„Die Natur ist der Chef“

Schnee auf dem Blomberg: Seit drei Wochen steht die Doppelsesselbahn / Nun läuft der Betrieb wieder an

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Der heftige Wintereinbruch stoppte den Tourismusbetrieb am Blomberg. Die Schäden und Einbußen belaufen sich dabei auf einen sechsstelligen Betrag.

Wackersberg/Bad Tölz – Der Blomberg ist zum Eisberg erstarrt: Wanderwege sind gesperrt, Liftanlagen stehen still. Sturm und Schnee der vergangenen Wochen legten den Wintertourismus am Tölzer Hausberg komplett lahm. Die Arbeiten im Wald laufen auf Hochtouren, rund ein Dutzend Mitarbeiter der Blombergbahn und privater Unternehmen werkeln für die Wiedereröffnung: An diesem Wochenende sollen der Doppelsessel- und die Winterrodelbahn von der Mittelstation ins Tal wieder in Betrieb gehen.

Der Start in die Wintersaison 2019 schien eigentlich perfekt: Schnee, Schnee und Schnee – versprachen einen sicheren Betrieb für die Rodel- und Skigäste am Blomberg. Doch dann tobte Anfang Januar eine Schneefront über die Voralpen, die erst mal alles veränderte. Wie berichtet, rief Landrat Josef Niedermaier vor zweieinhalb Wochen den Katastrophenfall für den Landkreis aus. Hausdächer mussten von den Schneelasten befreit und Zubringerstraßen frei geräumt werden. Aber auch der Blomberg hatte zu kämpfen, seit dem 5. Januar ging dort nichts mehr: „Hier geht es drunter und drüber“, beschreibt Hannes Zintel die Situation. Bäume waren auf Tragseile und Wege gestürzt.

Der Bahnbetreiber am Blomberg erinnert sich wie alles losging: Erst war der Wind gekommen, dann der Schnee. Am Wochenende vor dem Katastrophenfall, herrschte noch reger Betrieb beim Nacht-Rodeln am Blomberg. Doch der Sturm, der mit bis zu 100 Stundenkilometern über den Gipfel brauste, habe erste Baumschläge verursacht, Zintel schloss daraufhin die Rodelbahn. Tags drauf setzte dann der starke Schneefall ein, der bekanntermaßen tagelang andauerte.

Die Last für den Mischwald am Blomberg wurde zu groß, wie Forstrevierleiter Max Leutenbauer berichtet. Getroffen habe es hauptsächlich Tannen und Fichten. Viele dieser Wipfel brachen ab und stürzten teilweise in die Lifttrassen. Zintel schätzt die entstanden Einbußen am Blomberg derzeit auf einen sechsstelligen Betrag. Weitere Schäden können erst im Frühjahr berechnet werden, wenn das ganze Ausmaß unter den bis zu drei Meter hohen Schneemaßen sichtbar werde.

Für dieses Wochenende läuft der Blomberg-Doppelsessellift nun wieder. „Eine magnetinduktive Seilprüfung wurde durchgeführt. Schäden an den Stützen und Rollenbatterien wurden beseitigt“, berichtet Kur- und Tourismusdirektorin Brita Hohenreiter. „Auch Baumbestände im Bereich der Seilbahntrasse und der Rodelbahn von der Mittelstation bis zur Talstation wurden von einem zertifizierten Baumkontrolleur gesichtet“, sagt sie. Geschädigte Bäume wurden dabei gefällt.

Um der derzeitigen Lage wieder Herr zu werden, arbeiten derzeit rund ein Dutzend Helfer am Blomberg. Es ist auch ein Kampf gegen die Zeit. Der Grund: Ist der Schnee erst weggeschmolzen, kommt der Borkenkäfer. Und für ihn ist nicht abtransportiertes Totholz „ein gefundenes Fressen“, erklärt Förster Leutenbauer. Die Gefahr dann hoch, dass der Käfer auf gesunde Bäume überspringe und sich vermehre. Dennoch sei der forstwirtschaftliche Schaden am Blomberg, überschaubar. Mehr Sorgen bereiten den Förster die angespannte Situation auf dem Holzmarkt: „Das Holz muss raus, aber wenn es keine Käufer gibt, haben wir ein Problem.“

Am Blomberg schätzt Leutenbauer den Baumschaden auf fünf bis zehn Festmeter pro Hektar. Um das Holz aus dem Gelände zu bringen, rücken die privaten Forstunternehmen derzeit mit schwerem Gerät an – ein Harvester entastet die Bäume, die dann ein sogenannter Rückezug aus dem Gelände abtransportiert, um es per Lkw vom Berg zu befördern. Spätestens wenn das Eis den Blomberg wieder freigibt.

Eigentlich ist ein Wintereinbruch im Winter nichts ungewöhnliches: „Aber so viel Schnee auf einmal und so schnell. Dazu die Sturmböen“, das sei doch eher ungewöhnlich, resümiert Zintel, dessen Familie seit 48 Jahren die Anlagen am Blomberg betreibt. „Die Natur hat uns wieder einmal gezeigt, wer hier der Chef ist.“Daniel Wegscheider

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