Schläft die Flößerstadt?

Lange Liste: UWW-Vorstand Dr. Walter Steinbach (l.) konfrontierte Bürger Helmut Forster mit Fragen zur Stadtentwicklung

Wie wird sich die Stadt in den nächsten 20 Jahren wirtschaftlich und infrastrukturell entwickeln? Diese Frage brannte den rund 40 Vertretern der Unternehmervereinigung Wirtschaftsraum Wolfratshausen (UWW) bei einer Diskussionsrunde mit Bürgermeister Helmut Forster auf den Nägeln. Dabei sparte UWW-Chef Walter Steinbach nicht mit Kritik gegenüber dem Bürgermeister: Forster mangele es an Visionen.

Das Stadtoberhaupt richtete seinen Blick zunächst zurück. Während seiner dreijährigen Amtszeit habe Wolfratshausen über 23 Millionen Euro in die Infrastruktur investiert. Auch die Förderung von Sportstätten, der Ausbau der Kinderbetreuungsplätze und die Subventionierung von Kulturveranstaltungsorten wie der Loisachhalle fanden hinsichtlich der Lebensqualität positives Echo. Dass diese Maßnahmen ausreichen, wurde jedoch von den meisten der anwesenden Geschäftsleute bezweifelt. Hans-Werner Kuhlmann vom Verein Lebendige Altstadt Wolfratshausen regte einen Ausbau der Unterkunftsmöglichkeiten für Touristen an, zielte speziell auf den Flößertourismus („ein Alleinstellungsmerkmal“) ab. UWW-Vorstand Walter Steinbach gab Kuhlmann recht: „Bisher war Wolfratshausen meist nur als Stoiberstadt bekannt, jetzt muss es als internationale Flößerstadt punkten.“ Was die weitere Ansiedlung großer Firmen betrifft, sind Wolfratshausen aufgrund seiner geringen Flächenausdehnung empfindliche Grenzen gesetzt. „Wir haben leider nur noch Platz für kleinere Unternehmen“, bedauerte Forster. Er setzt deshalb weniger auf ein aufwändiges Marketingkonzept denn auf Wohl der ansässigen Betriebe, „darum müssen wir uns kümmern“. Und er stehe in permanenten Dialog mit den örtlichen Unternehmern. Zur Seite steht ihm dabei CSU-Wirtschaftsreferent Günther Eibl. Der bemängelte zwar, dass seine eigene Sprechstunde kaum in Anspruch genommen wird. Aber: „Wenn erhöhter Gesprächsbedarf von Firmenseite da wäre, müssten die Leute bei mir Schlange stehen.“ Steinbach versuchte die Stadtvertreter mit provokanten Thesen aus der Reserve zu locken: „Ihnen fehlen die Visonen, Herr Bürgermeister. Mit Ihrer ,Es-geht-halt-nicht-Politik´ hemmen Sie Entwicklungen. Ich vermisse die Aufbruchstimmung.“ Spätestens jetzt nahm die Diskussion doch noch an Fahrt auf. „Wolfratshausen ist beileibe keine Schlafstadt. Mit Visionen kann ich nichts anfangen. Ich orientiere mich lieber am Machbaren“, konterte Forster. Bestes Beispiel für nicht zu realisierende Vorhaben sei die von der UWW geforderte Umgehungsstraße: „Die geschätzen Baukosten von 100 Millionen Euro kann die Stadt einfach nicht aufbringen. Außerdem würde die Straße im Süden ein Naturschutzgebiet durchqueren. Eine solche Forderung ist illusorisch.“

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