Rosner-Lacke-Areal: Geretsrieder Stadtrat lehnt Umwidmung in Wohnbebauung mehrheitlich ab

Es bleibt beim Gewerbegebiet

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Das Rosner-Lacke-Grundstück an der Böhmerwaldstraße bleibt ein Gewerbegebiet.

Geretsried – Das „Rosner/Gloning-Grundstück“ bleibt ein Gewerbegebiet. So wollte es der EPA und auch der Stadtrat befürwortete nun diese Linie.

Der Eigentümer wollte einen Grundsatzbeschluss des Stadtrates darüber, ob es eine Umwidmung in ein Wohngebiet auf dem 28.000 Quadratmeter großen Areal geben kann. 

Bauamtsleiter Jochen Sternkopf präsentierte dem Stadtrat die Idee des Wolfratshauser Immobilienhändlers Carheinz Bartsch und dem Bauträger Ten Brinke. Bartsch ist vom Eigentümer damit beauftragt, das Grundstück zwischen Böhmerwaldstraße, Traubenweg und Siebenbürger Straße zu verkaufen. Laut Sternkopf gab es mehrere Gespräche mit dem Landratsamt. Und eben Gutachten für das Gloning-Gelände sowie das Areal der 2006 geschlossenen Firma Rosner-Lacke. Aus bodenschutzrechtlicher Sicht schließe das Landratsamt eine Wohnbebauung nicht aus, so Sternkopf. „Die Gefahren für die menschliche Gesundheit sind in den Griff zu bekommen.“ Doch nun sei ein zweites, detaillierteres Gutachten nötig. Das würde der Eigentümer bezahlen – die Stadt in Auftrag geben. Aber eben nur, wenn sich der Stadtrat dazu durchringt, auf dem Areal Wohnbebauung zuzulassen. Städtebaulich, so Sternkopf sei das durchaus eine gute Lösung, „da das Areal derzeit einen Fremdkörper im Gewerbegebiet darstellt“. Für die Beibehaltung des Gewerbegebietes indes „sprechen die Vorteile für die Stadt, was Arbeitsplätze und Gewerbesteuer anbelangt“. Weiter sei der Bedarf an Gewerbeflächen im Stadtgebiet ungebrochen hoch, so Sternkopf. Dennoch habe auch eine Wohnbebauung seine Vorteile, skizzierte Sternkopf. So werde etwa die städtebauliche Situation aufgewertet, Wohnraum für 62 Wohneinheiten geschaffen und eine Kindertagesstätte mit vier Gruppen samt Spielplatz soll auf dem Areal entstehen. Zielgruppe, so Sternkopf seien vor allem Geretsrieder Familien, die ein dreimonatiges Vorkaufsrecht erhalten würden. Das Konzept sieht 35 Reihenhäuser und Doppelhaushälften sowie Wohnanlagen vor.

Doch der Stadtrat sprach sich mit großer Mehrheit (22:9 Stimmen) dafür aus, keine Wohnbebauung auf dem Grundstück zu erlauben. Zu groß die Bedenken vieler Stadträte. Grünen-Sprecher Volker Witte etwa kritisierte den Investor und Bauträger Ten Brinke. „Uns wurde etwa am Buchenweg große Rücksichtnahme im Hinblick auf den Baumbestand versprochen. Zwei Wochen später war alles abgeholzt.“ Weiter müsse an die Folgen für die Stadt gedacht werden. Zwar sei eine Kindertagesstätte durchaus gut, aber dann könnte die Isardammschule irgendwann zu klein werden. Auch Gabriele Riegel (Grüne) will keine Umwidmung. Sie verweist vor allem auf die Altlasten auf dem Gloning-Grundstück: „Diese Verantwortung können wir nicht tragen.“ Wie die Grünen, so stehen auch die Geretsrieder Sozialdemokraten unisono hinter dem vom Planungsausschuss beschlossenen Gewerbegebiet. SPD-Fraktionssprecher Hans Hopfner machte in der Debatte deutlich, dass Geretsried immer nach Gewerbeflächen sucht und nun ein bestehendes auflösen will. „Da habe ich Bauchschmerzen.“

Uneins waren sich die Freien Wähler. Dominik Irmer (FW) etwa tendiert – abgesehen von den Altlasten – zur Ausweisung von Wohnbebauung. Denn: Das Grundstück ist für Gewerbe sehr schwer zu vermitteln.“ Demnach hätten wir dort eine Industriebrache auf längere Zeit. Auch Sonja Frank (FW) argumentierte für Wohnbebauung. Charmant ist ihrer Ansicht nach vor allem die geplante Kindertagesstätte, denn sie wäre dann die nördlichste im Stadtgebiet. Wolfgang Lorz (FW) schloss sich dem an und witterte duch die Umwidmung die Gelegenheit „einen Altlastenfall zu sanieren“. Diese Meinung teilte Lorenz Weidinger (FW) nicht. Er plädierte klar für die Beibehaltung als Gewerbegebiet, „da der Eigentümer dann eine klare Vorgabe hat“.

Bis auf Zweiten Bürgermeister Gerhard Meinl argumentierte auch  die CSU geschlossen für die Beibehaltung des Gewerbegebietes. Während Fraktionssprecher Volker Reeh in erschlossenen Gewerbeflächen „ein kostbares Gut“ sieht, verwies Parteifreundin Sabine Gus-Mayer nochmals auf die Altlasten auf dem Areal: „Auch ein weiteres Gutachten wird uns nicht schützen.“ Eine Garantie für die Unbedenklichkeit des Untergrunds werde es nie geben. 

Bürgermeisterin Cornelia Irmer (parteifrei) versuchte nochmals abzuwägen: „Eine hundertprozentige Garantie werden wir in keinem Fall haben.“ Positive Aspekte könne sie sowohl dem Gewerbegebiet als auch der Wohnbebauung abgewinnen. Dennoch sieht sie in der Möglichkeit einer Altlastensanierung durch den Eigentümer und der Tatsache, dass das Areal größtenteils von Wohnbebauung umschlossen ist wesentliche Argumente, die für eine Wohnbebauung sprechen. „Wenn wir wollen, dass es dort besser aussieht und dass etwas passiert, dann ist Wohnbebauung die bessere Lösung.“ Dem folgte das Gremium gegen die Stimmen der drei Bürgermeister und der Mehrheit der FW-Fraktion nicht. Das Areal bleibt demnach ein Gewerbegebiet. Ralf Fastner

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