Sanierung zu kostspielig

Stadtrat lehnt millionenschwere „Maximallösung“ für Rathauscafé ab

+
Im Herbst sollte das seit über einem Jahr leerstehende Rathauscafé wiedereröffnet werden. Diese Pläne müssen nun ad acta gelegt werden.

Wolfratshausen – Im Mai 2019 musste das Rathauscafé schließen. Der Stadtrat vergab den Gastronomiebetrieb daraufhin in nicht-öffentlicher Sitzung an Rita Schmid und Barbara Schramm-Kastl, die im Februar 2020 als neue Pächterinnen vorgestellt wurden. Doch nun explodierten die Sanierungskosten. In seiner jüngsten Sitzung lehnte der Stadtrat eine „Maximallösung“ ab.

Im April entschied der Bau- und Umweltausschuss, dass die Renovierung des Rathaus-Cafés nur im Rahmen der zur Verfügung gestellten Haushaltsmittel von insgesamt 445.000 Euro erfolgen soll. Mit der Durchführung der Arbeiten wurde die StäWo-Dienstleistungs-GmbH beauftragt. Nach mehreren Besichtigungen mit Fachplanern, Gesundheitsamt, Kaminkehrer und einem Abstimmungsgespräch mit dem Gewerbeaufsichtsamt, mussten die Kostenschätzungen jedoch deutlich nach oben korrigiert werden. Ausschlaggebend waren die geplanten Nutzungen im Erd- und Untergeschoss. Bei der von den designierten Pächterinnen gewünschten Maximallösung, die eine Produktionsstätte im Keller und eine Küche für rund 100 warme Essen täglich umfasst, würden sich die Kosten vor allem wegen der erhöhten Aufwendungen im Bereich der technischen Gewerke – Elektronik, Lüftung, Sanitär, Heizung – auf rund eine Million Euro brutto summieren. „Der schlechte Zustand des Hauses war erst nach der vollständigen Demontage in vollem Umfang sichtbar“, bedauerte Bürgermeister Klaus Heilinglechner (Bürgervereinigung Wolfratshausen)

In der anschließenden Debatte zeigte sich, dass die meisten Stadträte dies Maximallösung ablehnen. „Es ist nicht die Zeit für finanzielle Experimente“, warnte SPD-Fraktionssprecher Fritz Meixner. Zweiter Bürgermeister Günther Eibl (CSU) beharrte auf der 445.000-Euro-Deckelung. Damit ließe sich eine einfache Küche im Erdgeschoss und ein Lager finanzieren. Eine Produktionsstätte im Untergrund, die etwa 300.000 Euro kosten würde, kommt auch für Josef Praller (Bürgervereinigung Wolfratshausen) nicht infrage. „Wir werden aufgrund der Corona-Krise auch noch bei anderen Projekten Kürzungen vornehmen müssen“, sagte er. Und Fritz Schnaller (SPD) befürchtete, dass eine hohe städtische Investitionssumme sogar eine „Wettbewerbsverzerrung“ sei und andere Gastronomen benachteiligen würde.

Dritte Bürgermeisterin Annette Heinloth erinnerte dennoch an die Zielvorgabe, die Innenstadt aufzuwerten. „Wir haben die Verpflichtung, diese städtische Liegenschaft wiederherzurichten“, stellte sie klar. Dafür sei auch eine „große Küche“ notwendig. Wirtschaftsreferent Helmut Forster (Wolfratshauser Liste) sieht das genauso. „Wir sollten diese große Chance nicht leichtfertig aufs Spiel setzen“, erklärte er.

Am Ende entschied der Stadtrat einstimmig, die Deckelung der Investitionskosten von 445.000 Euro aufzuheben. 20 von 25 Stadträten votierten dafür, im Erdgeschoss Vorbereitungen für den Einbau einer großen Küche zu treffen. Die Errichtung einer Produktionsstätte im Keller lehnten bis auf Manfred Menke (SPD) alle Stadträte ab. Der Alternativvorschlag, im Rathauscafé Büro- und Lagerräume zu schaffen, wurde einstimmig verworfen. Ob die Pächterinnen Rita Schmid und Barbara-Schramm Kastl ihr Vorhaben nun aufgeben, stand vor Redaktionsschluss dieser Ausgabe noch nicht fest. Sollten sie das Café nicht betreiben wollen, wird die Stadt den Pachtvertrag neu ausschreiben.Peter Herrmann

Auch interessant

Meistgelesen

Gewagte Thesen: „Bundesverband Impfschaden“ auf der Tölzer Marktstraße
Gewagte Thesen: „Bundesverband Impfschaden“ auf der Tölzer Marktstraße
Stadtrat lehnt millionenschwere „Maximallösung“ für Rathauscafé ab
Stadtrat lehnt millionenschwere „Maximallösung“ für Rathauscafé ab
Vereine und Rettungsorganisationen müssen künftig zahlen
Vereine und Rettungsorganisationen müssen künftig zahlen
37-Jähriger Münchner fährt mit 1,1 Promille gegen einen Baumstumpf – 3.000 Euro Schaden
37-Jähriger Münchner fährt mit 1,1 Promille gegen einen Baumstumpf – 3.000 Euro Schaden

Kommentare