Pop-Up-Store im ehemaligen Trachten Kirner: Innovative Unternehmer präsentieren sich vier Wochen lang

Der Ein-Monat-Shop

+
Mandala-Bild und Industrie-Stehlampe mit Lasergravur: entworfen von Tasneem Dustagheer und Daniel Breuer.

Bad Tölz – Auf einem Hornschlitten liegen regionale Wolldecken von Walliser-Landschafen, daneben reihen sich rosa und blaue Babypantoffeln. Die Auslage im Schaufenster des ehemaligen Trachtenladens Kirner ist nach dem Leerstand nun wieder voll.

Voll ist an diesem Mittwochabend auch der Laden selbst: Groß ist das Interesse an der Eröffnung des „Pop-Up-Stores“ am Tölzer Amortplatz. Nachdem das Dirndl- und Lederhosengeschäft vergangenes Jahr geschlossen hatte und bis heute kein Nachmieter gefunden wurde, stellen jetzt dort für einen Monat 17 Handwerker, Unternehmer und Geschäftsleute ihre Ware aus.

Ein flambierter Kirschbaumholz-Tisch, aus Plastiktüten gehäkelte Dirndltaschen, recycelter Schmuck aus Abfallprodukten sowie Kaffee aus Indien: Zahlreiche kreative und praktische Waren sind im Erdgeschoss des ehemaligen Trachtengeschäfts bis zum 14. Juli zu sehen. „Ich bin total zufrieden“, freut sich Dorien Meima-Schmid vom Unternehmen „Startup and More“. „Wir sind überrascht, wie viele sich gemeldet haben.“ Gemeldet haben sich 20 Unternehmer, „dreien haben wir absagen müssen“, so die Projektinitiatorin weiter. Sie wird von der Stadt Bad Tölz, dem Wirtschaftsforum Oberland und der Metropolregion München unterstützt.

Der Platz ist auf den rund 170 Quadratmetern begrenzt. Dort steht auch ein zwei Meter hoher Blickfang: Es ist eine achtzig Zentimeter große Industrielampe, die auf einem Vermessungsstativ geschweißt ist. Entworfen hat sie der 28-jährige Daniel Breuer. Dem Königsdorfer, der beruflich im Marketing tätig ist, entdeckte sein Designertalent als Praktikant. Sein damaliger Chef wusste einmal nicht, wo er 40 gefundene Schrottlampen lagern sollte. Es handelte sich um große Industrielampen, die auf Messen große Hallen ausleuchten. Breuer bot sich an, diese bei sich zu lagern. Und als er ein Geburtstagsgeschenk für seinen Chef brauchte, entschloss er sich aus einer von diesen eine Stehlampe zu designen. „Es war der zündende Funke“, erklärt Breuer. An diesem Abend waren gleich zwei Geburtstagsgäste auf ihn zugekommen und fragten, ob sie auch so eine bekommen könnten. Aktuell besitzt der Jungdesingner rund 60 Stück davon, jede davon sei ein Unikat.

Tasneem Dustagheer steht daneben und nickt. Sie kennt die Arbeit ihres Freundes Daniel gut und teilt seine Leidenschaft für Kunst. Die 27-jährige Journalistin ist in Mauritius geboren und aufgewachsen, heute zeichnet sie freihändig Mandalas – ein kreisrundes geometrisches Schaubild, das im Hinduismus und Buddhismus eine magische oder religiöse Bedeutung besitzt. Für Dustagheer bringe die Aquarellarbeit daran meditative innere Ruhe, berichtet sie. „Ich verbinde damit auch persönliche Erfahrungen oder Begegnungen mit besonderen Menschen.“ So hängt das Bild hinter ihr feuerrot und kupfer-orange wie der Sonnenuntergang in Kolumbien, in den sich Dustagheer damals im Urlaub verliebt hatte. Bilder und die Lampen warten nun auf Käufer.

Gut gelaunt ist auch Ingeborg Schmid, die Eigentümerin des Ladens: „Es ist schön hier geworden“, sagt sie. „Nun müssen wir schauen, ob es auch erfolgreich wird für die Teilnehmer.“ Stadt-Wirtschaftsförder Falko Wiesenhütter ist sich dessen sicher: Ein Trachtengeschäft, dass sich über 50 Jahre an einem Standort hält, sei heutzutage nicht mehr möglich. Ob „Start-Ups die Zukunft sind“ müsse sich eben zeigen, findet Vize-Bürgermeister Andreas Wiedemann. Optimal sei die Zwischennutzung allemal: „Das schlimmste sind leere Schaufenster“,ergänzt Andreas Ross vom Wirtschaftsforum Oberland. Daniel Wegscheider

Auch interessant

Kommentare