„Hinter die Fassade schauen“

Sandra Freudenberg ist Autorin und Alpinistin, die von Sehnsuchtsorten beim StadtLesen berichtet

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Sandra Freudenberg war mit ihrem Bergkameraden Vasco für ihre Buchrecherche im Karwendel unterwegs.

Bad Tölz – Sandra Freudenberg aus Tölz lebt ihre Berufe: Sie ist Autorin und Bergsteigerin aus Leidenschaft. Essayistisch berichtet sie im neuen Bildband über „Hütten2 – Neue Sehnsuchtsorte in den Alpen“ über Almen auf dem Alpenkamm. Beim Tölzer StadtLesen berichtet sie unter anderen auch darüber.

Sandra Freudenberg sitzt heute in ihrem modern eingerichteten Wohnzimmer und dort berichtet sie von ihren Bergexpeditionen, während ihr treuer Begleiter Vasco am Boden liegend seinen Spielball bewacht. Doch lange bleiben die Bergfex und Autorin sowie ihr zweijähriger Schäferhund-Dackel-Mischling eigentlich nie sitzen: Das Wandern und erklimmen der Gipfel sind ihre Leidenschaften. Seit Freudenberg mit 17 Jahren nach Garmisch gezogen ist, zieht es sie nämlich auf die Berge aus der Region.

Freudenberg liegt nicht nur das Wandern in Höhen, sondern auch das Schreiben: Als Journalisten schreibt die Tölzerin auch für die Tegernseer Stimme und die Tageszeitung taz. Aktuell ist ihr Bildband „Hütten2“ bei National Geographic erschienen, mit dem Untertitel „Neue Sehnsuchtsorte in den Alpen“. Bereits 2016 erschien der erste Band über Hütten. Beide Bände sind erfolgreich, unter der Rubrik Bildbände rangieren sie auf der Bestseller-Liste auf Platz eins.

Im Rahmen der Tölzer Veranstaltung „StadtLesen“ wird Freudenberg zusammen mit Autor Tom Dauer am Freitag, 12. Juli, ab 18 Uhr am Winzerer-Denkmal unter anderem auch aus ihrem gemeinsamen Buch „Hütten2“ vorlesen. Darin werden 33 Hütten verteilt auf den Alpenkamm in Deutschland, Österreich, Schweiz und Italien vorgestellt.

Verschiedene Sehnsuchtsorte, eine Lieblingshütte

Freundenbergs Lieblingsalm ist dabei die Lenggrieser Hütte auf 1.338 Metern Höhe in den bayerischen Voralpen. Besonders schätzt sie dort „die Vielfalt an Ausgangspunkten für Touren“, sagt sie. Aber auch den „sensationell guten Schweinebraten“ von Hüttenwirt Florian Durach. Für den Bildband besuchte Freudenberg aber auch andere Hütten wie die Brunnstein-, Lamsenjoch- und Weilheimer Hütte sowie das Soiernhaus.

Für die Historie der Hütten unterhält sich Freudenberg neben den Betreibern auch mit Wegebauern, Bergwacht, Almbauern und Wanderern. Sie möchte nämlich nicht nur Fakten und Zahlen eines Gebäudes aufzählen, sondern eine lebendige Geschichte in Form von Anekdoten erzählen: Begegnungen, Atmosphäre und Persönlichkeit sind dabei ihr Weg, die Texte zu schreiben. „Hinter die Fassade schauen“, sagt sie.

Eine ganze Zahnbürste ist zu schwer

Dafür sitzt sie manchmal auch einfach nur zwischen den Bergsteigern in der Hütte, über die sie berichtet, und hört ihnen einfach nur zu. In den Hütten selber nächtigt sie mit Hund Vasco allerdings nie: „Wir beide schlafen draußen vor der Tür, dort schnarcht dann auch keiner.“ Schlafsack sowie Daunen- und Wollkleidung halten sie dabei warm.

Eine andere Eigenheit, wie sie schmunzelnd berichtet, ist ihr Gepäck. Freudenberg ist nämlich „Minimalist“ und sie reist mit leichtem Gepäck: so leicht, dass sie sogar ihre Zahnbürste in der Hälfte durchschneidet, um Gewicht zu sparen. Und ihre „alte und verbeulte Kanne“ füllt sie immer an diversen Wasserquellen auf dem Weg zum Gipfel auf. Sie bezeichnet diese Reisevorbereitung als „vorab die Wasserfrage klären“.

Dieses Tipps gibt sie auch anderen Bergsteigern. „Eineinhalb Kilo weniger im Rucksack machen einen riesen Unterschied“, sagt Freudenberg. Denn Geschwindigkeit ist auch ein Sicherheitsaspekt auf dem Berg, „wenn plötzlich das Wetter umschlägt und man schnell zurück ins Tal hinunter oder zur Hütte hinauf muss“.

Prägend für ihren Bergsport war von Kindesbeinen an ihre Großmutter, die, so wie Freudenberg heute, ein Wandervogel war. „Jeden Tag hat sie mich an die Hand genommen und wir sind zwei Stunden gewandert.“ Dabei hat die Oma ihr Wissen an ihre Enkelin weitergegeben: „Sie hat mir alles über die Natur erklärt und jedes einzelne Pflänzchen gezeigt“, erinnert sich Freudenberg.

Weitere Höhen erklettere sie später dann zusammen mit ihrem langjährigen Weggefährten, Bergmentor und Vater ihres Sohns Laurin (12), Tom Dauer. Der Expeditionsbergsteiger lebt heute in Warngau. „Er brachte mir alles bei, was man als Alpinistin wissen muss.“ Zusammen haben sie „die wildesten Touren unternommen“, wie das für Bergsteiger trotz Sicherheitsseil gefährliche Felsklettern.

Beim Tölzer Stadtlesen erzählen Freudenberg und Dauer nun Anekdoten vom Kashmir bis zum Karwendel, aber auch aus der Region: Von Berg-Persönlichkeiten, die hier leben und klettern – so wie Freudenberg und Dauer selbst. Daniel Wegscheider

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Das „StadtLesen“ gastiert von Donnerstag, 11. Juli, bis Sonntag, 14. Juli, täglich ab 9 Uhr auf der Tölzer Marktstraße. Mehr als 3.000 Bücher laden dort bei freiem Eintritt zum Schmökern ein. Informationen sowie das komplette Veranstaltungsprogramm gibt es online auf www.stadtlesen.com/lesestaedte/bad-toelz/.

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