„Hier lässt es sich sicher leben“

Sicherheitslage im Tölzer Landkreis: Polizeipräsidium zieht Bilanz

Polizeipräsident Robert Kopp (r.) und Landrat Josef Niedermaier.
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Die Sicherheitslage des Landkreises im Blick: Polizeipräsident Robert Kopp (r.) und Landrat Josef Niedermaier.
  • Daniel Wegscheider
    vonDaniel Wegscheider
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Landkreis – Trotz einem Anstieg der Kriminalität, ist der Tölzer Landkreis nach Angaben der Polizei sicher.

Beim Bilanzgespräch legte Polizeipräsident Robert Kopp die Zahlen vor und berichtete auch wie die Corona-Pandemie die Einsätze verändert haben.

Rückblick auf einen Großeinsatz in Geretsried vergangenen Jahres: Am 5. Januar heulen spät abends Sirenen der Feuerwehr und Bauchlicht-blickende Streifenwagen kurven zu einem Mehrfamilienhaus an der Sudetenstraße. Die Polizei versucht einen 23-Geretsrieder zu stoppen, der mit einem Messer bewaffnet in seiner Erdgeschosswohnung randaliert. Dann bricht dort noch ein Feuer aus und dicke Rauchschaden quellen durchs Gebäude – Lebensgefahr für die dortigen Bewohner. Jetzt muss die Polizei handeln, damit die Feuerwehr retten kann, was zu retten ist. Es fällt ein Schuss. Ein Beamter greift als letztes Mittel zur Dienstwaffe und schießt dem jungen Mann ins Bein.

Wie berichtet, handelte es sich hierbei um ein besonderes Ereignis, das die hiesige Polizei 2020 im Landkreis beschäftigt hatte. Doch es sollten mehr werden, in der Regel allerdings nicht so dramatisch, wie das Geschilderte. Jüngst bilanzierte Polizeipräsident Robert Kopp zusammen mit Landrat Josef Niedermair über die über die Sicherheitslage in der Region. Bevor Kopp seinen Bilanz ablegte, griff Niedermaier vorweg: „Wie müssen die Auswüchse im Auge behalten und dürfen nicht in Aktionismus verfallen“, betonte er. „Die Probleme waren auch schon vorher da.“ Auch Kopp beruhigte erst einmal und zog sein Fazit vor: Trotz dem Kriminalitätsanstieg „ist der Landkreis eine sichere Region, in der es sich sicher leben lässt“.

Freilich habe die Corona-Pandemie auch die polizeiliche Arbeit grundlegend verändert. So haben manche Straftaten wie Ladendiebstahl oder die Wirtshausschlägerei einfach nicht stattgefunden, da Geschäfte und Gastronomie geschlossen hatten, erklärte der Polizeipräsident weiter.

Viele Kontrollen, wenige Anzeigen: „Manchmal reicht Ermahnen aus“

Als Corona und damit der erste Lockdown im März vergangenen Jahres übers Land fegte, sei es auch für die Polizei von Tag zu Tag schwerer geworden bei ihren Einsätzen, erklärte Robert Kopp. „Unsere Prämisse beim Einschreiten ist es, Infektionsketten abzuschneiden“, erklärte der Polizeipräsident jüngst beim Gespräch zur Sicherheitslage im Landkreis.

Die Schwierigkeit war und ist, dabei stets auch die Grundrechte abzuwägen. „Wir werden oft als Spaßbremsen wahrgenommen“, schilderte Kopp das Dilemma, wenn sie etwa aufgrund des geltenden Infektionsschutzgesetztes bei illegal ausgerichteten privaten Feiern in abgelegenen Waldhütten und versteckt in Tiefgaragen und Kellern eingreifen mussten. „Wenn die Polizei kommt, bekommst du aus Sicht der Betroffenen keinen Preis dafür.“ Kopp sagt: „Aber, das musste gemacht werden.“

Zudem war die Polizei auch gefordert Grenzkontrollen und den Ausflugsverkehr zu überwachen und Beamte zum Schutz von Test- und Impfzentren abzustellen. Deutlich angestiegen ist zudem der Bereich Versammlung. „Wir hatten im vergangenen Jahr 44 Versammlungen im Landkreis“, so Kopp. Davon waren 24 mit Bezug zu Corona. „Und dieser Trend hält an und macht Arbeit“, so Kopp. Allein bis Anfang Mai diesen Jahres gab es 55 Versammlungen“

