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Sorge um Corona-Virus steigt: Tölzer Gesundheitsamt verzeichnet bis zu 30 Anrufe pro Tag

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Bei akuten Symptomen die auf das Corona-Virus schließen könnten, sollte ein Test vorgenommen werden. Der erfolgt über eine Speichelprobe.

Landkreis/Bad Tölz – Das Coronavirus (SARS-CoV-2) beschäftigt auch das Tölzer Gesundheitsamt. Dort gehen täglich rund 30 Anrufe besorgter Bürger ein. Und alle Anliegen werden dort auch beantwortet. Selbst Fragen wie „Darf ich noch chinesisch essen gehen?“, wie Landratsamtssprecherin Marlis Peischer erklärte. Sie kann zumindest eine Entwarnung geben: „Im Landkreis gibt es noch keinen gemeldeten Verdachtsfall.“

Dass es dieser Tage tatsächlich zu einer Häufung von Bürgeranfragen kommt, liegt auf der Hand: „Wir haben Reisezeit, die Rückkehrer sind auch aufgrund der vermehrten Berichterstattung verunsichert“, so Behördensprecherin Peischer. Und generell sei erhöhte Wachsamkeit durchaus ratsam, sagt sie. Gerade Rückkehrern aus Risikogebieten wie etwa der Lombardei oder Venetien in Italien empfiehlt sie, auch ohne auffällige Symptome unnötigen Kontakt zu Mitmenschen zu vermeiden und „wenn möglich für 14 Tage zu Hause zu bleiben“. Wenn doch akute Symptome auftreten – etwa Husten, Schnupfen, Halskratzen und Fieber, in manchen Fällen auch Durchfall – sollte das Tölzer Gesundheitsamt (Tel: 08041/505483) kontaktiert werden, oder die Integrierte Leitstelle über die Notrufnummer 112. 

Auch der Hausarzt kann in solchen Fällen weiterhelfen, so Peischer. Allerdings: „Es sollte nicht einfach die Praxis aufgesucht, sondern erst einmal telefonisch Kontakt aufgenommen werden.“ Die Mediziner würden in diesen Fällen dann Tests in die Wege leiten, „das läuft über Abstriche“, so Peischer. Derzeit würde das Gesundheitsamt in engem Austausch mit den niedergelassenen Ärzten im Landkreis stehen, „auch das Schulamt wurde informiert“. Denn hier sollte der Fokus auch auf die Kinder liegen, die in den Krisenregionen geurlaubt haben. Generell rät das Landratsamt zu Gelassenheit. „Es gilt die gleiche Gefährdungslage wie etwa in München.“ Und die beschreibt das Robert Koch Institut so: „Die Gefahr für die Gesundheit der Bevölkerung wird in Deutschland aktuell als gering bis mäßig eingeschätzt.“ Dennoch sei eine weltweite Ausbreitung des Erregers wahrscheinlich. 

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Ansteckungsrisiko und Hygiene

Informationen zum Coronavirus vom Robert Koch Institut und Gesundheitsamt: Das Robert Koch Institut vermeldet in Deutschland bislang nur wenige bestätigte Infektionsfälle mit dem neuen Coronavirus (Stand 26. Februar). Nach dem Infektionscluster bei einer Firma in Bayern und einzelnen Fällen bei den deutschen Staatsbürgern, die Anfang Februar 2020 aus Wuhan ausgeflogen worden waren, sind seit Wochenbeginn Erkrankungsfälle in Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg bekannt geworden. Fast alle Patienten aus dem Infektionscluster in Bayern wurden inzwischen genesen aus dem Krankenhaus entlassen.

Das Robert Koch-Institut (RKI) erfasst kontinuierlich die aktuelle Lage, bewertet alle Informationen und schätzt das Risiko für die Bevölkerung in Deutschland ein. Auf globaler Ebene handelt es sich um eine sich sehr dynamisch entwickelnde und ernst zu nehmende Situation. Für eine abschließende Beurteilung der Schwere der neuen Atemwegserkrankung liegen gegenwärtig nicht genügend Daten vor. Bei einem Teil der Fälle sind die Krankheitsverläufe schwer, auch tödliche Krankheitsverläufe kommen vor. Mit einem Import von weiteren Fällen nach Deutschland muss gerechnet werden.

Auch seien weitere Übertragungen, Infektionsketten, lokale Infektionsgeschehen und Ausbrüche in Deutschland möglich. Die Gefahr für die Gesundheit der Bevölkerung wird laut RKI in Deutschland nach jetzigen Stand als „gering bis mäßig eingeschätzt“. Eine weltweite Ausbreitung des Erregers sei wahrscheinlich. Diese Einschätzung kann sich kurzfristig durch neue Erkenntnisse ändern.

Das RKI hat bereits Mitte Februar darauf hingewiesen, dass die globale Entwicklung es nahelegt, dass es zu einer weltweiten Ausbreitung des Virus im Sinne einer Pandemie kommen kann. Die massiven Anstrengungen auf allen Ebenen des Öffentlichen Gesundheitsdienstes verfolgen bislang das Ziel, einzelne Infektionen in Deutschland so früh wie möglich zu erkennen und die weitere Ausbreitung des Virus dadurch so weit wie möglich zu verzögern.

Ziel dieser Strategie sei es, in Deutschland Zeit zu gewinnen, um sich bestmöglich vorzubereiten und mehr über die Eigenschaften des Virus zu erfahren, vermeldet das RKI. Auch Risikogruppen zu identifizieren, Schutzmaßnahmen für besonders gefährdete Gruppen vorzubereiten, Behandlungskapazitäten in Kliniken zu erhöhen, antivirale Medikamente und die Impfstoffentwicklung auszuloten. Sobald in Deutschland mehr Fälle auftreten, die nicht mehr auf einen bereits bekannten Fall zurückgeführt werden können und deutlich würde, dass die Verbreitung auch in Deutschland auf Dauer nicht zu vermeiden ist, wird die Bekämpfungsstrategie schrittweise angepasst. Dann konzentriere sich der Schutz stärker auf Personen und Gruppen, die ein erhöhtes Risiko für schwere Krankheitsverläufe aufweisen.

Die bisher vorliegenden Informationen zur Epidemiologie des Coronavirus (auch SARS-CoV-2 genannt) zeigen, dass eine Übertragung bei engem Kontakt zwischen Menschen möglich ist. Nach derzeitigem Kenntnisstand kann die Übertragung über Tröpfchen und Kontakt mit Körpersekreten und Ausscheidungen erfolgen.

Als Hygienemaßnahmen für das Coronavirus empfiehlt die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung wie bei Influenza und anderen Atemwegserkrankungen auch – das Einhalten der Husten- und Nies-Etikette sowie Abstand zu Erkrankten (etwa ein bis zwei Meter). Dr. Stephan Gebrande vom Gesundheitsamt im Landratsamt empfiehlt wie die Gesundheitsbehörde auch, tägliches und mehrfaches Händewaschen. Derzeit erreichen Gebrande rund 30 Anrufe aus dem Landkreis, die sich mit Fragen rund um das Virus befassen. tka/dwe

Weitere Infos gibt es auch über eine Hotline, die das Bayerische Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) eingerichtet hat (Tel: 09131/6808-5101).

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