Der Weichensteller

Dr. René Mühlberger steht als neuer Leiter der Staatlichen Feuerwehrschule Geretsried vor großen Neuerungen

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Seminare, Erweiterungen, Ehrenamt: Dr. René Mühlberger hat als neuer Leiter der Staatlichen Feuerwehrschule Geretsried nicht nur viele Baustellen im Zuge des Ausbaus der Schule zu verantworten, er will auch dafür Sorge tragen, dass Bayerns Feuerwehrler nach ihren Schulungen topp ausgebildet wieder nach Hause fahren können.

Geretsried – Als Feuerwehrmann muss Dr. René Mühlberger innerhalb weniger Sekunden Entscheidungen treffen. Als neuer Leiter der Staatlichen Feuerwehrschule Geretsried indes stellt er die Weichen nun nach längerer Abwägung. Muss er auch, denn die Lehreinrichtung steht vor zahlreichen Neuerungen. Die Schule wächst erheblich. Und damit auch die Herausforderungen. Da darf nichts dem Zufall überlassen werden. Ein Spaziergang über das Gelände von „Freistadt“.

Sieben Monate ist es her, seit Mühlberger von Staatssekretär Gerhard Eck die Ernennungsurkunde zum Leiter der Staatlichen Feuerwehrschule erhielt. Neugier, Dankbarkeit und Freude empfinde er, sagte er damals. „Und ja, das tue ich immer noch“, sagt der 46-Jährige nun. Dabei hätte er wahrlich Grund, mit etwas gebremsterer Euphorie aufzutreten, wie sich beim weiteren Gang über das Gelände und den vielen Neuerungen in der Schule zeigen soll.

Ein Löschgruppenfahrzeug rückt an, ein Feuerwehrmann in blauer Weste hüpft vom Fahrzeug und nimmt Hinweise des Ausbilders an. Ein Pkw ist gegen einen Zug gefahren. „Der aktuelle Gruppenführer-Lehrgang“, erklärt Mühlberger beobachtend. Und während der Kursteilnehmer in Windeseile entscheiden muss, wie das Unfallszenario abzuarbeiten ist, liegen Mühlbergers Gedanken ganz wo anders: Er denkt an Unterkünfte für die Kursteilnehmer – und die Schwierigkeit, auch allen ein Zimmer für den Lehrgang zur Verfügung zu stellen. Aktuell verfügt die Schule über 114 Betten. 120 bis 130 Teilnehmer befinden sich in der Regel aber pro Woche in der Schule. Dazu kommen noch Tagesseminare, die sich steigender Beliebtheit erfreuen. Teilnehmer haben immer öfter die Schwierigkeit, vom Arbeitgeber für Fortbildungen freigestellt zu werden. Die Alternative: Eintägige Seminare.

„Alle kommen mit der berechtigten Erwartung hierher, dass sie sich nach Ende der Ausbildung bei uns für ihre Aufgaben fit fühlen. Dass sie reichlich Kompetenzen gesammelt haben – das fordert mich“, so Mühlberger, der aber umgehend nachschiebt: „Das ist aber alles eine erfreuliche Belastung.“ Denn es wird ausgebaut, investiert, personell verstärkt. „Zugeständnisse, für die man dankbar sein darf“, so Mühlberger. Er präzisiert: Wo heute noch ein Schülerparkplatz liegt, soll ein Wirtschafts- und Unterkunftsgebäude entstehen. 80 Betten zusätzlich wird die Staatliche Feuerwehrschule so erhalten, geschätzt 24 Millionen Euro investiert der Freistaat hier in seine „Freistadt“-Feuerwehrschule.

