In Schneeschuhen am Abhang

Rettung zweier Schneeschuhgänger im Lawinengebiet vom Staffel erfordert Hilfe aus der Schweiz

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Einer war nicht genug: Um das Ehepaar aus dem lawinengefährdeten Gebiet am Staffel zu retten, musste ein Helikopter aus der Schweiz anrücken.

Jachenau – In ihren Schneeschuhen stand das Ehepaar da, auf dem Jachenauer Staffel, umgeben von steilen Grashängen, fragilen Felsgebilden und völliger Dunkelheit. Sie trugen weder eine Lampe auf der Stirn, noch ein GPS-Gerät bei sich. Ein Vorankommen, unmöglich. Die Münchner setzten einen Notruf ab. Doch um die beiden zu bergen, musste ein Helikopter aus dem Nachbarland hebeifleigen. Denn die Lenggrieser Bergwacht kommt zwar in die Luft, doch nicht wenn der Himmel schwarz ist.

Über den Ostweg zum Staffel hinauf und auf der Westseite wieder hinunter, das war der Tourenplan der 60-jährigen Frau und ihres 20 Jahre älternen Mannes. Doch mit der hereinbrechenden Dunkelheit verloren die beiden Schneeschuhwanderer aus München die Orientierung beim Abstieg, ohne Lampen, fernab des Weges, in absturzgefährdetem Gelände des Staffel in der Jachenau. Gegen 18 Uhr wählten sie schließlich den Notruf. Die Bergwacht Lenggries spürte mit sechs Mann die beiden Wanderer über Telefonkontakt an der Südseite des Staffels auf, und damit in einem Gebiet, das immer wieder mit Fels­abbrüchen und Grashängen durchsetzt und nicht ungefährlich ist: Eine Südlage gepaart mit milden Temperaturen bedeuten ein erhöhtes Risiko für Gleitschneelawinen. „Dem Lenggrieser Einsatzleiter war schnell klar, dass die Retter hier wahrscheinlich Unterstützung aus der Luft benötigen“, sagt die Presseprecherin der Lenggreiser Bergwacht Sylvia Frei. So wurde der nachtflugtaugliche Suchhelikopter der Polizei alarmiert, in welchem das Ehepaar schnell ausfindig gemacht werden konnte. Doch eine Bergung war unmöglich, eine Winde fehlte an Bord.

Für die Rettung musste die Lenggrieser Bergwacht daher auf den Schweizer Rettungshubschrauber Rega7 aus St. Gallen setzen - und warten: eine Anflugszeit von etwa einer Stunde zog den Einsatz in die Länge. Doch eine nachtflugtaugliche Windenmaschine stand in Deutschland nicht zur Verfügung. Seit dem Wegfall des Bundeswehr Hubschraubergeschwaders in Penzing 2017 sei es immer wieder ein Problem, einen Helikopter für nächtliche Rettungseinsätze zu finden, erklärt Frei.

Doch nicht nur aus der entfernten Schwiz, auch aus Bad Töz wurde Hilfa angefordert: die Tölzer Bergwacht rückte mit drei Mann samt Tankanhänger in Lenggries an, um die Helikopter vor Ort mit Kerosin zu betanken. Als Tank- und Landeplatz sollte der Lenggrieser Fußballplatz dienen, auf welchem zu diesem Zeitpunkt zwei Mannschaften auf dem Feld standen. Das Spiel wurde unterbrochen. Doch aufgrund des Schnees reichte der Platz für den Schweizer Helikopter mit einer Länge von 13 Metern nicht aus. Schließlich wurden die Parkplätze am Brauneck zum Landen und Tanken auserkoren.

Zeitgleich hatten sich zwei Lenggrieser Bergwachtmitglieder auf einem Schneemobil auf den Weg zu den Verstiegenen gemacht. „Etwa einen Kilometer Luftlinie von den Personen entfernt, bestätigte sich die anfängliche Vermutung, dass ein bodengebundener Rettungseinsatz bei der derzeitigen Lawinenlage zu gefährlich wäre, sowohl für die Verstiegenen als auch die Bergretter selbst“, betont Frei.

Um 20 Uhr landete schließlich der Schweizer Helikopter in Lenggries und nahm dort einen hiesigen Bergretter auf. Trotz der Standortkoordinaten der Verstiegenen und trotz Nachtsichtgeräten an Bord der Maschine konnten die Gesuchten nicht ausfindig gemacht werden. Erneut wurde Telefonkontakt hergestellt, um den Helikopter an den Einsatzort zu lotsen. Ein Retter, der mit der Winde herabgelassen wurde, brachte die Verstiegenen nacheinander an Bord. Das Ehepaar erlitt lediglich eine leichte Unterkühlung.

Nach den Aufräumarbeiten und Wiederherstellen des Materials war der Einsatz gegen 23.30 Uhr für die Bergwacht Lenggries beendet. ra

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