Sexuelle Belästigung am Parkplatz

44-jähriger Garmischer berührt Schambereich von junger Wolfratshauserin

Justizia
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Symbolbild

Puppling – Die beiden zwischen Ascholding und Puppling gelegenen Parkplätze werden im Internet oft als Treffpunkte für sexuelle Begegnungen genannt.

Am 19. März soll es dort jedoch zu einem ungewollten Übergriff gekommen sein, der nun am Amtsgericht Wolfratshausen verhandelt wurde.

Der aus Russland stammende Angeklagte schilderte den Vorfall zunächst aus seiner Sicht. Demnach habe er sich zunächst in Wolfratshausen einen Dönerteller zum Mitnehmen gekauft, um an einem Parkplatz in der Pupplinger Au zu essen. Kurz darauf bemerkte der 44-Jährige ein anderes Fahrzeug, in dem eine 24-jährige Frau und ihr Vater saß. „Sie war stark geschminkt, hatte ein kurzen Rock an und zwinkerte mir zu“, behauptete der Mann.

Der Vater soll daraufhin zu seinem Auto gegangen sein und ihn gefragt haben: „Willst du meine Frau?“. Danach sei er zunächst schnell an den beiden vorbeigelaufen, um nach einem Mülleimer für die Verpackung des Döners zu suchen. „Es gab keinen Körperkontakt zwischen mir und den beiden Personen“, erklärte der Angeklagte.

Der 68-jährige Vater und seine 24-jährige Tochter erzählten eine andere Geschichte. „Wir wollten nur die Vogelfutterstation am Parkplatz auffüllen und dann spazieren gehen“, sagte der Rentner. Auf einem engen Pfad sei ihnen der Mann entgegenkommen. „Er strich mir im Vorbeigehen mit der Hand über den Intimbereich“, erinnerte sich die Tochter. Als die beiden den Mann zur Rede stellen wollten, sei er zunächst weggelaufen und habe sie dann mit einem herumliegenden Ast bedroht. Danach fuhren sowohl der Angeklagte als auch der Vater und seine Tochter zur Polizeiinspektion nach Wolfratshausen.

„Er wartete auf der gegenüberliegenden Straßenseite bis er unser Auto sah und dann als erster um eine Vernehmung bat“, sagte der 68-Jährige aus. Danach verhörten zwei Polizisten die drei Personen in verschiedenen Räumen. „Es ist schon sehr selten, dass der vermeintliche Täter zuerst bei uns auftaucht“, wunderte sich der Dienstgruppenleiter. Zudem fiel ihm die aufreizende Kleidung der stark geschminkten Frau auf. „Sie war ungewöhnlich aufgebrezelt: Ich kann schlecht einschätzen, was sich wirklich ereignete“, gab er zu.

Während die Staatsanwältin und Richter Helmut Berger die Schilderungen der jungen Frau für glaubwürdig hielten, forderte Rechtsanwältin Melika Tatlici-Dumlupinar einen Freispruch für ihren Mandanten. „Es ist nicht erwiesen, ob es eine Berührung gab. Hier steht Aussage gegen Aussage“, erklärte sie.

Richter Helmut Berger verurteilte den noch nicht vorbestraften Vater von sechs Kindern wegen sexueller Belästigung schließlich zu einer Geldstrafe von 40 Tagessätzen zu je 15 Euro, sodass der Mann 600 Euro zahlen muss. Die Staatsanwältin hatte 50 Tagessätze zu je 40 Euro gefordert. Dass die belästigte Frau geschminkt an die Isar gegangen sein, könne ihr nicht vorgeworfen werden. Peter Herrmann

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