Mühlberger weiß aber auch, dass das nur der Auftakt sein wird. Das alte Bettenhaus muss dann saniert werden, so manches Doppelzimmer wird dem Standard zufolge in ein Einzelzimmer umgebaut werden müssen. Und vorher noch stehen andere infrastrukturelle Einrichtungen an. Denn mehr Seminar-Plätze bedingen auch größere Lehrsäle. Aktuell finden in den bestehenden Sälen maximal 80 Personen Platz, „das ist schon sehr beengt“, so Mühlberger. Ein neuer Saal soll rund 200 Seminarteilnehmern Platz bieten. Und neben neuen ­Stabsübungsräumen braucht es neue Lehrmaterialien und vor allem neues Personal: Im Service, in der Küche, in der Raumpflege, freilich auch mehr Ausbilder. „Das Wachstum muss aber verträglich sein“, betont der Schulleiter. Dazu steht noch eine Übungshalle auf dem Bedarfszettel, damit Seminare auch unabhängig vom Wetter durchgeführt werden können. „Diese Entwicklungen sind Prozesse, die man im Blick haben muss“, sagt Mühlberger und blickt nochmals auf das Einsatzszenario der Gruppenführerausbildung. Dort wird gerade eine Übungspuppe reanimiert.

Mühlbergers Vorgänger Christian Schwarz – der inzwischen Chef der Hamburger Berufsfeuerwehr ist – hat viele bauliche Veränderungen mit aufs Gleis gesetzt, Mühlberger darf nun anschieben. Und er freut sich darauf. Der Ausbau ist nötig, um auf die veränderte Feuerwehrwelt zu reagieren. Mühlberger hat die genau im Blick – selbst ist er aktiver Feuerwehrler bei der Tölzer Feuerwehr. Und viele seiner Lehrkräfte engagieren sich in Freiwilligen Feuerwehren. „Wir haben da einen sehr hohen Verwurzelungsgrad.“ Das hat Vorteile, wissen die Dozenten doch so genau, wie sich das Feuerwehrwesen entwickelt und wie darauf in der Ausbildung reagiert werden kann. Mühlberger behauptet deshalb glaubhaft: „Wir sitzen nicht im Elfenbeinturm, das alles hat Auswirkungen auf uns.“ Stichwort Tagesalarmsicherheit: Immer mehr Feuerwehren haben die Schwierigkeit, tagsüber genügend geeignetes Personal bereit zu stellen. Es gilt also mehr Feuerwehrler zu akquirieren – und folglich müssen auch mehr Führungskräfte und Multiplikatoren in den Wehren ausgebildet werden. Auch die Möglichkeit, die immer größer werdende (bürokratische) Arbeit der Kommandanten auf inzwischen drei Personen zu verteilen, macht weitere Ausbildungen auf dieser Ebene notwendig. Der Freistaat investiert sehr stark in Geräte und Gerätehäuser. Was an den drei Feuerwehrschulen in Bayern läuft, sei aber auch ein Invest: „Das in die Einsatzkräfte, in den Menschen.“ Das müsse man in Zukunft stärker betonen, ist sich Mühlberger sicher. „Das Löschfahrzeug muss sicher modern sein, auch die Schutzkleidung. Aber danach darf es nicht enden.“

Gerade bei der ehrenamtlichen Belastung achte man darauf, Entwicklungen frühzeitig wahrzunehmen. „Das ist spannend“, so Mühlberger. Er spricht da wahrlich aus eigener Erfahrung. Nicht nur seit seiner Jugend ist er in der Feuerwehr aktiv, Mühlberger engagiert sich inzwischen auch politisch: Für die CSU sitzt er im Tölzer Stadtrat. Da findet er freilich seltener als früher Zeit für sein Ehrenamt als Aktiver bei der Tölzer Wehr. „Aber rausgeworfen hat mich noch keiner“, sagte er mit seinem charakteristiscchen Lächeln, und deutet an seinen Hosengürtel: Dass der Alarm-Piepser dort noch hängt, ist für den passionierten Feuerwehrmann Mühlberger eben auch Ehrensache.

Thomas Kapfer-Arrington

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