Obacht: Gefahr in Kitas

Spiegel, Vitrinen, spitze Ecken: Kreisverkehrswacht warnt beim Sicherheitsseminar

+
Ilka Fottner (Kreisverkehrswacht) und Klaus Ruhsam von der Unfallversicherung Bayern beim Sicherheitsseminar im Tölzer Sparkassen-Center.

Bad Tölz/Landkreis – Die Kreisverkehrswacht hat wieder zum jährlichen Sicherheitsseminar geladen: Heuer stand nicht Vorsitzende Ilka Fottner selbst als Referentin vor den Kursteilnehmern, sondern Ingenieur Klaus Ruhsam von der Kommunalen Unfallversicherung Bayern (KUVB). Thema war die Sicherheit in Kindertageseinrichtungen (Kitas).

Laufen, Stolpern, Schubsen: In Kindergärten und Kindertageseinrichtungen sind Unfälle freilich nicht ausgeschlossen. Aber damit diese möglichst vermieden werden, gibt es verschiedene bauliche Möglichkeiten dafür. „Ein Grundprinzip der Prävention lautet, dass Risiken nicht versteckt, sondern überschaubar, vorhersehbar, einschätzbar und zu bewältigen sein sollen“, berichtet Ilka Fottner. Prävention in Kitas erfordere daher Erziehung zu sicherheitsbewussten Verhalten.

Gekommen sind acht Erzieherinnen und Pädagoginnen aus Landkreis-Kindergärten, die Fottner als „kleine Runde“ begrüßte. Auf jedem Stuhl ein grüner Stoffbeutel liegend, der gefüllt ist mit Material: Etwa das neuste „Branchenregelbuch Kindertageseinrichtungen“ mit pädagogischen sowie baulichen Inhalten. Fachmann dafür ist Klaus Ruhsam von der KUVB, der sich seit 30 Jahren beruflich damit beschäftigt. Sein Vortrag solle sensibilisieren, sagt er in Richtung der Kindergärtnerinnen. Aber er will „auch nicht übertreiben“. Kinder sollen seiner Meinung nach auch lernen, „mit Gefahren und Risiken umzugehen“. Aber: „Wenn Mensch und eine Gefahr zusammenkommen, kann ein Unfall entstehen“, betont Ruhsam. Denn eine „lückenlose Aufsicht“ gebe es nicht.“

Gefahren lauern schon im Außenbereich vor dem Gebäude: Ein Bildbeispiel aus dem Nachbarlandkreis in Peißenberg zeigt einen Kindergarteneingang mit Holzdielen: „Kein Holz draußen auf Hauptverkehrswegen“, mahnt Ruhsam. „Eis – bedeutet Rutschgefahr!“ Auch komplett verglaste Türen am und im Gebäude, wenn sie nicht aus Sicherheitsglas bestehen, sind nicht ungefährlich. So könnten diese zerspringen, wenn ein Kind dagegen läuft oder hin­ein geschubst werde. Bei neuen Bauten werde ohnehin darauf geachtet Sicherheits- anstatt Normalglas zu verbauen. Abhilfe bei Altgebäuden können dabei Splitterschutzfolien (über Glas und Spiegel verklebt) schaffen. Auch Fußmatten-Abstreifer seien potenzielle Stolperfallen. Am Besten sollten diese ebenerdig im Boden integriert sein.

Stichwort: Verkehrswege – „ein Drittel von Unfällen auf der Ebene, entstehen durch Sturz“, berichtet Ruhsam. Und das betreffe nicht nur die Kitas und Schulen, sondern gehe quer durch alle Berufe. „Vom Architekten bis zum Sparkassen-Mitarbeiter.“ Auch Einzelstufen bergen eine Gefahrenquelle: „Diese müssen mittels eines Streifens erkennbar sein“, sagt Ruhsam. In Neubauten seien derweil keine Einzelstufen mehr erlaubt. Dies liege mitunter daran, dass im Rahmen der Inklusion, barrierefreie Wege per Rampen geschaffen werden müssen.

Sensibel reagiert Ruhsam beim menschlichen Sehorgan. „Dieses wächst nämlich nach einem Unfall nicht mehr nach“, betont er. Insbesondere Garderobenhaken sind ihm ein Dorn im Auge. Generell gehören keine „vorspringenden Bauteile, in einen Kindergarten oder Schule. Sollte es dennoch welche geben, müssen diese „abgeschirmt“ werden, etwa durch ein Brett über den Hacken der Garderobe.

Kein „Überbehütung“ soll das Ziel des Seminars sein, erklärt Ruhsam. Anders als Waldarbeiter, die mit einer Schnittschutzhose im Wald arbeiten, „können Kinder nicht in Ritterrüstungen herumlaufen“, sagt Ruhsam schmunzelnd. Daniel Wegscheider

Auch interessant

Kommentare