Spießrutenlauf lähmt Energiewende

Mit Begeisterung schildert Umweltminister Markus Söder die Chancen der Energiewende, Landrat Josef Niedermaier (l.) und der CSU-Abgeordnete Martin Bachhuber (r.) sind noch skeptisch.

Bayern ist mit Vorreiter beim Ausstieg aus der Atomenergie. Der derzeitige Weg führt hin zu regenerativen Energiequellen. Über diese Marschrichtung bei der Bayerischen Staatsregierung herrscht nicht zuletzt seit der Katastrophe von Fukushima Einigkeit. Doch bei der praktischen Umsetzung „steckt der Teufel im Detail“, befürchtet der CSU-Stimmkreisabgeordnete im Bayerischen Landtag Martin Bachhuber aus Bad Heilbrunn und lud deshalb für Mittwoch seinen Parteikollegen und Umweltminister Markus Söder ins Tölzer Landratsamt, um über die „Energiewende vor Ort“ zu berichten.

Dazu waren mehrere Bürgermeister aus dem Landkreis gekommen, aber auch Vertreter von E.ON, Erdgas Südbayern, der Energiewende Oberland und der Ickinger Bürgerinitiative, die die Nachbargemeinde Berg vor Windrädern bewahren will. Gerade das Thema Windräder wird derzeit heiß diskutiert. Bachhuber: „Welcher Bürgermeister ist schon begeistert, wenn ihm ein Windrad die Tourismusbilanz zu verhageln droht?“ Dazu stellte Landrat Josef Niedermaier aber klar: „Bei uns im Landkreis wird Windkraft keine große Rolle spielen.“ Wie berichtet, sind für die Region 17 – bestehend aus den Landkreisen Miesbach, Bad Tölz-Wolfratshausen, Weilheim-Schongau und Garmisch-Partenkirchen – südlich der Bundesstraße 472 Windräder nicht vorgesehen. Zudem gibt es in den anderen Gebieten zahlreiche Einschränkungen, etwa durch Tiefflugzonen der Bundeswehr. Welche Standorte für Windkraftanlagen noch übrig bleiben, soll am 25. Oktober den Bürgermeistern präsentiert werden. Söder stellte hierzu aber auch klar: „Die Genehmigung erfolgt ausschließlich durch das jeweilige Landratsamt.“ Deutlich mehr Potenzial hat im Landkreis die Wasserkraft, so Niedermaier. Da wiederum melden Naturschützer Bedenken an: Die Energiegewinnung dürfe nicht über den Erhalt von Lebensräumen von Fischen und Vögeln gehen. „Wir haben die Isar in den letzten 30 Jahren mit großen Aufwand und Erfolg renaturiert“, sagte Söder. „Kein Mensch will jetzt wieder gerade Kanäle als Schnellbahnen zur Stromgewinnung herstellen.“ Dennoch gebe es naturverträgliche Modelle für Wasserkraftanlagen. Der Vorstandsvorsitzende der Bürgerstiftung Energiewende Oberland, Prof. Dr. Wolfgang Seiler, brachte in diesem Zusammenhang den Umbau des Walchenseekraftwerkes zu einem Pumpspeicherwerk ins Gespräch. Dies würde bedeuten, dass mit Hilfe nicht benötigten Stroms Wasser aus dem Kochelsee zurück in den Walchensee gepumpt würde, um dann erneut die Turbinen anzutreiben, wenn mehr Energie gebraucht wird. Dieser Vorschlag verhallte jedoch ziemlich ungehört, nachdem sich die Lautsprecheranlage im Sitzungssaal aus Einsparungsgründen gegen 21.30 Uhr automatisch ausschaltete und es geraume Zeit dauerte, bis Landrat Niedermaier wieder für bessere akustische Verhältnisse sorgen konnte. Leider verhallten auch sonst einige Anliegen und Forderungen der Bürgermeister nach Erleichterungen beim Bau von Photovoltaikanlagen ziemlich ungehört, da Söder feststellte: „Wir sind an die bestehenden Gesetze gebunden.“ Und die sind nicht immer pro Energiewende „gestrickt“, das gab auch Söder unumwunden zu. Zur Realisierung regenerativer Energien sei oft ein Spießrutenlauf durch die unterschiedlichsten Ministerien notwendig. Prof. Seiler befürchtete, dass manche Finanzprogramme bereits ausgelaufen seien, ehe man entsprechende Anträge haben stellen können. Er forderte deshalb „neue Konzepte“, um nicht „die Probleme von morgen mit den Instrumenten von gestern und vorgestern“ lösen zu müssen.

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