Im Reich der Nischen

Neue Partner: Josef Niggl (Huber Präzisionstechnik) freut sich über das Ende der Insolvenz – und über den neuen Eigentümer, die Pankl GmbH, vertreten durch Geschäftsführer Engelbert Pürrer.

Vom ungewollten Boxenstopp auf den Beschleunigungsstreifen: Huber Präzisionstechnik hat seit der Übernahme durch die Grazer Industrieholding, Pankl GmbH, die Insolvenz beendet. Der neue Eigentümer hat nun Details der künftigen Ausrichtung mitgeteilt.

Mit der österreichischen Industrieholding hat kein Unbekannter das „Nischenunternehmen“ Huber aufgekauft. Gerold Pankl hat langjährige Kontakte nicht nur zu den internationalen Rennställen (auch in der Formel 1), sondern ebenso zur US-Luftfahrtindustrie. Und diese Sparte soll für die Huber GmbH weiter ausgebaut werden, zudem die Ressorts Raumfahrt, Medizin- oder Wehrtechnik. Eines ist klar: Huber wird weiter nicht in Serienproduktionen einsteigen, sondern namhaften Kunden bei der Entwicklung neuer Produktlinien zur Seite stehen. Der Unterschied zu früher, als sich das High-Tech-Unternehmen fast nur auf die Entwicklung von Teilen für die Formel 1 spezialisiert hatte und zudem vorwiegend für BMW herstellte, liegt auf der Hand: Eine breiter aufgestelltes Portfolio, mehr Kunden. Und das Konzept fruchtete bereits in den Jahren der Insolvenz. Denn die Auftragsbücher sind voll, wie Engelbert Pürrer, Geschäftsführer der Pankl GmbH, sowie der bisherige und weiter eingesetzte Huber-Geschäftsführer Josef Niggl beim Pressegespräch betonten. Die logische Konsequenz daraus ist Wachstum. „Deshalb suchen wir hoch qualifiziertes Top-Personal“, betonte Pürrer und schob nach: „Wir brauchen 25 neue Mitarbeiter, ab sofort.“ Der Schwerpunkt liege laut Pürrer bei Programmierern, Drehern, Fräsern, in der Arbeitsvorbereitung oder der Messtechnik. Das Unternehmen, in dem derzeit 180 Angestellte arbeiten, soll darüber hinaus schon bald auf 250 Beschäftigte aufgestockt werden. Pürrer sprach von „klaren Wachstumsplänen“. Was Geretsrieds Bürgermeisterin Cornelia Irmer so kommentierte: „Ich bin froh, dass die Erfolgsstory von Huber nun weitergeht.“ Die Industrieholding will mit der Übernahme Innovationsführer bei der Einführung neuer Produkte und Materialien werden. Und die Netzwerke und Erfahrungen der Österreicher zu verschiedensten Sparten können das durchaus ermöglichen. Als das „Sahnehäubchen“ bezeichnet Niggl den neuen Eigentümer. Er weiß, wovon er spricht, ist er mit Gerold Pankl seit mittlerweile 15 Jahren befreundet. Die Wertschätzung ist beiderseitig. Denn Pankl sieht Huber als „Marktführer für Prototypen- und Kleinserien“. Sportlich ist das gesetzte Ziel allemal: Bis 2015 soll Huber auf einen Umsatz von 30 Millionen Euro kommen. Dieser Ehrgeiz scheint begründet. Noch im Insolvenzjahr 2011 kamen die Präzisionstechniker am Königsdorfer Weg 6 auf einen Umsatz in Höhe von 16 Millionen Euro. Bei derzeitigem Personal- und Auftragsstand ist die Firma ausgelastet. Dass der langjährige Huber-Geschäftsführer Josef Niggl zusammen mit Pürrer das Unternehmen leitet, zeugt davon, dass die Österreicher die innovative Ausrichtung des Unternehmens goutieren. So setzen die beiden Geschäftsführer beim Personal etwa auf einen gesunden Altersmix. „Nur so vereinen wir Dynamik der Jungen mit der Erfahrenheit der ,Alten’“, erklärte Niggl, der in der Vergangenheit unter den Mitarbeitern bereits eine besondere Identifikation der Belegschaft mit dem Unternehmen manifestieren konnte. „Die Mannschaft hat immer an Huber geglaubt – auch in der Insolvenz.“ Das tun mittlerweile auch die Geldgeber. Die Commerzbank steht nun an der Seite der Österreicher. Bankdirektor Michael Spöhrer unterstrich das Engagement der Mittelstandsbank. „In dieser Geschäftsausrichtung findet sich eine tragfähige und zukunftsträchtige Strategie.“ Diese Ansicht ist durchaus ungewöhnlich, das wissen auch Niggl und Pürrer. Denn das Geschäft der Präzisionstechnik schert aus normalen Konventionen aus. Laufen reguläre Werkverträge in der Branche gerne einmal über 1,5 Jahre, „müssen wir unsere Teile in acht bis zehn Wochen fertigen“, erläuterte der Geschäftsleiter aus Graz. Ein Horrorszenario für Banken. Mit Huber könne man aber flexibel auf diese Anforderungen der Kunden reagieren. So gerüstet könnten jedenfalls neue Bereiche besetzt werden, wobei es dort jeweils die Nischen sind, auf die sich Huber setzt. Sei es Panzerungstechnik für Militärfahrzeuge oder eine Titan-Hüftprothese für die Medizintechnik. „Hier werden wir unsere Duftmarken setzen“ – im Premiumbereich, das versteht sich.

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