Amtsgericht: Verhandlung nach vier Stunden auf Dienstag vertagt

Raubüberfall an Bushaltestelle

Geretsried – Sieben Zeugen sagten zu den Vorfällen vom 21. April aus. Ob der Hauptangeklagte Bernhard F. (Name geändert) einem Wolfratshauser Schüler an einer Bushaltstelle kurz nach Mitternacht fünf Euro aus der Hand riss und danach weitere Jugendliche angriff, konnte in der vierstündigen Verhandlung noch nicht ermittelt werden.

Anwalt Burkhard Pappers beantragte, in einer weiteren Verhandlung am Dienstag weitere Zeugen zu verhören, die seinen Mandanten entlasten sollen. Die Gruppe Wolfratshauser Jugendlicher kam aus einem Nachtlokal an der Geretsrieder Sudetenstraße und wartete an einer nahen Bushaltestelle auf ein Taxi. Als der 16-jährige Jörg K. (Name geändert) einem Mädchen einen Fünfeuroschein aus seiner Geldbörse geben wollte, überschlugen sich die Ereignisse: Ein älterer Geretsrieder entriss dem verdutzten Schüler die Banknote, drehte an seinem Handgelenk und verlangte die Herausgabe weiterer Scheine. Als Jörg K. seinen leeren Geldbeutel herzeigte, ließ der Täter von seinem Opfer ab und griff einen weiteren Schüler an, den er an eine Häuserwand drückte. Auch hier soll er erfolglos die Herausgabe von Barem gefordert haben. Neben dem mutmaßlichen Haupttäter saß auch ein 19-jähriger Geretsrieder auf der Anklagebank, der in dem Handgemenge zumindest einen Wolfratshauser geschlagen haben soll. Obwohl fünf Schüler und ein Mädchen vor der Polizei und vor Gericht eindeutig Bernhard F. als Aggressor identifizierten, stritt dieser alle Vorwürfe ab. „Da muss eine Verwechslung vorliegen. Ich war an diesem Abend im Stadtteil Stein (etwa einen Kilometer vom Tatort entfernt, d. Red.) und habe mich mit Freunden unterhalten“, so der Angeklagte. Sein Zeuge gab ihm auch prompt vor Gericht ein Alibi. Ein weiterer Jugendlicher wollte dies auch tun, durfte dann aber wegen seiner eingeschränkten deutschen Sprachkenntnisse nicht aussagen. „Es wäre besser, wenn Sie mit Dolmetscher vor Gericht erscheinen. Eine unbewusste Falschaussage könnte für Sie Folgen haben“, warnte Richterin Barbara Treeger-Huber. Da Rechtsanwalt Burkhard Pappers ohnehin noch die Einladung von zwei weiteren Zeugen beantragte, wird nun auch noch ein Dolmetscher an der Fortsetzung des Prozesses am kommenden Dienstag teilnehmen. Die Schüler hatten den Namen des Haupttäters erst über dessen Profil im sozialen Netzwerk Facebook ausfindig gemacht und dann angezeigt. Für den in Russland geborenen Angeklagten steht einiges auf dem Spiel. Der 22-Jährige hat bereits neun Einträge in seinem Vorstrafenregister angehäuft – unter anderem Bedrohung, Diebstahl, gefährliche Körperverletzung und Hausfriedensbruch. Käme eine weitere Verurteilung hinzu, bliebe ihm ein längerer Gefängnisaufenthalt wohl nicht erspart. Peter Herrmann

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