Schärferer Augenblicke

Sehbehindertenbund informiert auf Tölzer Marktstraße über Blindheit und Augenkrankheiten

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Hilfe in Sicht: Franziska Wiegleb vom Sehbehindertenbund informierte auf der Tölzer Marktstraße über Blindheit und Augenerkrankungen. Dabei zeigte sie auch Sehhaushaltshilfen für den täglichen Alltag.

Bad Tölz – Von weitem schon gut sichtbar, steht ein grüner Sprinter auf der Tölzer Marktstraße beim Winzerer Denkmal. Im Beratungsmobil sitzt Franziska Wiegleb vom Bayerischen Blinden- und Sehbehindertenbund aus München. Sie informiert Passanten kompetent und kostenlos. Die Initiative „Blickpunkt Auge“ möchte vor Ort Menschen, die Probleme mit dem Sehen haben oder deren Angehörige, mit Tipps und Tricks für den Alltag beraten – vermitteln aber auch an Augenspezialisten.

Es ist kurz nach Mittag: Franziska Wiegleb rückt ihre schwarze Brille zurecht und blickt auf. Seit kurz nach zehn ist sie mit dem grünen Beratungsmobil des Bayerischen Blinden- und Sehbehindertenbund (BBSB) aus München auf der Tölzer Marktstraße. Der Andrang lässt auf sich warten, sie ist gerade allein. Lediglich sechs Interessierte waren bisher bei ihr und sprachen über Augenerkrankungen oder Hilfsmittel für den täglichen Haushalt.

Und dabei hätte Wiegleb allerlei Anschauungsmaterial in ihrem Van liegen: Da ist etwa eine digitale Linse, die das Lesen erleichtert. Ein roter großer Würfel, in dem die Punkte vertieft sind, damit ein schlecht sehender Spieler, die Ziffer erkennt. Daneben liegen Schlüsselanhänger, Thermometer sowie eine sprechende Uhr. Alle Geräte sprechen und sagen per Knopfdruck die jeweilige Uhrzeit an. „Wenn das Auge nicht mehr hilft, hilft sprechen“, erklärt Wiegleb schmunzelnd.

Lustig und hilfreich ist auch die sogenannte Zwitscher-Lise: Eine orange-farbene Eingießhilfe, die wiederum erkennt, wenn das Glas voll ist und dann fröhlich los zwitschert, bevor Trinkflüssigkeit überläuft. Gerade im Haushalt alles wichtige Hilfsmittel, die gerade Menschen, die schlecht oder gar nichts mehr sehen, das Leben erleichtern. „Wir beraten auch zu Fragen bei Augenerkrankungen und klären sozialrechtliche Fragen bei Sehverschlechterung und vermitteln Hilfen“, erklärt Wiegleb weiter.

Das Projekt wird gefördert von der Aktion Mensch, gesetzlichen Krankenkassen und dem BBSB. Blickpunkt Auge „will Betroffene und Angehörige frühzeitig erreichen, um über Hilfen für Menschen mit Sehverlust zu informieren“, sagt Wiegleb. Heute ließ sich etwa eine Frau über Augenkrankheit Grauer Star beraten. Eine andere über die altersbedingte Makuladegeneration, die bei Menschen ab 60 Jahren auftreten kann und das scharf sehen beeinträchtigt. „Wie alles im Leben, altert auch das Auge.“

Seit August 2018 ist das Projekt „Blickpunkt Auge“ für drei Jahre von Oberfranken bis Oberbayern unterwegs. „Wir fahren in eher ländliche Gegenden, dort, wo viele Ältere nicht mobil sind, um ihnen Beratung anzubieten“, erklärt Wiegleb. Das kostenlose Angebot wird von Ehrenamtlichen bereitgestellt, die teilweise selbst betroffen sind und somit Wissen wovon sie sprechen. Wiegleb trägt ihre Brille als Lesehilfe und sagt schmunzelnd: „Altersweitsichtigkeit ist wenn die Arme länger werden“. Daniel Wegscheider

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Der BBSB ist eine Selbsthilfeorganisation, die rund 80.000 Blinden und sehbehinderten Menschen in Bayern hilft, ein selbständiges Leben zu ermöglichen. Weitere Informationen gibt es online auf bbsb.org, via E-Mail (infobbsb.org) sowie in der Geschäftsstelle in München (Arnulfstraße 22) unter Tel: 089/55988-0.

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