Ende der „Kreidezeit“

Schulen im Landkreis sollen saniert und digitalisiert werden

Das Gymnasium Geretsried
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Das Gymnasium Geretsried will wie auch andere Schulen im Landkreis digitaler werden.

Landkreis/Geretsried – Die Digitalisierung der Schulen ist ein emotionales Thema, das zuletzt im Tölzer Stadtrat diskutiert wurde und jetzt auch Landrat Josef Niedermaier veranlasste, Stellung zu nehmen. Von den Schulleitungen gab es massiv Kritik, da der Landkreis bei der Digitalisierung hinterher hinke.

Die haben Niedermaier sehr getroffen, denn er nahm am Montag im Schul- und Bauausschuss des Landkreises unter dem Punkt Verschiedenes dazu Stellung. Wie Niedermaier sagte, wurde er „mit Briefen überschüttet“, könne sich aber noch gut erinnern, als er vor Jahren in einem großen Schulzentrum des Landkreises „so geschimpft wurde, wie selten zuvor“. Damals sei es darum gegangen, die Kinder vor Elektrosmog und Handystrahlung zu schützen. Deshalb habe man damals von einem Projekt, neue Klassenräume mit elektronischen „weißen Tafeln“ auszustatten, Abstand genommen und sei wieder zur „Kreidezeit“ zurückgekehrt. Jetzt hätten sich die Ansichten der Lehrer geändert, wobei Niedermaier einräumte, dass die damalige Schulleitung nicht mehr die aktuelle in Geretsried sei.

„Das Schulfinanzierungsgesetz muss regeln, wer was bezahlt.“

Knackpunkt der Angelegenheit ist der sogenannte Sachaufwand, für den der jeweilige Träger zu sorgen hat. Für die Volks- und Mittelschulen sind das die Gemeinden und für die Realschulen und Gymnasien der Landkreis. Seit langem gibt es aber unterschiedliche Meinungen, wer was bezahlen muss. WLan sowie Laptops für Lehrer und die Betreuung der Computer und Rechenzentren sind nicht so eindeutig zuzuordnen. „Das Schulfinanzierungsgesetz muss regeln, wer was bezahlt“, ist Niedermaiers Standpunkt. Seit zwei Jahren werde eine genaue Festlegung angemahnt. Von den Landräten werde, so Niedermaier, zudem die Einführung einer „Schulcloud“ gefordert, „einer Drehscheibe für alle schulischen Daten.“ Schließlich könne nicht jeder Landkreis ein eigenes Rechenzentrum bauen. Nun sei eine Arbeitsgruppe gebildet worden, um zu klären, wer welche Kosten trägt. Niedermaier ist klar, „das hilft den Eltern und Schülern nicht, denen ist es wurscht, wer was zahlt.“

Der Landrat erläuterte am Montag den Ausschuss-Mitgliedern, darunter auch einigen Bürgermeistern, wie kompliziert es sei, den Lehrern die Laptops zur Verfügung zu stellen. Dazu seien vom Landkreis 371.000 Euro vorgesehen. „Das war’s aber dann“, so der Kreischef. Das Geld reiche nicht. Die Verteilung sei „nicht Sache des Landkreises“, „hier ist der jeweilige Rektor gefordert. Wir sind nicht die Dienstvorgesetzten der Lehrer.“

Antrag der Jungen Union

Die Summe einfach um 400.000 Euro zu erhöhen, wie das in einem benachbarten Landkreis geschehen solle, „das traue ich mich nicht einmal zu fragen“, so Niedermaier. In dem Zusammenhang erwähnte er den Antrag der Jungen Union. Sie regt die „Gründung einer landkreiseigenen GmbH“ an, deren Ziel es ist, „sich um den Prozess der Digitalisierung an allen Schulen im Landkreis von der Implementierung entsprechender IT-Systeme bis zu deren Wartung, Betreuung und Reparatur zu kümmern“.

Hauptamtsleiter René Beysel ergänzte auf Nachfrage von Niedermaier, dass man bei der aktuellen Generalsanierung des Geretsrieder Schulzentrums „die EDV-Ausstattung festgelegt“ habe. Dort sei auch WLan vorgesehen. Im Bauabschnitt zwei, der im letzten Jahr abgeschlossen wurde, seien alle Räume im Gymnasium entsprechend ausgestattet worden, jetzt komme die Realschule dran. Mit Beginn des neuen Schuljahres sollte die Maßnahme abgeschlossen sein. Dann bestehe eine flächendeckende kabelgebundene LAN-Verbindung. Aktuell sei auch das Gymnasium Icking bereits „abgeleuchtet“, in den nächsten Monaten sollen dann durch ein vom Landkreis beauftragtes Ingenieurbüro alle Schulen untersucht werden. Es werde ein Konzept für die nächsten zehn Jahre erarbeitet, bis Ende 2021 sollen zudem die entsprechenden Förderanträge gestellt werden.

Zuletzt erwähnte Niedermaier noch das Tölzer Gabriel-von -Seidl- Gymnasium, dessen Sanierung vor fünf Jahren abgeschlossen worden war. Dort habe man am Lehrerpult einen Schalter eingebaut, mit dem das WLan abgeschaltet werden kann, gab es doch damals noch große Bedenken wegen vermeintlicher Strahlung und Elektrosmog. Auf die Frage eines Kreisrates, ob es Zahlen über die Häufigkeit der Benutzung dieses Schalters gebe, meinte Niedermaier lächelnd: „Da ist uns nichts bekannt.“

Karl Bock

Lesen Sie hier zu weiteren Bauprojekten: Generalsanierung des Lehrschwimmbeckens in der Tölzer Real- und Förderschule kostet 3,1 Millionen;

Erweiterung der Tölzer Jahn-Grundschule startet im September 2022;

Bis 2027 soll das Hauptgebäude der Realschule saniert werden / Kosten: vier Millionen Euro.

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