Schweizer Stadtrat spricht bei Geothermie-Informationsabend

Reise in die Tiefe

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Anfang Januar beginnen unweit des Hofguts Breitenbach

Gelting – Der Saal des Geltinger Kindergartens war Schauplatz eines umfangreichen Bürgerinformationsabends zur Geothermie.

Enex-Geschäftsführer Dr. Robert Straubinger, Stadtwerke-Vorsitzender Jan Dühring sowie der aus St. Gallen angereiste Stadtrat Fredy Brunner erklärten den rund 60 Besuchern die Vorzüge der Erdwärme. Am 7. Januar beginnen auf dem Geltinger Hofgut Breitenbach voraussichtlich die ersten Geothermie-Bohrungen. Dies gab Dr. Robert Staubinger, Geschäftsführer des beauftragten Unternehmens Enex, im Rahmen der Geothermie-Informationsveranstaltung in Gelting bekannt. Als erster von drei Referenten erklärte er den versammelten Stadträten und interessierten Bürgern noch einmal, warum sich das Unternehmen für das kostenintensive Projekt entschlossen hat. In rund 5.000 Meter Tiefe vermutet die Firma Enex Power Germany 145 Grad Celsius heißes Wasser, mit dem in einem Geothermie-Kraftwerk Strom und Fernwärme produziert werden können. Dafür ist indes noch eine weitere Bohrung am Geltinger Tierheim erforderlich, um das Wasser wieder in den Boden zurück zu pumpen, nachdem es über Wärmetauscher einen Teil seiner Energie abgegeben hat. Dank neuer Investoren wie der Mannheimer Aktiengesellschaft Greag, die Ende 2011 mit einem zweistelligen Millionenbetrag in die Projektgesellschaft einstieg, und der Firma Hörmann aus Kirchseeon stehe auch genügend Geld für leistungsfähige Bohrgeräte zur Verfügung. „Das Geothermie-Kraftwerk wird über eine thermische Leistung von 40 Megawatt verfügen. Das entspricht einer elektrischen Leistung von fünf Megawatt“ versprach Straubinger. Jan Dühring, Vorsitzender der Geretsrieder Stadtwerke, erklärte daraufhin, dass die Stadt durch das entstehende Fernwärmenetz ihr Klimaschutzziel erreichen will. „Bis ins Jahr 2020 will Geretsried 40 Prozent CO2-Ausstoß einsparen“, so Dühring. Die Preise werden von dem vor einem Jahr gegründeten Tölzer-Geretsrieder Energieverbund bestimmt. „So bleibt das Geld in der Region“, lobte auch Fredy Brunner. Der Schweizer setzte als Stadtrat in St. Gallen mithilfe eines Bürgerbegehrens vor drei Jahren die Finanzierung eines Geothermieprojekts durch. 82 Prozent entschieden sich damals in einer Volksabstimmung für die Nutzung dieser alternativen Energiequelle. „Bevor es aber so weit war, musste ich viel Überzeugungsarbeit leisten und den Leuten Ängste nehmen“, erinnert sich Brunner. So befürchtete eine Protestbewegung, dass durch die Rüttelbewegungen der Vibrationsfahrzeuge Igel zu früh aus dem Winterschlaf erwachen könnten und Bienenstöcke gefährdet seien. Auch die Angst, dass Bohrungen Erdbeben auslösen könnten, konnte Brunner durch offensive Öffentlichkeitsarbeit letztlich entkräften. So ließ er mit seinen Unterstützern zum Beispiel auf einem Messegelände eine Art Raumkapsel konstruieren, mit der rund 25.000 Menschen virtuell in die Tiefe geschickt wurden. Dabei räumte Brunner ein, dass auch er nicht alles über Geothermie weiß. „In manchen Fällen ist es besser, weniger zu wissen, um richtig entscheiden zu können“, verriet er seine Maxime. Auch mit rechtlicher Absicherung solle man es nicht übertreiben. „Wenn Sie wirklich Neuland betreten wollen, müssen Sie ihre Juristen in die Ferien schicken“, riet Brunner der Geretsrieder Bürgermeisterin Cornelia Irmer und den anwesenden Stadträten. In der anschließenden Diskussion wollte ein Bürger wissen, ob der Geräuschpegel der Kühlungsanlagen auf Gut Breitenbach auch noch in der Geltinger Ortsmitte zu hören sei. Enex-Geschäftsführer Straubinger nannte eine Lautstärke von 90 bis 100 Dezibel, die sogar an der unmittelbar vorbeiführenden Straße kaum noch zu registrieren sei. Dass die Preise für Geothermie-Wärme im Vergleich zu Erdgas derzeit noch relativ hoch sind, beunruhigte ebenfalls einige Zuhörer. Michael Hofmann, Geschäftsführer der Stadtwerke Bad Tölz, sieht dies anders. „Die Geothermie wird erst in ein paar Jahren ihre Stärken ausspielen und dann angesichts der zu erwartenden Preiserhöhungen der anderen Energiequellen günstiger werden.“ Diese Überzeugung teilt Hofmann mit Cornelia Irmer. „Wir dürfen uns nicht mehr auf die fossilen Energieträger verlassen und müssen auch an unsere Nachkommen denken“, forderte die Ratshauschefin. Der engagierte St. Gallener Stadtrat Fredy Brunner vernahm’s mit Freude und fuhr noch am selben Abend mit seiner Frau zurück an den Bodensee. Er wird auch weiterhin im deutschen Sprachraum unermüdlich Aufklärungsarbeit leisten und tat dies zumindest in Geretsried unentgeltlich. „Von diesem Einsatz könnte sich viele deutsche Politiker eine Scheibe abschneiden“, lobte Geltings Stadtrat Franz Wirtensohn (CSU). Peter Herrmann

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