Die Schienenbuhler

Noch fährt der BOB-Integral von Lenggries nach München. Ob das auch in Zukunft so bleibt, wird sich im Laufe der Streckenausschreibung herausstellen.

Am Mittwoch hat das Verfahren zur Ausschreibung des Streckennetzes der Bayerischen Oberlandbahn (BOB) durch den Freistaat begonnen. Kaum hat dies die Bayerische Eisenbahngesellschaft (BEG), die den Regionalverkehr im Auftrag des Freistaats plant, finanziert und kontrolliert, mitgeteilt, gab es auch schon die erste Zusage: Erwartungsgemäß beteiligt sich die DB Regio Bayern am Wettbewerb. Eine Entscheidung zur Vergabe der Ausschreibung fällt im Herbst.

Der Verkehrsvertrag zwischen BEG und BOB endet im Dezember 2013. „Es wird durch die Ausschreibung nicht – wie befürchtet – zu einem Rückschritt im Angebot kommen“, sagt BEG-Geschäftsführer Fritz Czeschka. Das erfolgreiche Konzept der BOB solle erhalten und verbessern werden. Der neue Vertrag läuft plangemäß ab Dezember 2013 für elf Jahre. Die Ausschreibung hat eine Besonderheit: Die Fahrzeuge des Typs „Integral“ wurden damals vom Freistaat Bayern mitfinanziert, ebenso die Werkstatt in Lenggries. Deshalb werde die BEG laut Czeschka dem künftigen Betreiber die Nutzung der Integrale sowie der Werkstatt vorschreiben. Durch den Einsatz dieser Fahrzeuge kann das „anspruchsvolle Fahrplan- und Betriebskonzept der Oberlandbahn weiter gefahren werden“. Durch diese Vorgabe findet ein Betriebsübergang im arbeitsrechtlichen Sinn statt. Der künftige Betreiber muss die – in der Werkstatt und im Betrieb beschäftigten – Arbeitnehmer zu den bisherigen Konditionen übernehmen. Czeschka: „Damit wollen wir das nötige Fachwissen der Arbeitnehmer vor Ort sichern.“ „Wir gehen davon aus, dass wir eine faire Chance im Wettbewerb mit dem staatsnahen französischen Großkonzern ,Veolia Transdev’ erhalten, zu dem die BOB gehört“, sagt mit Norbert Klimt der Vorsitzende der Regionalleitung von DB Regio Bayern. Die DB Regio werde in den nächsten Monaten ein Angebot erarbeiten. Den im Dezember 2013 auslaufenden Vertrag schreibt die BEG in drei Stufen aus. Das Fahrplanangebot in den Hauptverkehrszeiten soll laut BEG-Geschäftsführer Fritz Czeschka verbessert werden. „In den ersten beiden Stufen wird das Angebot um bis zu 14 Prozent ausgeweitet.“ In einer dritten Stufe sind dann weitere Verbesserungen vorgesehen. Die hängen aber vom Ausbau der Infrastruktur ab. So will die BEG den Fahrplan am Morgen stadteinwärts erweitern. Es wird einen neuen Frühzug aus Lenggries und Schliersee geben, der bereits gegen 5.40 Uhr am Münchner Hauptbahnhof eintrifft. Darüber hinaus wird der Zug aus Lenggries, der gegen 7.30 Uhr am Hauptbahnhof ankommt, eine Verdoppelung der Platzkapazitäten erhalten. „Am Nachmittag finanziert die BEG weitere Fahrten aus München in Richtung Oberland, so dass die Züge zwischen 15 und 19 Uhr im Halbstundenrhythmus verkehren“, sagt der BEG-Geschäftsführer. Und an den Wochenenden werde der Freistaat mehr Fahrten bereitstellen – ganzjährig und nicht mehr nur zur Hochsaison. Am Wochenende werden zwischen München, Holzkirchen und Schliersee/Lenggries vier und zwischen München und Tegernsee sechs Fahrten zusätzlich angeboten. An Werktagen sind es zwischen München, Holzkirchen und Lenggries/Tegernsee acht, zwischen München und Schliersee/Bayrischzell zwei Fahrten mehr. Für das verdichtete Angebot sind – neben der gesamten Integral-Flotte – allerdings noch weitere Fahrzeuge erforderlich. „Damit das Ausschreibungsprojekt planmäßig starten kann, hat die BEG einen Fahrplan entwickelt, „der zunächst mit sechs zusätzlichen Fahrzeugen gefahren werden kann“, erläutert Czeschka. Spätestens zum Start der zweiten Stufe Ende 2015 fordert die BEG dann nochmals fünf weitere Fahrzeuge, wodurch einzelne weitere Zugleistungen angeboten werden können. Geplant sind ergänzende Verbindungen mit der Landeshauptstadt. Durch den Einsatz verschiedener Fahrzeugtypen lässt es sich aber nicht vermeiden, dass „bei den zusätzlich zum Stundentakt verkehrenden Zügen in Einzelfällen in Holzkirchen oder Schaftlach umgestiegen werden muss“. Gleiches gilt laut dem BEG-Geschäftsführer für die späteren Abendstunden. Weitere Vorgaben zur Ausschreibung: Alle Züge zwischen München und Holzkirchen müssen mit Zugbegleitern besetzt werden. Zwischen Holzkirchen und Bayrischzell, Lenggries und Tegernsee muss mindestens jeder zweite Zug mit Servicepersonal bestückt sein. Überdies fordert die BEG die Beibehaltung der personenbedienten Verkaufsstellen am Münchner Hauptbahnhof, in Holzkirchen, Bad Tölz, Lenggries, Tegernsee, Miesbach und Schliersee – teils gar mit längeren Öffnungszeiten. Der neue Betreiber verpflichtet sich zudem, am Qualitätsmesssystem der Eisenbahngesellschaft teilzunehmen. „Damit werden Sauberkeit, Funktionsfähigkeit der Ausstattung, Fahrgastinformation im Zug, Servicequalität und Kundenfreundlichkeit geprüft.“ Und in Sachen Pünktlichkeit und Anschlusssicherung gilt: Werden vertraglich vereinbarte Qualitätsziele nicht erfüllt, erhebt die Eisenbahngesellschaft Strafzahlungen. Der Schlusstermin für den Eingang der Angebote ist auf Montag, 2. Juli, terminiert. Die Zuschlags- und Bindefrist endet dann am Montag, 15. Oktober.

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