Generell hatte die Polizei im Rahmen der geltenden Corona-Allgemeinverfügungen seit März vergangenen Jahres bis zum heutigen Tage im Landkreis 51.929 Kontrollen durchgeführt. Die Verstöße ahndete die Polizei laut dem Polizeichef mit Augenmaß, „aber wenn es erforderlich war, wurden diese auch mit der nötigen Konsequenz verfolgt“. Zur Anzeige gebracht wurden lediglich 1.204 Fälle. „Manchmal reicht auch der erhobene Zeigefinger.“

Anstieg im Bereich Gewalt, Rauschgift und Cybercrime

Schwerwiegender dagegen die Gewaltkriminalität, die im Landkreis trotz weniger Tatgelegenheiten aufgrund von Ausgangssperren und Alkoholverbotszonen angestiegen ist (170 zu 125 im Vorjahr). Kopp vermutet einen Zusammenhang im Anstieg der häuslichen Gewalt, „aber so einfach ist das nicht erklärbar“. Belegbar dagegen, „dass neun von zehn der Gewaltdelikte aufgeklärt werden. Täter haben nicht viel Spielraum.“

Gestiegen ist auch die Zahl der Sexualdelikte von 63 auf 79. „In diesem Bereich haben wir seit Jahren steigende Zahlen“, sagte Kopp. Das liege an einer Veränderung der Rechtslage. Einiges, was früher als Beleidigung galt, sei nun eine Sexualstraftat. Bei 30 Fällen ging es sogar um Kinderpornografie. „Hinter jedem Fall steht ein missbrauchtes Kind. Das müssen wir unbedingt vermeiden“, betonte Kopp.

Angestiegen seien auch Delikte im Bereich Rauschgift (30 Prozent) und Cybercrime (136 zu 70), dieser reiche vom Drogenkauf im Darknet über Ebay-Betrug bis hin zur Hetze im Netz.

Lob für Sicherheitswachten

Am Ende schilderte Kopp von der Arbeit der Sicherheitswacht in Geretsried und Wolfratshausen, die er sehr lobte. Wie berichtet, wurden jüngst vier davon vom Polizeipräsident für ihr Engagement ausgezeichnet, als sie beim Brand eines Wohn- und Geschäftshauses in der Wolfratshausen Altstadt Anfang Dezember schnell und beherzt eingriffen hatten. „Sie haben vorbildhaft die Leute daraus evakuiert und die Zufahrt für Feuerwehr und Polizei freigehalten.“

„Wenn alle hinschauen würden und die 110 wählen würden, wenn es nötig ist, dann bräuchten wir keine Sicherheitswachten“, sagte Kopp weiter. Der Polizeipräsident würde sich auch die Gründung einer Sicherheitswacht in Bad Tölz wünschen. „Sie sind eine sinnvolle Ergänzung zur Polizei, und nur zu empfehlen“, betonte auch Polizeidienststellenleiter Andreas Czerweny aus Wolfratshausen.

Kriminalstatistik - Anstieg von Straftaten

Im Jahr 2020 wurden im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen insgesamt 4.580 Straftaten (2019: 4.181) in der Polizeilichen Kriminalstatistik (PKS) erfasst. Im Vergleich zum Vorjahr bedeutet dies einen Anstieg von 399 Straftaten. Allerdings stieg auch die Aufklärungsquote und liegt insgesamt bei 71,1 Prozent. Das ist ein Anstieg um 3,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Der bundesweite Schnitt liegt bei rund 57 Prozent. Zudem wurden 2020 im Landkreis 2.396 Tatverdächtige ermittelt. Der Anteil bei Kinder, Jugendlichen und Heranwachsenden Tatverdächtigen liegt bei 495. (2019: 428). Einen Rückgang verzeichnet das PKS dagegen bei seiner Verkehrsbilanz: Im Jahr 2020 ereigneten sich nämlich im Landkreis 3.140 Unfälle im Straßenverkehr, 612 weniger als im Vorjahr. Als Hauptursache gibt die Polizei „Fehler beim Abbiegen, Wenden, Rückwärtsfahrten sowie beim Ein- und Anfahren an. Leider haben zwölf Landkreisbewohner im Straßenverkehr auch ihr Leben verloren.

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