Projekte auf den Weg gebracht

Stadtrat bringt Bebauungspläne Hintersberg II sowie Wackersberger Höhe weiter

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Die Zwickerwiese soll ab 2022 mit insgesamt 32 Einzel-, Doppel-, Drei- und einem Vierfachhaus bebaut werden. Die Erschließung erfolgt über die Heißstraße. Während der jahrelangen Bauzeit wird es allerdings von Norden her einen Baustraße geben. Fotos: Bock

Bad Tölz – Nicht zu beneiden sind derzeit Bürgermeister Ingo Mehner (CSU) und die 24 Tölzer Stadträte. Nicht nur, dass wegen Corona vieles anders und schwierig ist, auch die bereits vom alten Stadtrat auf den Weg gebrachte Projekte müssen weiter voran getrieben werden. Da half auch ein in der vergangenen Sitzung zutage getretenes vermeintliches Informationsdefizit nichts, konkrete Beschlüsse müssen gefasst werden. Nach einer einmonatigen Verschiebung (wir haben berichtet) wurde jetzt am Dienstag im Kurhaus entschieden: Die Verfahren für die Bebauungspläne Hintersberg II sowie das Sondergebiet Wackersberger Höhe laufen weiter.

Im ersten Fall stimmten nur Gabriele Frei (CSU) und Johannes Gundermann (Grüne) dagegen, im zweiten ergab sich eine Mehrheit von 17 zu sieben Stimmen. Das bedeutet, dass die neuen Häuser auf der Zwickerwiese wie vorgesehen über die Heißstraße erschlossen werden und keine eigene Zufahrt vom Friedhof her gebaut wird. Heißstraßen-Anwohner Martin Hake meinte nach der insgesamt dreistündigen Sitzung im Kurhaus: „Damit werden wir wohl leben müssen.“ Kurz zuvor hatte die Stadtrats-Mehrheit auch zu erkennen gegeben, dass das Hotel Garni mit Chalets, das die Investorenfamilie Tien plant, jetzt doch kommen soll - trotz Bedenken bezüglich Verkehr und Entwässerung. 

Bei beiden Verfahren erfolgt nun eine weitere öffentliche Auslegung (auch im Internet auf der Homepage der Stadt). An die 50 Besucher – darunter auch der frühere Bürgermeister Josef Janker – waren am Dienstag ins Kurhaus gekommen, wo derzeit die Stadtratssitzungen mit größerem Andrang stattfinden. 146 Seiten hatte die Verwaltung zusammengestellt, auf denen die Bedenken der sogenannten „Öffentlichkeit“ gegen die Argumente der Behörden abgewogen wurden – schwerpunktmäßig vorgetragen von Bauamtsleiter Christian Fürstberger. Vor allem ging es um die Zufahrt, die über die bislang recht ruhige Anliegerstraße erfolgen soll. Alternativen wären eine 15 Prozent steile Zufahrt zur Zwickerwiese über den Faist-Weg, vorbei am Bestattungsunternehmen am Friedhof, oder eine längere Trasse gegenüber der Abzweigung ins Gewerbegebiet Farchet am Zwickerhof entlang. Nachdem Fürstberger den enormen Flächenverbrauch dieser beiden Trassen (mit verschiedenen Grundeigentümern) in Beziehung zum 2,5 Hektar großen eigentlichen Baugebiet mit 32 Wohneinheiten gestellt hatte und auch das Verkehrsgutachten zitierte, das keinerlei Probleme für die Heißstraße erkennen lässt, machten die Fraktionssprecher deutlich, dass hier wohl die Entscheidung gefallen sei. Auch ein Antrag von Dr. Matthias Winter (CSU), die für einige Jahre ohnehin vorgesehene ungeteerte Baustraße vom Ratzenwinkel zur Baustelle als spätere Zufahrt auszubauen, fand keine Mehrheit. 

Bürgermeister Mehner erinnerte daran, dass angesichts der angespannten Wohnsituation in Tölz das Ziel sein müsse, den Satzungsbeschluss noch heuer unter Dach und Fach zu bringen. Man wolle 2021 die Grundstücke an die Bewerber vergeben, 2022 mit dem Bau beginnen wollen. Nur Frei und Gundermann konnten sich wegen der ihrer Meinung nach nicht optimalen Erschließung des Areals nicht zu einem Ja durchringen.

Mehrere Bedenken gab es schließlich beim nächsten Punkt, dem Hotelprojekt im Tölzer Süden. Hier hatte es im Vorfeld noch weitere Informationen durch den in Wackersberg wohnenden Investor Johannes Tien gegeben, der mit seiner ganzen Familie zur Sitzung gekommen war. Alle Sprecher zeigten sich vom Projekt an sich angetan, auch wenn Bedenken hinsichtlich der Verkehrserschließung und der Entwässerung blieben, die Fürstberger jedoch auszuräumen versuchte. Die geplanten 50 Zimmer würden nur eine Zunahme von 155 Fahrten pro Tag bedeuten, wohingegen am Max-Höfler-Platz pro Tag 2.500 Fahrzeuge gezählt würden. Das Oberflächenwasser werde auf dem bisherigen Wiesengrundstück zur Versicherung gebracht, möglicherweise durch einen Teich, was aber wiederum Doris Bigos (Grüne) nicht überzeugte. 2. Bürgermeister Michael Lindmair (FWG) kommentierte den Meinungsumschwung einiger Räte seit der Juli-Sitzung, als sich viele nicht ausreichend informiert gefühlt hatten: „Die Informationen, die damals auch schon da waren, wurden offenbar nochmal aufbereitet. Der Investor will ein Hotel bauen und wir als Stadt freuen uns darüber, schließlich profitiert jeder vom Tourismus.“ Wie sehr dies der Fall ist, das hatte zuvor Tourismusfachmann Dr. Bernhard Harrer mit der Vorstellung der Studie „Wirtschaftsfaktor Tourismus in Bad Tölz“ aufgezeigt. Tagestouristen und Übernachtungsgäste würden pro Jahr einen Gesamtumsatz von 91 Millionen Euro bringen (wir berichten noch). Karl Bock

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