Abbau von Vorurteilen

Quartierstreff in Stein zeigt Wanderausstellung „Deutsche aus Russland“

+
Erklärte die Geschichte der Russlanddeutschen: Projektleiter Jakob Fischer (r.).

Geretsried – Seit 2013 fördert das Bundesministerium des Innern und das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) die Wanderausstellung „Deutsche aus Russland. Geschichte und Gegenwart“. Nun sind die Schautafeln im Quartierstreff des Trägervereins Jugend- und Sozialarbeit (TVJA) am Steiner Ring 10 zu sehen.

Dass die Eröffnung der Wanderausstellung „Deutsche aus Russland. Geschichte und Gegenwart“ an keinem geeigneteren Ort hätte stattfinden finden, betonte Bürgermeister Michael Müller in seiner Grußansprache. „Geretsried ist ein gutes Beispiel dafür, wie Integration gelingen kann“, sagte der Rathauschef. Gerade im südlichsten Ortsteil Stein fanden viele Deutsche aus Russland in den vergangenen Jahrzehnten eine neue Heimat. So wie Irina Pfaffenrod, die vor 22 Jahren nach Geretsried übersiedelte und mittlerweile nicht nur wegen ihrer engagierten Arbeit im Trägerverein im ganzen Stadtteil bekannt ist. „Am Anfang war es schwer, aber jetzt mag ich diese bunte Stadt“, erklärte sie. Ein Blick über den kommunalen Tellerrand warfen Maria Filina von der Hanns-Seidel-Stiftung und der Projektleiter der Ausstellung Jakob Fischer. Filina berichtete, dass derzeit etwa 450.000 Russlanddeutsche im Freistaat leben – in ganz Deutschland wird ihre Zahl auf etwa 4,1 Millionen geschätzt. Die Geschichte der Volksgruppe begann mit dem sogenannten Einladungsmanifest der russischen Zarin Katharina II. im Jahr 1763. „Sie versprach deutschen Einwanderern Privilegien wie zum Beispiel Steuerfreiheit, Selbstverwaltung und Freistellung vom Militärdienst“, erklärte Fischer. Mit den beiden Weltkriegen im 20. Jahrhundert begannen dann für die Russlanddeutschen leidvolle Jahre, die von Zwangsarbeit und Vertreibung geprägt waren. Erst ein 1990 zwischen dem damaligen Bundeskanzler Helmut Kohl und Präsidenten Michail Gorbatschow geschlossenes Abkommen verbesserte die Beziehungen. Da Gorbatschows Nachfolger Boris Jelzin den Russlanddeutschen dennoch wenig verheißungsvolle Zukunftsperspektiven anbot, kam es in den 1990er-Jahren zu einer Ausreisewelle nach Deutschland.

Die Wanderausstellung zeigt mit Tafeln und Schaubildern nicht nur historische Zusammenhänge sondern auch die Schicksale einzelner Familien auf. Dabei wird deutlich, dass jenseits der Erfolgsgeschichte der 1984 im russischen Krasnojarsk geborenen Schlagersängerin Helene Fischer noch viel für die Integration und den Abbau von gegenseitigen Vorurteilen getan werden kann. Peter Herrmann

________________________________

Info: Die Ausstellung „Deutsche aus Russland. Geschichte und Gegenwart“ kann jeweils dienstags und donnerstags bei freiem Eintritt zwischen 17 und 20 Uhr im Quartierstreff am Steiner Ring 10 besucht werden. Im Rahmen des Seniorencafés lädt Projektleiter Jakob Fischer am 20. März ab 14.30 Uhr zur Abschlussveranstaltung ein.

Auch interessant

Meistgelesen

Landkreis rüstet Gefährte des MVV und RVO mit Internet-Hotspots aus
Landkreis rüstet Gefährte des MVV und RVO mit Internet-Hotspots aus
Kein Luxus am Karl-Lederer-Platz
Kein Luxus am Karl-Lederer-Platz
Bauausschuss befasst sich mit Vorplanung zum Stadtteil Gries
Bauausschuss befasst sich mit Vorplanung zum Stadtteil Gries
Endlich der erste Spatenstich
Endlich der erste Spatenstich

Kommentare