„Schwere Geburt“

Am 1. April startet die Hebammen-Sprechstunde in der Tölzer Stadtklinik

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Politische Kämpfer seit der ersten Stunde für die neue Hebammen-Sprechstunde in der Asklepiosklinik (vorne v.l.): Die vier Hebammen Kathleen Hodbod, Patrizia Heyde, Christine Schauer sowie Nadia Tretter; (hinten v.l.): Willi Streicher (SPD), Barbara Schwendner (Grüne), Susanne Merk (FW), Sabine Lorenz (CSU), Reiner Berchtold (SPD) und Anna Rieger (CSU).

Bad Tölz/Landkreis – Nachdem die Geburtshilfe in der Asklepios dicht gemacht hatte, war der Aufschrei groß. Nun naht Hilfe mit der neuen Hebammen-Sprechstunde, die in der Stadtklinik nächsten Monat startet. Die medizinische Versorgung soll den Südlandkreis wieder stärken. Allerdings werden dort anders als in der Kreisklinik Wolfratshausen keine Geburten durchgeführt.

Ziel der Hebammen-Sprechstunde ist es, ein ambulantes Angebot im Landkreis zu schaffen. Sowohl in der Schwangerschaft als auch fürs Wochenbett. Insbesondere für Frauen, „die aktuell kein Betreuung haben oder die Hebamme oder der Gynäkologe gerade nicht verfügbar sind“, berichtet Hebamme Patrizia Heyde. Sie ist eine von den vier Hebammen, die nun ab 1. April in der Tölzer Asklepiosklinik telefonisch und persönlich vor Ort sind.

Auch für die Versorgung danach sind die Hebammen da: Frauen, die hierbei keine Betreuung haben, „können zu uns kommen und sich mit ihren Problemen an uns wenden“, berichtet Heyde weiter. Des Weiteren werde die Vermittlung von Hebammen angeboten, dafür stehe ein Pool an Geburtenhelferinnen aus dem Landkreis bereit.

Keine Bereitschaft gebe es allerdings für Notfälle. Heißt: „Die Sprechstunde wird nicht eingerichtet, um dort Geburten durchzuführen“, betont sie. Eltern können sich hierbei zwar telefonisch melden, wenn es los geht, aber in der Sprechstunde selbst werden keine Geburten stattfinden, und auch keine Notfallversorgung von Kindern. „Wir sind nur eine Zwischenstelle, die die Eltern an die richtige Einrichtung vermittelt oder Ratschläge erteilt, ob sie sich an ein Krankenhaus wenden müssen“, so Heyde. Sollte dennoch so ein Ernstfall eintreten, werden die werdenden Mütter freilich nicht abgewiesen, sondern in Zusammenarbeit mit der Stadtklinik im Rahmen eines Notfallplanes stationär verlegt.

Anmelden und informieren können sich Frauen über die Homepage der Hebammen auf www.hebammen-­toelz.de, die ab Ende nächster Woche freigeschaltet sein soll. Dort zu finden ist ein Steckbrief zu den einzelnen Hebammen. „Da kann man sich durch uns durchklicken“, erklärt Heyde. Denn die Hebammen sind dort auch mit ihren jeweiligen geschäftlichen Homepages verlinkt. Der wichtigste Link auf der Seite ist jedoch der Termin-Button. Über diesen können Patienten direkt einen Termin buchen und sehen, welche Zeitfenster noch frei sind. Eine Bestätigung folgt dann per E-Mail. Dies sei besonders hilfreich für die Hebammen, die somit sehen, wer wann kommt, erklärt Heyde. Wer keinen Termin bucht, muss freilich mit Wartezeit rechnen. Nichts ungewöhnliches: „Das ist wie beim Doktor auch“, sagt sie weiter.

Fraktionsziele für Hebammen erreicht: Medizinische Geburtenversorgung im Nord- und Südlandkreis wächst zusammen

Hausbesuche von Hebammen ans Wochenbett sind rückläufig. Ein Trend, den die Fachfrauen mit zunehmender Besorgnis erkennen, und auch deshalb die Sprechstunde im Südlandkreis gegründet haben: „Momentan ist hier die Versorgung noch einigermaßen gesichert“, berichtete Nadia Tretter, und weiter: „Wir erwarten aber in den nächsten fünf Jahren hierbei extreme Probleme.“ Gut dabei sei, dass sich bis dahin die Sprechstunde bereits „etabliert hat und etwas abfangen kann“.

