Ramadan zu Corona-Zeiten

Von einer stärkenden Zeit und der Sehnsucht nach dem schönsten Gefühl: der Gemeinschaft

Ramazan, Esra, Abdullah und Hacer Dogan
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Die Tölzer Familie Dogan: (v.l.) Ramazan, Esra, Abdullah und Hacer können nur im kleinen Kreis das tägliche Fastenbrechen zelebrieren.
  • Franca Winkler
    VonFranca Winkler
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Landkreis/Bad Tölz – „Ramadan Mubarak“ – gesegneter Ramadan. Mit diesem oder einem ähnlichen Gruß wünschen sich viele der etwa 650.000 Muslime in Bayern eine gesegnete Fastenzeit.

In diesem Jahr findet der Ramadan erneut unter strikten Corona-Regeln statt. Vieles ist anders als gewohnt. Familie Dogan aus Bad Tölz berichtet wie sie die Fastenzeit verbringen.

Das bei Familie Dogan die Gastfreundschaft groß geschrieben wird, zeigt sich bereits im Treppenhaus. Freude strahlend steht die komplette Familie zur Begrüßung an der Tür. Das sind: Vater Ramazan, Mutter Hacer, Tochter Esra und Sohn Abdullah. Der jüngste Spross der Familie, Zehra, steht im Gang und deutet auf den Fußboden, dort sollen die Schuhe vor Betreten der Wohnung hin.

Außerdem präsentiert sie sogleich ihr schickes Kleid. Für den Interview-Termin hat sie sich die dreijährige extra herausgeputzt. Kein Wunder, ist es für die kleine Dame eine Seltenheit Besuch zu empfangen – ist doch ein großer Teil ihres noch jungen Lebens Corona-Regelungen unterworfen. Vor der Pandemie hat Familie Dogan meist Freunde und Familie zum gemeinsamen Fastenbrechen am Abend eingeladen und zusammen in der Moschee gebetet. „Die Gemeinschaft fehlt, und die Sehnsucht den Glauben gemeinsam zu leben ist groß“, beschreibt Esra die Situation.

Der tükischstämmige Vater erzählt von seiner Heimat: In Siva in Zentralanatolien sei jeder Tag ein Feiertag gewesen. „Straßenzüge wurden gesperrt und lange Tische aufgestellt, um zusammen zu Essen.“ Die Fastenzeit sei für ihre Familie ein heiliger Monat, erläutert Esra, die derzeit eine zahnmedizinische Ausbildung absolviert.

Muslime freuen sich das ganze Jahr auf Ramadan, doch die Pandemie nimmt die Geselligkeit, die neben der Reinigung des Körpers und der Seele einer großen Bedeutung zukommt. Ebenso wichtig: „das Teilen mit anderen“, wirft Vater Ramazan ein, der zuletzt bei der Penzberger Firma Hörmann gearbeitet hat. Die Entbehrungen tagsüber sollen daran erinnern, dass es nicht selbstverständlich sei einen reichlich gedeckten Tisch zu haben. Mit den Schwachen und Armen zeige man sich solidarisch und spende viel. „Ramadan ist eine Chance sich zu verbessern und die positiven Veränderungen auch in der Zeit danach beizubehalten“, erläutert Esra die Ziele des Fastens.

Neben dem typischen schwarzen Tee werden Lieblingsgerichte gereicht. Hier zu sehen: gefüllte Weinblätter und Börek mit Spinatfüllung.

Ob es schwierig sei den ganzen Tag ohne Essen und Trinken auszukommen verneinen alle Familienmitglieder. Mit Blick auf den für das Interview reichlich gedeckten Tisch sagt Esra, dass es für sie kein Problem sei, wenn andere in ihrer Gegenwart essen. „Die Fastenzeit stärke“, erläutert die junge Frau. „Mir ist es aber schon einmal passiert, dass ich beim Kochen aus Versehen eine Kleinigkeit gegessen habe“, gesteht der künftige Roche-Azubi Abdullah lachend. Das sei komisch gewesen, aber kein Problem, beteuert er weiter.

Vom 13. April bis 12. Mai ist Ramadan, die muslimische Fastenzeit. In dieser Zeit wird von der Morgendämmerung bis zum Sonnenuntergang auf Essen, Trinken und Geschlechtsverkehr verzichtet. Nach dem Ramadan wird drei Tage lang das Zuckerfest gefeiert. Ausgenommen vom Verzicht sind, Kranke, Schwangere und Kinder.

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