Senioren-Surfing

Start: „Digitaler Kompass“-Standort am Kreisbildungswerk eröffnet

+
Von der Projektleitung der Bundesarbeitsgemeinschaft der Senioren-Organisationen ist Soziologin Katharina Braun angereist, um in der Tölzer Franzmühle den Digital-Kompass-Standort zu starten.

Bad Tölz/Landkreis – Nun hat der „Digitale Kompass“ auch den Weg nach Bad Tölz gefunden. Am Dienstag feierte das Kreisbildungswerk (KBW) die dortige Standorteröffnung, dabei wurde über das Projekt informiert, das insbesondere die digitale Kompetenz älterer Menschen fördern soll.

Zudem werden sogenannte ehrenamtliche Internetlotsen ausgebildet, die wiederum als Ansprechpartner bei Fragen rund um die digitale Welt zur Verfügung stehen.

Andreas Käter steht vor einer riesigen blauen Welle, darauf ist ein Surfer zu sehen. Der Geschäftsführer des Kreisbildungswerks ist aber nicht im Urlaub auf Hawaii, sondern steht in der Tölzer Franzmühle vor einer Leinwand. Und darauf ist das Surfbild projiziert. Es ist eine bekannte Metapher für das Internet, in dem ein Nutzer eben umgangssprachlich auch „herumsurft“. Insbesondere wirbt Käter für das Projekt „Digitaler Kompass“ und dafür, dass die Teilnehmer mitmachen und mitsurfen sollen auf der „gemeinsamen Welle“.

Gekommen sind rund 50 Besucher, die wohl betrachtet eher der älteren Generation angehören. Aber um genau die geht es beim „Digitalen Kompass“ bekanntermaßen auch. Sie sind die Zielgruppe, welche die digitalen „Zusammenhänge“ der heutigen digitalisierten Welt verstehen will, berichtet Käter. Damit sie eben nicht den Anschluss verlieren und in ihrer „Enkelgeneration“ weiterhin mitreden können, und für diese auch eine „Vorbildfunktion“ inne haben. Dafür soll nun das KBW-Projekt „Digitaler Kompass“ motivieren und bereitstehen.

Die Angebote des „Digitalen Kompass“ beinhaltet Lernmaterialien sowie praktische Unterstützung durch die beiden Vereine Computerhilfe-im-Oberland und Computersenioren. Ein bis zwei Mal im Monat finden auch Online-Vorträge statt: Dabei können sich Interessierte via Internetverbindung einwählen und bequem von Zuhause aus daran teilnehmen. Themen sind etwa Sicherheit im Internet, digitale Helfer oder Künstliche Intelligenz.

Aus Berlin über Bonn nach Bad Tölz zur Standorteröffnung gereist ist Katha­rina Braun. Die Soziologin arbeitet für die Bundesarbeitergemeinschaft der Senioren-Organisation, die mitunter den „Digitalen Kompass“ ins Leben gerufen hat. „Wir unterstützen deutschlandweit die Standorte mit Material und sind Ansprechpartner“, erklärt Braun. Wie berichtet, gibt es derzeit 75 Standorte, davon zehn in Bayern. Sie nennt auch weitere Zahlen: So seien rund 65 Prozent der über 65-Jährigen im Internet unterwegs. Das heißt wiederum ein Drittel sind nicht online. Dafür, dass sich diese Gruppe nicht der Chance verschließe, die eine Digitalisierung mit sich bringe, sei das Angebot des „Digitalen Kompass“ da: „Wir wollen Barrieren und Ängste abbauen und das Internet erlebbar machen.“ Als konkrete Beispiele nannte sie etwa die Möglichkeit des Online-Bankings oder Fahrkarten übers Internet zu buchen.

Auch Landrat Josef Niedermaier weiß wie nützlich der digitale Weg für ältere Menschen ist, da auch seine über 80-jährige Schwiegermutter seit kurzem ein Smartphone nutzt, und davon mehr als begeistert ist. Belege ohne Briefumschlag nur per Klick an die Krankenkasse übersenden oder Online-Überweisungen tätigen, das „geht richtig gut“, berichtete der Landrat. So sei die Digitalisierung ein Segen, aber damit einher gehe auch ein Fluch, nämlich sich bei all den digitalen Alltagshilfen im „Dschungel nicht mehr zurechtzufinden“.

Licht ins Netz sollen beim „Digitalen Kompass“ Online-Vorträge und regelmäßige Stammtische bringen: Erstere finden ein bis zwei Mal im Monat statt, hierbei besteht auch die Möglichkeit – sich via Internet von Zuhause aus dazuzuschalten. Dasselbe gilt für die Stammtische, die online angeboten werden, aber auch immer vor Ort stattfinden.

Besonders wichtig, damit das ganze Projekt auch funktioniert, sind die sogenannten Internetlotsen. Also „Engagierte, die ältere Menschen im Netz begleiten und an die neue Technik heranführen“, erklärt Käter. Sie sollen beraten und für digitale Fragen da sein. Bestenfalls hat jeder sein Spezialgebiet: der eine kann das Smartphone erklären, der nächste kenne sich mit Fotografien aus. „Die Möglichkeit sich zu engagieren, ist vielfältig.“ Die Lotsen werden bei Schulungen dafür vorbereitet.

Zum Schluss motivierte Erwachsenenpädagogin Claudia Müller-Kreiner bei einem Vortrag. „Veränderung ist Leben“, sagte sie. So habe damals das Telefon mit Wahlscheibe das Leben erleichtert, ähnliches gelte heute für Smartphones mit Internetzugang. Deshalb soll jeder „erst probieren, dann kritisieren“, rat sie.

Daniel Wegscheider

Auch interessant

Meistgelesen

Errichtung von drei Mehrfamilienhäusern in Gelting verzögert sich
Errichtung von drei Mehrfamilienhäusern in Gelting verzögert sich
Bauausschuss gibt grünes Licht für Pizza-Service am Karl-Lederer-Platz
Bauausschuss gibt grünes Licht für Pizza-Service am Karl-Lederer-Platz
Zahl der Coronafälle steigt: Nordlandkreis stärker betroffen 
Zahl der Coronafälle steigt: Nordlandkreis stärker betroffen 
Interview: Dr. Helgard van Hüllen vom Weissen Ring zur Corona-Krise
Interview: Dr. Helgard van Hüllen vom Weissen Ring zur Corona-Krise

Kommentare