Zunahme: Gewalt- und Rauschgiftdelikte

Sicherheitsgespräch der Geretsrieder Polizei: Bilanz 1.365 Straftaten

Erster Polizeihauptkommissar Franz Schöttl (Geretsried), Josef Hauser (Bürgermeister Dietramszell), Polizeihauptkommissar Emanuel Luferseder (stellvertretender Dienststellenleiter), Michael Müller (Bürgermeister Geretsried), Polizeihauptmeister Jürgen Geigenfeind (Mitarbeiter Verkehr), Rainer Kopnicky (Bürgermeister Königsdorf) sowie Polizeiobermeisterin Nektaria Adamidou (Wach- und Streifenbeamtin) in Geretsried
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Beim Sicherheitsgespräch: (v.l.) Erster Polizeihauptkommissar Franz Schöttl (Geretsried), Josef Hauser (Bürgermeister Dietramszell), Polizeihauptkommissar Emanuel Luferseder (stellvertretender Dienststellenleiter), Michael Müller (Bürgermeister Geretsried), Polizeihauptmeister Jürgen Geigenfeind (Mitarbeiter Verkehr), Rainer Kopnicky (Bürgermeister Königsdorf) sowie Polizeiobermeisterin Nektaria Adamidou (Wach- und Streifenbeamtin).
  • Daniel Wegscheider
    VonDaniel Wegscheider
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Dietramszell/Geretsried – Sicherheitsgespräch der Polizeiinspektion Geretsried: Der regionale Kriminalüberblick zeigt insbesondere einen Anstieg im Bereich Gewaltkriminalität (47,4 Prozent) sowie in der Rauchgiftszene (60 Prozent).

Drei Polizei-Einsätze aus dem vergangenen Jahr blieben dabei besonders in Erinnerung. Einmal musste ein Polizist zur Pistole greifen und schießen, beim anderen Fall galt es eine Fliegerbombe aus dem Zweiten Weltkrieg zusammen mit dem Sprengkommando, quer durch die Stadt zu evakuieren. Und beim dritten Fall gelang der Polizei ein erfolgreicher Schlag gegen die örtliche Rauschgiftszene.

Rückblick: In der Nacht vom 5. auf den 6. Januar 2020 ereignete sich in Geretsried ein größerer Polizei- und Feuerwehreinsatz an der Sudetenstraße: Wie berichtet, wurde dabei der 23-jährige Täter am Bein durch eine Pistolenkugel verletzt und in eine Klinik gebracht.

Nächtlicher Einsatz in Geretsried an der Sudetenstraße.

Der Geretsrieder randalierte in seiner Wohnung und war beim Eintreffen der Beamten mit einem Messer bewaffnet. Im Verlauf des Einsatzes brach zudem ein Feuer in der Wohnung des Mehrfamilienhauses aus, nach anzunehmender Wahrscheinlichkeit vom Tatverdächtigen verursacht.

Da sich der 23-Jährige nicht beruhigen ließ und er eine Gefahr für sich und die anderen Hausbewohner darstellte, kam es dann zum polizeilichen Schusswaffengebrauch. Der junge Mann wurde sofort medizinisch versorgt und mit mittelschweren Verletzungen in eine Klinik verbracht. Die eingesetzten Beamten wurden nicht verletzt, auch nicht die Hausbewohner, die in eine Notunterkunft gebracht wurden. Die Feuerwehr Geretsried konnten den Brand rasch unter Kontrolle bringen.

Das Landgericht München II verurteilte den mittlerweile 24-jährigen Geretsrieder wegen Drogenhandels und des fahrlässigen Vollrauschs zu drei Jahren und neun Monaten Freiheitsstrafe. Weiter wurde die Unterbringung in eine Entziehungsanstalt angeordnet.

Kriminalitäts- und Verkehrslage

Im Jahr 2020 wurden insgesamt 1.365 Straftaten in der Polizeilichen Kriminalstatistik erfasst, die Zahl gleicht der aus dem Vorjahr. Die Aufklärungsquote lag im Jahr 2020 bei 75,8 Prozent (2019: 74,9 Prozent). Im vergangenen Jahr konnten insgesamt 823 Tatverdächtige ermittelt werden – das sind 120 mehr als im Jahr zuvor.

Die einzelnen Delikte aufgelistet; die Zahlen in Klammer beziehen sich auf das Jahr 2019: Gewaltkriminalität 65 (38); Rohheitsdelikte 305 (268); Sexualdelikte 14 (19); Straßenkriminalität 158 (188); Eigentumskriminalität 245 (381) und Rauschgiftdelikte 160 (100).

