Idee zum Konzern gemacht

ReAL Isarwinkel: Tölzer Rehabilitationseinrichtung feiert 25-jähriges Bestehen

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Seit 25 Jahren gibt es die ReAL Isarwinkel bereits in Bad Tölz. Die Einrichtung beschäftigt mittlerweile rund 280 Mitarbeiter.

Landkreis – Als Arnold Torhorst (72)sein Studium der Psychiatrie beendet hatte, waren Patienten, strikt nach Geschlechtern getrennt, noch in geschlossenen Anstalten untergebracht. Erste Reformen, die Psychiatrie zu entstigmatisieren, liefen vor allem in Italien an, in Deutschland gab es damals nur zaghafte Bewegung zu sehen. Um so beeindruckender, dass Torhorst da schon an einer Vision arbeitete, die er einige Jahre später dann umsetzte: Seine Rehabilitations-Einrichtung ReAL Isarwinkel in Bad Tölz. Waren es anfänglich 15 Mitarbeiter, sind inzwischen rund 280 Angestellte in den Einrichtungen des ReAL-Verbunds beschäftigt. Kein Wunder also, dass es jede Menge Glückwünsche auch vonseiten der Politik gab – als nun 25 Jahre Bestehen gefeiert wurden.

Laudator Prof. Egon Endres von der Katholischen Stiftungshochschule München brachte es auf den Punkt: „Dass, damals ein Herr Torhorst das Alte Krankenhaus pachtete – und zwar für 30 Jahre – das war schon sehr ungewöhnlich.“ Torhorst habe eben gewusst, welch langen Atem es brauche, um seine Vision umzusetzen. Den Blick habe er immer in die Zukunft gelenkt. Auch, als es vor einigen Jahren auch Krisen gab, als der Pflegebereich geschlossen werden musste. „Dr. Arnold Torhorst hat seinen Kopf nicht in den Sand gegraben, sondern die Kompetenzen neu ausgerichtet auf das, was ReAL ganz besonders gut kann.“ Dass er es nun schaffe, den Wechsel der Geschäftsführung an seine Tochter Eva-Marie zu vollziehen, „ist schon sehr beeindruckend“. Endres erklärte, dass er schon deshalb den Namen „Vision“ für die Rehabilitationseinrichtung besser gefunden hätte als eben „ReAL“. Dennoch: „Rehabilitation, Arbeit, Leben“, und dafür steht ReAL, umschreibt aber doch sehr treffend, welche Ziele Torhorst für seine Einrichtungen vorgegeben hat: Menschen mit psychischen Erkrankungen und sozialen Beeinträchtigungen ein selbstbestimmtes Leben ermöglichen, sei es durch Therapien, Wiedereingliederungsmaßnahmen oder Ausbildungen.

Wenn aus Vision ReAL(ität) wird: Rehabilitationseinrichtung in Bad Tölz feiert 25-jähriges Bestehen

Dritter Landrat Klaus Koch lobte Torhorst für seinen Unternehmergeist: Er habe das richtige Feld zur richtigen Zeit bestellt, „sonst gäbe es jetzt nicht solch eine prächtige Wiese“. Torhorst, der unermüdlich in der Öffentlichkeit in Sachen Inklusion unterwegs wäre, wirke dabei wie ein Mahnmal: „Denn er will zeigen, dass zu einer Gesellschaft eben alle dazugehören.“ Torhorst wisse dabei, „dass eine Gesellschaft aber nur dann gesund ist, wenn sie in ihrer Kette auch die schwachen Glieder trägt.“ Koch beschrieb die Aktualität des ReAL-Verbunds auch mit einem vergleich zur Corona-Krise. „Die hat nämlich gezeigt, wie schnell ein sicher geglaubter Zustand verschwinden kann.“ So verhalte es sich auch mit der psychischen Gesundheit. Der Landkreis könne von daher nur bemüht sein, die passende Infrastruktur zu liefern, um die ReAL-Arbeit zu unterstützen.

Der Tölzer Bürgermeister Ingo Mehner hatte sich erst kürzlich von Eva-Marie Torhorst alle ReAL-Einrichtungen zeigen lassen. „Ein faszinierender Unternehmergeist“, attestierte er Torhorst. Denn mit Blick auf dessen Anfänge stellte der Rathaus­chef fest: „Arnold Torhorst hatte für seine Vision keinerlei Blaupause.“ So habe er keinerlei BWL-Studium oder Kenntnisse eines Bauingenieurs gehabt – und dennoch an seiner Idee gebastelt. „Er musste sich eben damit befassen“, so Mehner. Und nun blicke Torhorst auf seinen persönlichen „Konzern mit unterschiedlichsten Handlungsfeldern“. Es verdiene großen Respekt, wenn man erkenne, „was da sozial und unternehmerisch geleistet wird“.

Eine langjährige Wegbegleiterin Torhorsts, Dr. Sybille Hornung-Knobel, hob dessen Pioniergeist hervor. Denn als im Jahr 1975 erste Forderungen von Psychiatrischen Fachverbänden nach Reformen in der Psychiatrie laut wurden, „gab es hier nur Verwahrpsychiatrien“: Bettensäle, getrennte Abteilungen, geschlossene Anstalten. „Es gab keine therapeutischen WGs, kaum therapeutische Angebote. Torhorst habe diese Defizite schnell erkannt, hob die kommissarische Chefärztin am Kompetenzzentrum Sucht des Isar -Amper-Klinikum (Klinikum München-Ost) hervor. Die anrollende Reformwelle in der Psychiatrie hätte ohne Menschen wie Arnold Torhorst nicht an Fahrt aufgenommen. „Die sozial-psychiatrische Landschaft sähe dunkel aus.“ Torhorst, Pionier der ersten Stunde, habe jedenfalls die Bedeutung der Reha-Stationen vorangetrieben und sich von jeher für Inklusion eingesetzt, das auch ehrenamtlich, etwa im Steuerungsverbund psychische Gesundheit, dem er vorsteht. Da Torhorst es geschafft habe, nicht nur bis zu 18 Einzelbetriebe unter der Dachmarke ReAL zusammenzuführen sondern auch seine Tochter Eva-Marie in die Geschäftsführung zu installieren, sei klar: „Er hat die Zukunft im Blick.“

Torhorsts Töchter Eva-Marie und Juliane hatten ihrem Vater noch eine ganz besondere Überraschung zum „25-Jährigen“ organisiert. Sie enthüllten ein großformatiges Portrait des ReAL-Gründers: bunt im Stile der Pop-Art und durchaus etwas provokant.

Thomas Kapfer-Arrington

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