Einige Jahre hat es gedauert von der Idee bis zur jetzt fertigen Umsetzung der Hebammen-Sprechstunde. Daran erinnert sich Grünen-Kreisrätin Barbara Schwendner noch gut. „Es war ein sehr weiter Weg“, sagte sie. Im November 2018 stellte ihre Fraktion den Antrag für die Hebammen-Sprechstunde. Der erste Kontakt fand mit der Kreishebamme Katharina Kögl statt, sie hatte den fachlichen Kontakt zu den Hebammen hergestellt. Mit dem Resultat, die vier Hebammen, die heute die Sprechstunde leiten, gefunden zu haben. Schwendner freut sich heute, dass alle Verantwortlichen einen langen Atem aufgebraucht haben. „Nur so haben wir es geschafft, für dieses wichtige Projekt zu überzeugen, und alle mit ins Boot zu holen.“ Damit sprach sie insbesondere die Kreiskollegen der anderen Parteien an. „Jetzt stehen viele für die Hebammen-Sprechstunde.“

SPD-Fraktionssprecher Reiner Berchtold ließ diese Aussage so nicht stehen, sprach Schwendner direkt an: „Sie forderten nicht von vornherein die Hebammen-Sprechstunde, sondern eine Hebammen-Ambulanz.“ Das ist laut Berchtold ein ganz anderer Ansatz, der auch die Projektentwicklung anfangs schwierig gemacht habe.

Als „schwere Geburt“ bezeichnete auch Susanne Merk (FW) die Entwicklung bis heute. „Es war intensive fraktionsübergreifende Arbeit, in Kommunikation mit den Hebammen“, berichtete sie. Die Sprechstunde sei ihrer Meinung nach eine Ergänzung zu den bereits bestehenden Gesundheitseinrichtungen im Landkreis. Ein Vorteil, und eine Entlastung besonders für junge und unsichere Mütter, um etwa Fehlfahrten zu vermeiden. „Diese Einrichtung bietet als Anlaufstelle nun eine gewisse Sicherheit“, ist sich Merk sicher, und sieht zudem eine Entlastung beim Krankenhauspersonal.

Apropos Krankenhaus: Während der Nordlandkreis durch die Kreisklinik Wolfratshausen bei Geburten versorgt ist, sei insbesondere nach der Schließung der Geburtenstation an der Asklepiosklinik die Hebammenversorgung durch die jetzige Sprechstunde wichtig, meinte Sabine Lorenz (CSU). „Sie stärkt den südlichen Landkreis und ist nur der erste Baustein“, betonte sie. „Die gesundheitliche Versorgung für Frauen muss weiter gehen.“

Der Landkreis bezuschusst den Betrieb der Hebammen jährlich mit bis zu 23.000 Euro. Zudem gibt es laut Wolfgang Krause von der Verwaltung zum Start eine einmalige Zahlung von 11.500 Euro und weitere 4.000 Euro für die Erstausstattung. Hierbei werde aber auch Asklepios „einiges zur Verfügung stellen“.Daniel Wegscheider

Zeiten der Hebammen-Sprechstunde in der Tölzer Stadtklinik

Die Hebammen sind Montag, Dienstag und Mittwoch von 18 bis 20 Uhr in Rufbereitschaft und somit telefonisch erreichbar. Persönlich anwesend sind die Hebammen am Donnerstag und Freitag jeweils von 18 Uhr bis 20 Uhr in der Asklepiosklinik, dort zu finden sind sie zwischen dem alten Kreißsaal und der Notaufnahme. Am Samstag und Sonntag gilt beides: von 9 Uhr bis 10 Uhr (Telefon); von 10 bis 13 Uhr persönliche Beratung und von 13 bis 16 Uhr dann wieder telefonische Sprechstunde. Weitere Informationen und Anmeldung auf der Homepage der Hebammen: www.hebammen-toelz.de (Ab Ende nächster Woche freigeschaltet).


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