Ausdruck eines besonderen Könnens

Preise für Künstler vergeben: Landrat zeichnet zwei Frauen und zwei Männer aus

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Landrat Josef Niedermaier (r.) verlieh Preise an (v.l.) den Geretsrieder Geiger Marc Kaufmann (Kunstförderpreis), die Wackersberger Sängerin Barbara Hölzl, Erwin Wiegerling (Kulturehrenbrief) sowie die Mezzosopranistin Rita Kapfhammer aus Bad Heilbrunn.

Bad Tölz/Landkreis – Für Landrat Josef Niedermaier ist es eine Ehre, alle zwei Jahre Preise an Künstler aus dem Landkreis zu übergeben, wie er in seiner Laudatio am vergangenen Donnerstagabend in den Räumen seiner eigenen Behörde bestätigte. Der Große Sitzungssaal war gerammelt voll, der schwarze Flügel glänzte, genauso wie die Augen so manches Gastes, nach den Darbietungen der ausgezeichneten Künstler: Die Wackersberger Sängerin Barbara Hölzl, die Mezzosopranistin Rita Kapfhammer aus Bad heilbrunn, der Geretsrieder Geiger Marc Kaufmann (Kunstförderpreis) sowie Erwin Wiegerling, der den Kulturehrenbrief erhielt.

Kaufmann zeigte seine Kunst als erster. Er überzeugte mit zwei klassischen Werken an der Violine, gemeinsam mit Céline Dutilly am Flügel. Teils auch mit einem modernen Werk - im Quintett mit seiner Gruppe „Impro Libre“ der Musikschule Geretsried: Marcus Wagner (Sprecher und Trompete), Christopher Motan (Saxofon), Adrian Speer (E-Gitarre) sowie Tim Wandke (Klavier). Sabine Beyer hielt Kaufmanns Laudatio und erzählte unter anderem, wie dieser im zarten Jungenalter zur Musik gekommen war: der Urlaubsort Bibione sei schuld. Hier hatte Marc ein Lied in einem Cafè gehört, versetzt mit krächzendem Keyboard und ächzendem Hundegebell. Die Melodie jedoch hatte sich ihm so stark eingeprägt, dass er nach der Rückkehr nach Geretsried dem Großvater vorsingen konnte. Wie sehr die Anfänge zu einer großer Musikkarriere gereift waren, zeigte sich überzeugend am kräftigen Applaus des Publikums nach den Darbietungen des „voll sympathischen, verlässlichen und vielseitigen“ Geretsrieders.

„Der Kunstpreis ist nicht irgendein Preis“, erklärte der Landrat. Er sei Ausdruck eines besonderen Könnens und Geschicks – eines Könnens, das oft nicht messbar ist. Eigentlich hätte die Auszeichnung bereits Anfang Januar übergeben werden sollen. Der eingetretene Katastrophenfall hatte eine Verschiebung auf Anfang April notwendig gemacht. Noch mehr Musikdarbietungen empfing das Publikum von den beiden weiblichen Ausgezeichneten. Zu den wichtigsten Künstlerinnen gehört die aus Wackersberg stammende Barbara Hölzl, erfuhr man es von Laudator Robert Holl, der aus der Uni Wien angereist war. Die Mezzosopranistin hätte eine wunderbar gepflegte Alt-Stimme, könne aber auch in Sopran singen. „Sie ist eine Dienerin am Werk“, so Holl in breitestem Wiener Dialekt. Dies könne nur gelingen, wenn man sich derart ins Kunstwerk vertiefe und öffne wie Barbara Hölzl. Dass sie sich zurecht als ausdrucksstarke Sängerin an international namhaften Häusern etabliert hat, davon konnte sich das Publikum – unter Begleitung von Professor Ralf Heiber am Flügel - mit eigenen Ohren überzeugen.

Die zweite Mezzosopranistin Rita Kapfhammer, die ausgezeichnet wurde, stellte Laudator Anton Sacher vor. Bescheidenheit und künstlerische Qualität würden die gebürtige Bad Heilbrunnerin auszeichnen, bestätigte dieser. Kapfhammer sei eigentlich eine Quereinsteigerin, erfuhr man aus Sachers Worten. Zuerst hatte sie einen „anständigen Beruf“ - den der Hotelfachfrau gelernt, später im evangelischen Kirchenchor gesungen, wo Dietrich Schneider ihr Talent erkannt hatte. Dieser drängte sie dann auch zum Gesangsstudium. Nie hätte sie zuvor gedacht, dass Singen einmal ihr Beruf werden würde. „Jetzt probier‘ ich‘s halt mal, wenn‘s nix wird, ist‘s auch nicht schlimm“, so äußerte sich die sympathische Sängerin anschließend selbst. Dass es jedoch „etwas geworden“ ist, bestätigen erfolgreiche Künstlerjahre wie die Zeit am Ulmer Theater, am Münchner Gärtnerplatztheater oder am Opernhaus in Dessau. Kapfhammer singe mit großer Wärme und anrührender schauspielerischer Leistung, so ihr Laudator. „Mit bedrohlicher Tiefe und an Wahn erinnernder Höhe.“ Auch Kapfhammer überzeugte das Publikum mit einer Kostprobe ihrer Stimme. Wenn auch – wegen einer gerade eingefangenen Erkältung – ein wenig kurz.

Einen Dialog mit der Schöpfung geht der mit dem Kulturehrenbrief ausgezeichnete Erwin Wiegerling ein. Dabei spielen Naturmaterialien wie Erde, Steine, Holz, Dornen, Rosen oder Wasser eine außerordentlich große Rolle. Und Licht. Professor Dr. Egon Endres hielt die Laudatio für den Hauptpreisträger, der in Doppelpersona – einmal als Bildhauer und einmal als freischaffender Künstler namens e.lin – ausgezeichnet wurde. Wiegerling legt dabei meist „einfach los“. Werke entstehen scheinbar tief aus seinem Inneren: aus Strohbüscheln, verwildertes Holz, Moos oder Schilf, versetzt mit einem Farbenreichtum, von dem manch einer nicht einmal ahnen würde, dass so etwas existiert. In Sekundenbruchteilen könne Wiegerling sein Umweld wahrnehmen und Details auf den Punkt bringen. Damit schaffe er Impulse, damit Leben gelinge. Vom Leben und Schaffen des Hauptpreisträgers konnte sich das Publikum denn in einem Filmausschnitt von Klaus Röders „Damit Leben gelingt“ von Klaus Röder einen Eindruck verschaffen. Einige von Wiegerlings Kunstwerke haben im Landratsamt ein Zuhause gefunden und können noch bis Ende April besichtigt werden. Rose-Marie Beyer

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