Neustrukturierung der Förderschulen

Mieten statt Kaufen

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Neu aufstellen will SPD-Kreisrat Benno Lichtenegger die Förderschulstandorte Geretsrieder Franz-Marc-Schule sowie das Sonderpädagogische Förderzentrum in Bad Tölz.

Landkreis – Räume anmieten anstatt Schulen aufwändig zu sanieren oder neu zu bauen. Das fordert SPD-Kreisrat Benno Lichtenegger in einem Thesenpapier mit dem Titel „Neuausrichtung der Förderschulen im Landkreis“.

Das Papier hat der Dietramszeller mittlerweile an Landrat Josef Niedermaier (FW) geschickt, „als Diskussionsgrundlage“.

Es ist unklar, wo die Reise hingeht: Seit der Gesetzesänderung zur Inklusion dürfen Eltern von Kindern mit erhöhtem Förderbedarf frei entscheiden, ob ihre Sprösslinge Förder- oder Regelschulen besuchen sollen. Und spätestens seit dieser Novelle ist es für die Landkreise als Sachaufwandsträger der Förderschulen schwierig. Planungssicherheit gibt es nicht mehr. Deshalb nutzte Lichtenegger in den verschiedenen Kreisgremien auch wiederholt die Möglichkeit, auf eine bedachte Planung zu Sanierungen oder Erweiterungen zu verweisen. 

In Bad Tölz soll am Schulzentrum neu gebaut werden: Die Realschule bekäme einen neuen Anbau, im Gegenzug wird für das Sonderpädagogische Förderzentrum ein Stockwerk frei geräumt. Und in Geretsried steht die Generalsanierung oder ein Ankauf der Karl-Lederer-Schule der Stadt in der Diskussion. Grund genug für Lichtenegger, eine Neuausrichtung der Förderschulen anzustoßen. 

Um die Schulvorbereitenden Einrichtungen (SVE) oder die Diagnose-Förderklassen (DFK) unterzubringen, könnten laut Meinung des SPD-Kreisrats Räume angemietet werden – wahlweise in Bad Tölz, Geretsried oder Wolfratshausen. Dadurch brauche man nicht gleich ganze Schulhäuser kaufen, so Lichtenegger. Die Schulleitung werde an einem der beiden Standorte (Bad Tölz oder Geretsried) angesiedelt, ferner die Berufs- und Lebensorientierung. Parallel dazu könnten leer stehende Räume im Grundschulbereich genutzt werden. Dadurch wären viele Förderschüler nicht mehr länger ausgegrenzt. Und es entstünden nicht mehr Schülerbeförderungskosten, „eher im Gegenteil“. Lichteneggers konkrete Vorstellung: In Bad Tölz räumt das Sonderpädagogische Förderzentrum seine Räume für die Realschule, dadurch erübrigt sich ein Neubau für diese. Und von der Stadt Bad Tölz würden freie Kapazitäten für die Schulvorbereitenden Einrichtungen (SVE) oder die Diagnose-Förderklassen (DFK) und optional für die Klassen drei bis vier angemietet. Saniert werden sollte indes die Franz-Marc-Schule. Nicht zuletzt deshalb, weil man hier bereits über eine Turnhalle verfügt. Lichtenegger bezieht sich mit seinen Überlegungen auf eine ähnliche Vorgehensweise in München. „Was dort möglich ist, sollte in unserem Landkreis bei verantwortungsvollem Umgang mit Steuergeld auch möglich sein.“

Klare Abfuhr von Tölzer Förderschulleiter und Grünen-Kreisrat Koch

Eine Absage erteilt Klaus Koch, Grünen-Fraktionssprecher im Kreistag und zugleich Schulleiter des Sonderpädagogischen Förderzentrums Bad Tölz, den Plänen von SPD-Kreisrat Benno Lichtenegger zur Neuausrichtung von Förderschulen (siehe oben).

Koch hat sich mit Lichteneggers Gedankenspielen beschäftigt – und dem Sozialdemokraten sogleich einen Strich durch die Rechnung gemacht. Zum einen geht Koch von einer nahezu konstanten Schülerzahl in den nächsten Jahren aus. Er erkennt ferner einen expliziten Wunsch vieler Eltern, ihre Kinder in Förderschulen zu schicken. Zudem sei eine Auslagerung einzelner Klassen in frei gewordene Schulräume kaum möglich. „Es wird nicht gelingen, einigermaßen altershomogene ausgelagerte Klassen zu bilden“, betont Koch. Während im Grundschulbereich jahrgangskombinierte Klassen möglich seien, müssten dafür bei den Förderschulklassen die Lehrerstunden erhöht werden. Und darüber hinaus würden ausgelagerte Klassen verkehrsmäßig nicht so zentral angeschlossen wie an einem Schulzentrum. Die Folge: „Schüler müssten gegebenenfalls mit dem Taxi in die Schule gebracht werden.“ Und das auf Kosten des Landkreises. 

Eine Zusammenlegung der Berufs- und Lebensorientierung – sie betrifft die Jahrgangsstufen 7 bis 9 – am Standort Geretsried würde erheblich den Beförderungsaufwand für die im Schnitt 30 Jugendlichen aus dem Raum Bad Tölz mit sich ziehen. Und Koch erinnert daran, dass es inzwischen eine enge Kooperation mit der benachbarten Berufsschule Bad Tölz gibt: „Über das Berufsintegrationsjahr ermöglichen wir den Schülern nach Verlassen der Förderschule das Nachholen des Hauptschulabschlusses an der Berufsschule“, erklärt Koch. Der ebenfalls praktizierte Tausch von Lehrerstunden im Einvernehmen mit der Berufsschule sei nur durch die räumliche Nähe möglich. 

Für Koch ist der gewichtigste Grund, an den jetzigen Förderschul-Stützpunkten festzuhalten, der Ganztagesunterricht. In sechs Ganztagsklassen würde knapp 70 Schülern aus zumeist bildungsfernen Schichten eine für den Landkreis kostengünstige Ganztagsmaßnahme angeboten. Falle diese weg, sieht Koch schon eine Steigerung der Jugendhilfekosten auf den Kreis zukommen. Die Organisation des Ganztagsbetriebs sei klassenübergreifend im Fall einer Auslagerung einzelner Klassen nicht mehr darstellbar. 

Koch warnt vor voreiligen Maßnahmen, zumal es nach der Landtagswahl zu Veränderungen im Schulsystem kommen könne. Auch sei der Zeitpunkt der Sanierung der Adalbert-Stifter-Schule in Geretsried ungewiss – und erst dann könnte die Karl-Lederer-Schule womöglich vom Landkreis übernommen werden. Auch gelte es, die Entwicklung der Förderschüler im Landkreis zu beobachten. Koch spricht sich für eine Beibehaltung des Tölzer Standortes ebenso aus wie für das Festhalten an der Franz-Marc-Schule Geretsried. Die würde er indes nicht von Grund auf energetisch sanieren, sondern nur eine Basis zur Verfügung stellen, um einen vernünftigen Schulbetrieb zu ermöglichen. „Der Landkreis behält damit seine beiden Standorte für Förderschulen – und hat damit seine Ruhe.“ Darüber hinaus verweist Koch darauf, dass die angestrebte Erweiterung in Bad Tölz auf Dauer die Schulcontainer ersetzen soll und schon daher unumgänglich sei. tka

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