Leitbild 2025: Zukunftskonferenz in Karl-Lederer-Grundschule

Geretsried spielt Wunschkonzert

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Volles Haus: Rund 150 Geretsrieder beteiligten sich an der Zukunftskonferenz.

Geretsried – Kaum ein Sitzplatz blieb leer in der großen Aula der Karl-Lederer-Grundschule, als Bürgermeisterin Cornelia Irmer am Samstagvormittag die Zukunftskonferenz eröffnete.

Arbeitsgruppen zu den Themenbereichen, Energie, Verkehr, Freizeit, Kultur, Verwaltung, Familie, Bildung und Wirtschaft stellten die Ergebnisse der Befragungen vor und formulierte am Nachmittag erste Forderungen für das neue Geretsrieder Leitbild 2025. 

Sowohl Bürgermeisterin Cornelia Irmer als auch Projektleiter Stephan Heinle waren überwältigt von der großen Resonanz auf das vor gut einem Jahr initiierte Stadtleitbildprojekt. Zwar konnte das selbstgesteckte Ziel, rund 2.000 Personen zu interviewen, bei weitem nicht erreicht werden. Doch erklärten sich immerhin rund 150 der 800 befragten Bürger bereit, aktiv in Workshops an der Formulierung des Stadtleitbilds mitzuarbeiten. Bevor sich die sieben Themengruppen in den Klassenzimmern der Grundschule an die Arbeit machten, stellte Projektleiter Stephan Heinle und die einzelnen Gruppenleiter die Ergebnisse der Befragungen vor. So wurde die Lebensqualität in Geretsried immerhin mit dem Schulnotendurchschnitt 2,38 bewertet, während der Verkehrssituation mit 3,22 am schlechtesten abschnitt. „Hier liegen große Herausforderung vor uns. Die Bürger wünschen sich vor allem bessere Busverbindungen, mehr verkehrsberuhigte Zonen und eine Verbreiterung der Radwege“, erklärte Verkehrsgruppenleiter Heiko Hawla. Besser schnitten die Wirtschaft (Schnitt 2,57), Freizeit, Kultur und Sport (2,54), Familie (2,47), Bildung (2,19) und die Verwaltung (2,46) ab. Allgemein negativ bewertet wurden die zunehmende Bebauung von Grünflächen, das Fehlen eines echten Stadtzentrums sowie der (noch) fehlende S-Bahn-Anschluss. Große Hoffnungen setzen die Bürger in die Geothermie und den Aufbau eines Fernwärmenetzes, das zur Energieunabhängigkeit der Stadt beitragen soll. Gewünscht wird zudem ein Kino, eine Mehrgenerationen- oder Bürgerhaus sowie eine transparente Stadtverwaltung, die auch am Samstag Öffnungszeiten anbietet. Diese Forderungen wurden in den Workshops noch einmal erörtert und zum Teil modifiziert. So überraschte die Arbeitsgruppe Verkehr am Ende mit der Forderung eines Tempolimits von 40 km/h in der Geretsrieder Innenstadt und schlug zudem vor, dass der  Karl-Lederer-Platz sowie Teile der Egerlandstraße in eine Fußgängerzone umgewandelt werden sollten. Der Energie-Workshop plädierte für die maximale Nutzung der Fotovoltaik, den Bau von zwei Windrädern sowie den Ausbau der Wasserkraft. Die „Wirtschaftsspezialisten“ waren sich einig, dass die Gewerbesteuer gesenkt werden müsse, um den Firmenstandort Geretsried noch attraktiver zu machen. Die Themengruppen Sport und Kultur artikulierten indes die Wünsche nach einer neuen Turnhalle mit Tribüne sowie eines Kulturzentrums für 600 bis 800 Besucher. Bürgermeisterin Cornelia Irmer blieb am Ende der über sechsstündigen Konferenz die Erkenntnis, dass es für sie und den Stadtrat noch sehr viel zu tun gibt: „Wir haben eine Menge Arbeit vor uns, aber wir sind auf einem sehr guten Weg. Ich freue mich, ihn gemeinsam mit den Bürgern zurückzulegen.“ 

Der vollständig ausformulierte Entwurf des Stadtleitbilds 2025 soll am 23. Februar 2013 dem Stadtrat vorgelegt werden. Danach werden die Vorschläge von den Räten im Rahmen eines Workshops nochmals erörtert. Nachdem die Mandatsträger in einer Bürgerversammlung am 11. April 2013 ihre Erkenntnisse vorgestellt haben, soll das neue Stadtleitbild schließlich in der Stadtratssitzung vom 30. April beschlossen werden. Der Starnberger Kommunalpolitiker Dr. Jürgen Busse, der als Präsident des Bayerischen Gemeindetags über Grenzen und Chancen der Bürgerbeteiligung informierte, zeigte sich beeindruckt vom Geretsrieder Modell. „Sie machen das ausgezeichnet. Ich wünsche Ihnen alles Gute“, gab er den „Visionären“ mit auf den Weg. Das große Wunschkonzert in der Karl-Lederer-Schule wird sich nun an der Durchsetzbarkeit im politischen Alltag messen müssen. Den Geretsriedern wäre es zu wünschen, dass sich der Stadtleitbildprozess nicht zum Streichkonzert entwickelt. Peter Herrmann

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