Der Rückgang der Eigentumskriminalität ist nach Angaben der Polizei auf die Corona-Pandemie zurückzuführen, da Einzelhandelsläden geschlossen waren. Auch die beiden Lockdowns im Frühjahr und Herbst trugen einen wesentlichen Teil zur positiven Entwicklung im Bereich der Straßenkriminalität bei. Gerade durch die Einschränkungen im Nachtleben durch Ausgangssperren, Kontaktbeschränkungen und Alkoholverbote, reduzierten sich die Straftaten im öffentlichen Bereich.

Im vergangenen Jahr kam es in 28 Fällen zu Gewalt gegen Polizeibeamte im Bereich der Polizeiinspektion Geretsried. Hauptsächlich handelte es sich dabei um Beleidigungen und Widerstandshandlungen gegen Vollstreckungsbeamte. Neun Beamten wurden dabei leicht verletzt.

Im Jahr 2020 ereigneten sich im Bereich der Polizeiinspektion Geretsried 770 Verkehrsunfälle (2019: 961). Dies ist ein deutlicher Rückgang um fast 20 Prozent. Drei Menschen sind im Straßenverkehr tödlich verunglückt und 141 Personen hatten sich verletzt. Die Hauptunfallursachen waren wie im Jahr davor hauptsächlich Fehler beim Abbiegen, Wenden, Rückwärtsfahren und Ein- und Ausfahren, sowie ein ungenügender Sicherheitsabstand.

Eine besonders positive Bilanz kann bei den Geschwindigkeitsunfällen verzeichnet werden. Diese verringerten sich mit 27 Verkehrsunfällen um die Hälfte zum Jahr 2020. Die sinkenden Gesamtunfallzahlen sind ebenfalls hauptsächlich auf die herrschende Corona-Pandemie zurückzuführen. Homeoffice, die Ausgangs- und Kontaktbeschränkungen sowie die nächtlichen Ausgangssperren waren auch hier der Grund dafür, dass die eigenen Wohnräume seltener verlassen wurden.

Zwar verzichteten mehr Personen auf ihre Kraftfahrzeuge, dafür stiegen mehr auf alternative Fortbewegungsmittel um. Die Statistik zeigt eine entsprechende Steigerung der Unfälle um 80 Prozent bei den Fortbewegungsmitteln E-Bike, Pedelec und E-Scooter.

Bomben-Fund

Am Dienstagvormittag des 21. April vergangenen Jahres wurde bei Arbeiten auf einer Baustelle in Geretsried am Dompfaffenweg eine Fliegerbombe gefunden. Der Kampfmittelräumdienst wurde unverzüglich verständigt und traf die Bauarbeiten wurden sofort eingestellt. Bei dem Blindgänger handelte es sich um eine 75 Kilogramm schwere Luftbombe amerikanischer Bauart mit Aufschlagszünder, die beim Aufprall nicht detoniert war.

Fliegerbombenfund: Die Polizeiinspektion Geretsried hatte vergangenes Jahr viele unterschiedliche Arbeitseinsätze.

Da eine Evakuierung der rund 1.000 betroffenen Bewohner aus dem Gefahrenbereich rund um den Fundort in eine Sammelunterkunft aufgrund des derzeitig geltenden Corona-Infektionsschutzgesetzes nicht möglich war, wurde die Bombe von den Fachleuten abtransportiert und in einem Waldgebiet im Norden von Geretsried unschädlich gemacht.

Am 23. September 2020 konnte ein 16-jähriger aus Bad Tölz im Stadtgebiet von Geretsried bei einer Personenkontrolle im Besitz von 50 Gramm Marihuana angetroffen und vorläufig festgenommen werden.

Rauschgift-Szene

Die Ermittlungen in diesem Fall führten wiederum zu einem 21-jährigen Geretsrieder, der tags darauf ebenfalls vorläufig festgenommen und dem Ermittlungsrichter zur Klärung der Haftfrage vorgeführt wurde. Dieser erließ einen Untersuchungshaftbefehl, der gegen Auflagen außer Vollzug gesetzt wurde. Der 21-Jährige musste sich wegen Abgabe von Betäubungsmitteln an Minderjährige verantworten.

Illegale Waffen und Drogen.

Einen Monat später, im November vergangenen Jahres, wurden Beamte der Polizeiinspektion Geretsried bei der Durchsuchung einer Wohnung in Geretsried fündig. Der einschlägig bekannte 31-jährige Wohnungsinhaber hatte dort rund ein halbes Kilogramm Cannabisprodukte gelagert, zudem knapp 40 Gramm einer Kokain-Amphetaminmischung. Die Beamten fanden weiter eine Schreckschusspistole und einen mittleren fünfstelligen Bargeldbetrag. Alle Gegenstände wurden sichergestellt.

Der Täter wurde wegen des Verdachts auf illegalen Betäubungsmittelhandel vorläufig festgenommen und dem Haftrichter vorgeführt. Dieser erließ einen Haftbefehl. Der Geretsrieder wurde im Anschluss in eine Haftanstalt eingeliefert.

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