternd zugleich - diese Attribute beschreiben die ausgestellten Exponate wohl am besten. Gerade am Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus ist ein Zeichen gegen das Vergessen sehr wichtig, um Menschenfeindlichkeit vorzubeugen.“ Die Gesellschaft, aber insbesondere die Polizei in einem rechtstaatlichen, demokratischen Land, habe die Verpflichtung, sich mit der eigenen Vergangenheit auseinander zu setzen. „Antisemitismus und Hetze haben bei uns keinen Platz – egal welche Motivation zugrunde liegt“, so Kopp. Minderheiten verdienten den uneingeschränkten Schutz, weil auch der, der „nur“ hetzt, bereits den moralischen Kompass verloren habe. „Wir müssen daher aufmerksam und wachsam bleiben gegenüber allen Gefahren des Extremismus.“ tka

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