Baustelle mit Bergblick

Sanierung der Falkenhütte soll im Frühjahr 2020 abgeschlossen sein / Kosten von 6,4 Millionen Euro

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Die Falkenhütte im Karvendel: Über sechs Millionen Euro kostet die Sanierung des fast 100 Jahre alten Bauwerks.

Hinterriß – Ganz allmählich neigen sich die Arbeiten auf einer der höchsten Baustelle dem Ende zu: Wenn alles nach Plan läuft, können die ersten Gäste im kommenden Frühjahr in der Generalsanierten Falkenhütte auf 1.848 Meter Höhe im Karwendel einziehen. Die Kosten dürften mit rund 6,4 Millionen Euro im erwarteten Rahmen bleiben. Nach dem Umbaus können in der Hütte bis zu 140 Personen schlafen – zehn weniger als bisher.

Die Falkenhütte ist eine Baustelle, die keinen der Beteiligten kalt lässt. Der Eglinger Schreiner Erich Zengerle gerät geradezu ins Schwärmen, wenn er von seinem Arbeitsplatz auf 1.848 Metern Höhe erzählt: „Mit diesem Ambiente ist das natürlich eine einmalige Baustelle. Jedem macht es Spaß, hier zu arbeiten.“ Jeweils montags fährt er auf die Hütte, freitags geht es zurück ins Tal. Geschlafen wird im alten Horst-Wels-Haus, das nach Abschluss der Bauarbeiten abgerissen wird. Sieben bis acht Leute schlafen in einem Raum. Obwohl so viele Menschen so engem Raum arbeiten, habe es noch nie ein böses Wort gegeben, sagt Zengerle: „Das ist ganz anders als zum Beispiel bei Baustellen in München.“ Wenn ein Handwerker etwas vergessen hat, helfe der andere aus. Die Logistik sei ohnehin ein Thema für sich: „Man muss sich genau überlegen, was man die ganze Woche braucht. Jedes Packerl Schrauben muss man dabei haben.“ Die Absprachen klappen seiner Ansicht nach perfekt. Momentan arbeiten an der Falkenhütte sechs Firmen, meist sind 20 Handwerker vor Ort.

Die Baustelle Falkenhütte sei in der Tat herausfordernd, bestätigt der Münchner Architekt Rainer Schmid. Eigentlich sollten die Arbeiten in diesem Jahr am 13. Mail beginnen. „Aber da hatten wir überhaupt keine Chance, es ist brutal viel Schnee gelegen.“ Teilweise seien die Verwehungen bis zu sechs Meter hoch gewesen. Fast vier Wochen dauerte es, bis sich die Räumfahrzeuge durch die Schneemassen gefräst hatten. Kaum war alles erledigt, wurde es warm, binnen kürzester Zeit schmolz der komplette Schnee auch neben der Straße: „Das war ein bisserl gemein“, sagt Schmid schmunzelnd. Am 10. Juni konnte es schließlich losgehen. Alle Probleme waren damit auch nicht behoben. So führt die Fahrstraße durch den Johannesbach. Jedes Mal wenn es regnet, schwillt er an und verändert sein Bachbett. Mit dem Ergebnis, dass immer wieder Baufahrzeuge für eine freie Durchfahrt sorgen müssen.

Immerhin: Wenigstens an der Baustelle selbst gab es in den vergangenen Monaten keine größeren Überraschungen mehr. Mal abgesehen davon, dass die alten Mauern nun doch komplett saniert werden müssen – obwohl sie vor nicht allzu langer Zeit schon einmal teilsaniert worden waren. Ganz große und wichtige Arbeiten sind mittlerweile abgeschlossen. Allen voran steht die Hütte nun wieder kerzengerade da. Wie berichtet, waren im Laufe der Jahre für die Statik enorm wichtige Wände und Balken entfernt worden. Im Boden verankerte Stahlseile waren nicht ordentlich gespannt. Die nicht gespannten Seile seien auch der Grund dafür gewesen, dass die Falkenhütte vor dem Umbau „extrem schief“ dastand, erklärt Schmid: „Gott sei Dank ist ein Holzbau sehr geduldig. Es dauert, bis so ein Haus umfällt. Aber viel hat nicht mehr gefehlt.“

Ein wichtiges Thema ist seit Beginn die Abstimmung mit dem österreichischen Bundes-Denkmalamt. Im alten Gastraum wurde die überpinselte Bemalung frei gelegt, er sieht nun wieder aus wie 1923. Die ebenfalls denkmalgeschützten Fenster sind inzwischen fast alle angebracht, lediglich auf der Süd-Westseite laufen gerade Restarbeiten. Schmid ist angetan von den Gesprächen mit der Behörde: „Das ist eine Abstimmung auf Augenhöhe. Sie gehen auf Gestaltungs-Vorschläge ein und sind zu Kompromissen bereit.“

Jetzt geht es vor allem um die Feinheiten. Am Mittwoch vergangener Woche wurde die Küche geliefert und am Donnerstag aufgebaut. Sie ist nun mit 62 Quadratmetern fast doppelt so groß wie bisher (32 Quadratmeter). Alle Geräte sind auf dem neuesten Stand der Technik. „Es nun möglich, die Menschenmassen vernünftig zu bewirten, sagt Schmid. Der Vorpächter sei immer gezwungen gewesen zu improvisieren: „Er war eh ein Phänomen, was er aus dieser kleinen Küche alles herausgebracht hat.“

Der Architekt hofft nun auf einen „tollen Herbst“, um den Terminplan einhalten zu können.“ Die Arbeiten am neuen Horst-Wels-Haus sind weitgehend abgeschlossen. Gerade begonnen haben die dagegen die Arbeiten am Technik- und Winterraum. Die Betonhülle steht seit Montag vergangener Woche. In dem Gebäude können sich im Winter bis zu acht Personen einquartieren und kochen.

Schmid ist sehr erleichtert, dass die Ausschreibung schon 2016 erfolgt ist, die Firmen an die damaligen Preise gebunden sind und es wohl bei Kosten von rund 6,4 Millionen Euro bleibt. Der Architekt glaubt: „Heute würden wir es nicht mehr für diesen Preis schaffen.“ Patrick Staar

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