Kostenloser Breitbandausbau

Reichersbeuern, Sachsenkam und Greiling gemeinsam für Glasfasernetz

die Verwaltungsgemeinschafts-Gemeinden Reichersbeuern, Sachsenkam und Greiling im Altwirt
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Weitestgehend einig waren sich die Verwaltungsgemeinschafts-Gemeinden, dem Breitband-Angebot der Firma UGG zuzustimmen, der jüngst im Gasthaus Altwirt vorgestellt wurde.
  • Daniel Wegscheider
    VonDaniel Wegscheider
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Reichersbeuern – In der jüngsten und gemeinsamen Sitzung der Gemeinden Greiling, Sachsenkam und Reichersbeuern hatte das Gremium über ein Angebot für einen anstehenden Breitbandausbau zu entscheiden.

Die Firma „Unsere Grüne Glasfaser“ (UGG) bot den Verwaltungsgemeinden an, für den kompletten Glasfaserausbau in den drei Kommunen aufzukommen – ohne staatliche oder kommunale Zuschüsse.

Die UGG hat es sich nämlich zum Ziel gesetzt, vor allem ländlich geprägte Regionen mit Glasfasern direkt ins Haus zu versorgen. Dafür können bereits vorhandene Leerrohre oder Kabelschächte verwendet oder neue gelegt werden. Dabei baut UGG das Netz auf eigene Kosten, sodass die dortigen Kommunen nichts dazu zahlen müssen.

Um dies wirtschaftlich stemmen zu können, gehört der neutrale und junge Netzwerkanbieter UGG (Gründung 2020) jeweils zur Hälfte Telefónica und Allianz. Nachdem das Glasfasernetz ausgebaut ist, bietet die UGG jedem interessierten Internetdienstanbieter die Möglichkeit, in den erschlossenen Gebieten ihre Glasfaser zu nutzen.

Derzeit arbeitet die UGG mit „O2“ zusammen. Weitere Gespräche wie mit „M-net“ oder „1&1“ laufen derzeit, berichtete Sandra Stiedl von der Firma UGG, die den drei Gemeinderäten das Projekt im Gasthaus Altwirt in Reichersbeuern vorgestellt hatte und dort auch schmackhaft machte.

Der Ausbau sieht folgendermaßen aus: Nachdem die Gemeinde eine Absichtserklärung mit der UGG unterzeichnet hat, wird der zentrale Knotenpunkt des Netzes (Point of Presence) an einer geeigneten Stelle innerhalb der jeweiligen Gemeinden installiert.

Es handelt sich dabei um einen kleinen Kasten mit den Maßen sechs auf drei Meter. „Das ist das Herzstück“, erklärte Stiedl, „von dort aus laufen die Glasfasern sternförmig zu den einzelnen Haushalten weg“.

In der eigentlichen Bauphase werden die Glasfasern unterirdisch verlegt. Grundsätzlich sollen dazu die Leitungen möglichst straßenbegleitend im öffentlichen Grund in einer Tiefe von nur 45 Zentimetern verlegt werden. „Wir bauen das Netz so, dass eine spätere Nachverdichtung kein Problem ist“, sagte Stiedl mit Blick auf mögliche Neubaugebiete.

Gebe es keine direkte Anschlussmöglichkeit ins Haus, da ein Leerrohr nicht vorhanden sei, „wird das per Erdrakete ermöglicht“. Alles in allem rechnete Stiedl vom ersten Spatenstich bis zur Aktivierung des Highspeed-Internets mit einer Bauzeit von sechs bis zu zwölf Monaten.

Nicht wieder Straßen aufreißen

Reichersbeuerns Bürgermeister Ernst Dieckmann berichtete, dass in allen drei Gemeinden in den vergangenen Jahren bei jeglicher Art von Bauarbeiten immer gleich Leerrohre mit eingelegt worden waren. „Damit wir später nicht wieder die Straßen aufreißen müssen“, betonte er, und weiter: „Dafür haben alle drei Kommunen sechsstellige Summen ausgegeben.“

Umso mehr pochte der Rathauschef darauf, dass die UGG bereits vorhandene Leerrohre der Kommunen zum Marktpreis ablöst und dies verbindlich im Vertrag mit aufgenommen wird. Als weiterer wichtiger Punkt wurde von den drei Kommunen angesprochen, dass auch Weiler oder einzelne Höfe im Außenbereich in das Glasfasernetz einbezogen werden müssen. Beides sicherte die UGG zu.

Im Rahmen des Glasfaserausbaus sollen die Bürger dann bei einer geplanten Veranstaltung über die verschiedenen Kostenmodelle und der Möglichkeit auf Rufnummer-Mitnahme informiert werden. So besteht etwa die Möglichkeit, im Vorfeld einen Anschluss beim Internetanbieter „O2“ zum Nulltarif abzuschließen.

Wer sich erst nach der Angebotsphase dafür entscheidet, zahlt 130 Euro. Freilich gebe es auch die Möglichkeit, den Anschluss ohne Servicevertrag zu nutzen. Die Kosten belaufen sich hierbei auf 636 Euro. Nach Abschluss der Angebots- und Planungsphase sind zusätzlich zu den vorgenannten Kosten 892 Euro zu zahlen, weil der Bautrupp noch einmal anrücken muss.

Telekom-Anschluss soll weiterhin erhalten bleiben

Einige der anwesenden Gemeinderäte wollten wissen, wie es mit der Telekom ausschaut – da viele Bürger diesen Anbieter nutzen. Laut Stiedl ist die UGG in Gesprächen mit dem großen Internetanbieter, jedoch bisher ohne Ergebnis. Dieckmann ergänzte, dass es im Vorfeld auch Gespräche mit der Telekom gegeben hätte, die ihn ernüchtert haben.

Zuerst hätte der Anbieter auch Interesse am Glasfaser-Ausbau bekundet, diesen aber erst in zwei Jahren in Aussicht gestellt. Kurz vor der Sitzung habe die Telekom dann ihr Angebot komplett zurückgezogen, weil aus ihrer Sicht der Glasfasernetzausbau für die drei Gemeinden derzeit nicht wirtschaftlich sei, berichtete Diekmann. Trotz des UGG-Ausbaus bleibt der Telekom-Anschluss aber weiterhin erhalten.

Sachsenkams Bürgermeister Andreas Rammler fragte am Ende des Vortrags nach, dass das alles nach einer „Benefizveranstaltung“ klingt und wo der Haken ist? Stiedl antworte: „Wir rechnen längerfristig.“ Glasfaserausbau sei die Zukunft, deshalb werde auch viel in dessen Infrastruktur vonseiten der UGG investiert.

Letztendlich war sich das Gremium fast einhellig einig, in den Glasfaserausbau einzusteigen. Dieckmann: „Je eher wir mitmachen, desto früher haben wir es.“ Außerdem hätten die anderen Marktanbieter ihre Gelegenheit gehabt: „Am Ende ist mir wichtig, dass wir in unseren Gemeinden schnelles Internet haben. Egal, wer es baut.“ Und so stimmten die drei Gemeinden mit einer Gegenstimme aus Reichersbeuern für den Ausbau des Glasfasernetzes durch die UGG.

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