Gebaut wird voraussichtlich bis 2025

Spatenstich für Tölzer Nordspange - Bau soll etwa 48 Millionen Euro kosten

Landrat Josef Niedermaier, Landtagsabgeordneter Martin Bachhuber und Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer.
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Waren beim symbolischen Spatenstich voll im Einsatz und schaufelten schon mal etwas Erde: (v.l.) Landrat Josef Niedermaier, Landtagsabgeordneter Martin Bachhuber und Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer.
  • Viktoria Gray
    VonViktoria Gray
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Landkreis/Bad Tölz – Der 19. August 2021 wird vermutlich in die Tölzer Geschichtsbücher eingehen. Für die Tölzer Nordspange gab es endlich den Spatenstich.

Nun ist es endlich soweit: zum Spatenstich für das 48-Millionen-Euro-Projekt reiste auch Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer an.

„Eigentlich müsste man nur mal auf Google Maps gehen und in den Routenplaner die Flinthöhe in Bad Tölz eingeben“, begann der Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer vergangene Woche seine Rede. Dann habe man die Erklärung, warum die Nordspange „dringend notwendig und gut angelegtes Geld“ sei.

Regelmäßig sehe man für die Route die Farben Orange und Rot als Zeichen für erhöhtes Verkehrsaufkommen. Laut Scheuer fahren im deutschlandweiten Durchschnitt auf einer Bundesstraße täglich 11.000 Autos, auf der

B 472 seien es pro Tag dagegen 27.000. „Die Prognosen gehen davon aus, dass es durch die Umgehung 65 bis 85 Prozent weniger Durchgangsverkehr geben wird“, so der Bundesverkehrsminister. 2,7 Kilometer lang wird die Nordspange werden und eine deutliche Entlastung bringen.

Gleichzeitig zum Spatenstich, hielt der Bund Naturschutz eine Pressekonferenz, in der ein Stopp des Straßenausbaus gefordert wurde. Zudem forderten die Naturschützer mehr Radwege und die Förderung des ÖPNV. Wie Scheuer sagte, gebe es hierfür jedoch Sonderprogramme. Und nie zuvor, „hätte man soviel in den Schienenverkehr investiert“.

Etwa 48 Millionen Euro stellt der Bund für den Bau der Ortsumgehung zur Verfügung. „Ein ordentlicher Betrag“, wie Ministerialdirigent Gerhard Reichel vom bayerischen Verkehrsministerium erklärte.

Reichel kenne die schwierige Situation an der Flinthöhe. „Die Stunden, die man hier im Stau verbracht hat, sind kaum zählbar“, so der Ministerialdirigent. Die Belastung durch den Verkehr sei massiv und selbst an einem verkehrsarmen Tag würde man das merken.

Zwar war der stattliche Auftakt mit Spatenstich, Tölzer Stadtkapelle und vielen politischen Gästen aufwendig, so richtig losgehen wird der Bau der Umfahrung aber erst Ende 2022.

So soll die fertige Nordspange aussehen. Heuer stehen die vorbereitenden Maßnahmen an und richtig losgehen sollen die Bauarbeiten dann Ende 2022.

Heuer noch werden jedoch die bauvorbereitenden Maßnahmen anfangen. Auf dem Plan steht laut Reichel die Kampfmitteluntersuchung des Bodens, die Spartenverlegung und Rodungen. „Wenn alles nach Plan läuft, wird der Verkehr 2025 freigegeben“, sagte Reichel.

Der Ministerialdirigent ist sich sicher: „Das Oberland wird wachsen, dass bedeutet auch mehr Verkehr in den nächsten Jahren.“ Ein gut ausgebautes Straßennetz sei nicht nur absolut notwendig sondern auch das verkehrspolitische Ziel.

Mobilität neu denken

Der Bau der Umfahrung erntete allerdings nicht nur Lobeshymnen. Auch Kritiker - Bürgerinitiativen und Naturschützer - hatten ihre Stimmen erhoben. So befand die Gemeinde Greiling das Projekt erst für akzeptabel, als ein Radweg von Greiling nach Tölz miteingeplant wurde.

Nicht nur als Politiker, sondern auch als Musiker war Landrat Josef Niedermaier vor Ort. An der Spitze der Tölzer Stadtkapelle, durfte er dem Bundesminister den Marsch blasen, wie er anfangs schmunzelnd in seiner Rede erklärte.

Seit 1996 ist Niedermaier politisch aktiv. Und schon damals sei die Nordspange ein großes Thema gewesen. „Da spielen heute schon gewisse Emotionen mit“, sagte er.

Landrat Josef Niedermaier (vorne links) war gleich in doppelter Funktion beim Spatenstich: An der Spitze der Tölzer Stadtkapelle sowie in politischer Funktion.

Jahrzehntelang hatte er das Projekt begleitet. „Wir haben viel diskutiert und viel gestritten. Man musste abwägen zwischen Belastungen und Entlastungen.“ Mobilität ist laut Niedermaier nicht nur ein Grundbedürfnis sondern bedeute auch Wohlstand.

Heute müsse man Mobilität im Landkreis aber neu und in einem angemessen Zeitrahmen denken: „Wir müssen auch die Belastung der Tausend Menschen an der Achse ernst nehmen.“

Der Landrat erwähnte bei der Gelegenheit gleich weitere Projekte. So erinnerte er Scheuer etwa an das „Mammutprojekt S7-Verlängerung“, betonte wie wichtig die Elektrifizierung der Regiobahn sei und wünschte sich die Verlegung der B11 bei Geretsried.

Finanzierungszusage lag erst 2021 Jahr vor

Zu guter Letzt fand sich auch Tölz´ Bürgermeister Ingo Mehner auf dem Rednerpodest ein. Er nannte den Spatenstich in erster Linie einen symbolischen Akt, jedoch sei es „der Baubeginn eines der wichtigsten Bauprojekte in der Geschichte von Bad Tölz“. Lange sei er nervös gewesen und habe an der tatsächlichen Umsetzung des Projekts gezweifelt, bis am 10. Juni die Finanzierungszusage des Bundes vorlag.

Verewigten sich auf einem Spaten: (v.l.) Martin Herda, Abteilungsleiter am Staatlichen Bauamt in Weilheim, Andreas Scheuer und Tölz´ Bürgermeister Ingo Mehner. Im Hintergrund auf dem blauen Plakat ist das Logo der Nordspange vom Staatlichen Bauamt zu sehen.

Er erwähnte zudem ein Steuerungssytem, um den Verkehr zu lenken. Ein solches würde man derzeit bei einem Forschungsprojekt für das Oberland entwickeln.

In seinen Augen sei das verträgliche Maß mit fast 30.000 Fahrzeugen pro Tag längst überschritten gewesen. Deswegen sei der Spatenstich auch ein „symbolisches Zeichen nach außen.“

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