Spitzenreiter bei Wasserpreisen

Die Trinkwassergebühr wird um 22 Prozent angehoben. Ein Vier-Personen-Haushalt zahlt ab 2012 etwa 60 Euro mehr im Jahr.

Wasser wird in der Isarstadt teurer, um satte 22 Prozent wird der Preis erhöht. Im Klartext: Etwa 60 Euro mehr zahlt ein Vier-Personen-Haushalt ab 2012. Der Kubikmeter kostet ab kommenden Jahr 1,74 Euro, statt 1,43 Euro. Diese Erhöhung beschloss der Stadtrat am vergangenen Dienstag.

Geretsried ist ab 2012 Spitzenreiter was den Wasserpreis anbelangt. Und zwar nicht nur im Landkreis, sondern in der gesamten Region. Dietramszeller Bürger etwa zahlen 57 Cent pro Kubikmeter, Münchner zahlen 1,48 Euro. In einem vierjährigen Turnus werden in Geretsried die Gebühren für das Trinkwasser kalkuliert. Ergebnis: „1,43 Euro sind nicht mehr kostendeckend“, sagte mit Harald Dörig der kaufmännische Leiter der Stadtwerke. Die Gebührenerhöhung sei nicht zu vermeiden. In Geretsried liegt das Problem in der Vergangenheit begraben. Jahrelang häuften sich bei den Stadtwerken Schulden an. Das Wasser- und Kanalnetz stammt aus der Zeit der Rüstungsbetriebe, wird immer noch sukzessive saniert. Dörig legte mit seiner Amtsübernahme ein Sparprogramm auf. Seither sanken die Schulden von 18 auf 14,5 Millionen Euro. Überdies seien seit 2008 Umverlegungen nicht mehr als Investitionen zu verbuchen, sondern als Unterhaltsmaßnahmen. „Allein das Verlegen und der Austausch der alten Leitungen auf öffentlichem Terrain kostet 500.000 Euro im Jahr“, erklärte Dörig. „Die Kosten sind direkt über die Gebühren abzudecken.“ Problematisch ist in Geretsried gleichwohl die Tatsache, dass „viele Leitungen über Privatgrund laufen“. Die Situation sei demnach laut dem Stadtwerkechef nicht mit der anderer Kommunen vergleichbar. Dennoch regte sich Protest im Gremium. Wolfgang Werner (SPD) genügten die Erklärungen nicht, gerade deshalb, weil andernorts viel weniger bezahlt wird. „Der Preis muss fair sein“, forderte der SPD-Stadtrat. Im Vorfeld ließ er Dörig einen Fragenkatalog zukommen. Werner wollte wissen, „ob die Stadtwerke auch bei einem Kubikmeterpreis von 1,60 Euro kostendeckend wirtschaften können“. Das bejahte Dörig. Mit der Einschränkung: „Dann müssen die Betriebskosten jährlich um etwa 200.000 Euro geringer ausfallen.“ Das hält Werner für möglich. Das Gremium nicht. Der Antrag des SPD-Stadtrates zur „moderaten Anhebung“ der Wassergebühr auf 1,60 Euro pro Kubikmeter kam dann gar nicht mehr erst zur Abstimmung. Lorenz Weidinger (FW) warnte davor, den „Preis künstlich niedrig zu halten“. Es dürfe keinen politischen Preis um des Wählers Willen geben. In diese Kerbe schlug auch Fraktionskollege Robert Lug: „Wir haben keine andere Wahl.“ Gerhard Meinl (CSU) argumentierte, dass etwa das Hallenbad eine kostenrechnende Einrichtung sei. „Das hindert uns nicht, ein Defizit zu fahren.“ Doch beim Wasser erfülle die Stadt eine Daseinsvorsorge, der sie sich nicht entziehen kann. Aber: „Der Bürger hat es selbst in der Hand, er kann sparen.“ Dafür hagelte es Widerstand aus der eigenen Fraktion. „Freilich kann ein Bürger sparen. Aber sagen sie mir, wie ich meinen Kühen sagen soll, dass sie weniger saufen sollen“, erwiderte Franz Wirtensohn (CSU). Der Geltinger Landwirt monierte die erhebliche Mehrbelastung für Landwirte im Zuge der Gebührenerhöhung. „Landwirte zahlen künftig 1.000 Euro mehr im Jahr.“ Mit Ausnahme von Wirtensohn und Werner stimmte das Gremium geschlosssen der Erhöhung des Wasserpreises zu. Doch weiteres Unbehagen liegt in der Luft: Ab 2012 werden die Stadtwerke wohl in ein Kommunalunternehmen umgewandelt. Dann wird über die Abwassergebühr diskutiert. Und laut Bürgermeisterin Cornelia Irmer (parteifrei) ist eine Erhöhung nicht ausgeschlossen. rf

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