Der Sprayer von Lenggries

Mögen einander: Bürgermeister Werner Weindl und der Isarwinkler „Grantler“, gestaltet von Florian Scheitler (oben). Fotos: Fastner

Am liebsten würde er seinen Schreibtisch in die Unterführung am Bahnhof verlegen: Bürgermeister Werner Weindl kann sich nicht satt genug sehen an den großformatigen Bildern, die die einstige Tristesse zu einer ansprechende Galerie werden ließen. Kunst in der Öffentlichkeit. Sie gibt es dank Florian Scheitler (22) nun auch in Lenggries. Der Sprayer verschönerte die Unterführung mit farbenprächtigen Motiven des Brauneckdorfes. Im Auftrag der Gemeinde.

Ein glücklicher Umstand ließ Scheitler nach der Bürgerversammlung mit Bürgermeister Weindl ins Gespräch kommen. Und schon war das Interesse an dem Hobby des Lenggriesers geweckt. Weindl hatte da natürlich schon Hintergedanken, als er um Skizzen bat. Die legte er den Mitgliedern des Bauausschusses vor, die sofort Gefallen an der Idee hatten, die sonst so übel zugeschmierte Unterführung endlich schöner werden zu lassen. Schon war das grüne Licht erteilt, die Mittel bereit gestellt. Bei einem Ortstermin stellt Scheitler den Räten seine Ideen vor – und er überzeugte. Kaum war die Idee zum Projekt in der Zeitung veröffentlicht, da gab es schon die erste Überraschung. Unbekannte „Helfer“ weißelten die gesamte Unterführung – und das tagsüber. „Morgens bin ich hier gewesen und kam am Abend wieder, da war alles frisch gestrichen“, sagte Scheitler bei der offiziellen „Übergabe“ seines Werkes an die Gemeinde. Auch Bürgermeister Weindl dachte zunächst an die Mitarbeiter des gemeindlichen Bauhofs. „Die waren es aber nicht“, erzählte er, immer noch beeindruckt von diesem Coup. Vor allem aber haben es ihm die Bilder angetan, die Scheitler auf diese Grundierung auftragen konnte. „Die Motive sollten mit unserer Gegend zu tun haben“, erklärte Weindl diese dann auch wirklich einzige Vorgabe. Der wohl imposanteste Hingucker ist nun für die Passanten, die vom Bahnsteig in Richtung Festwiese in den Untergrund steigen ein überdimensionales Kuhportrait. Auf Lokalkolorit achtete Scheitler auch weiterhin. Denn es finden sich eine Unterwasserszene des im Sylvensteinsee versunkenen Dorfes Fall, eine Momentaufnahme der Partnerstadt in der Bretagne, Flößer auf der Isar wie – passenderweise auf der Seite zum Festplatz – eine Volksfeststimmung. Und natürlich findet sich der Grantler. „Nein, das ist ein Gaißacher“, wendet Bürgermeister Weindl die Frage ab, ob dieser Urtyp an der Wand denn ein typischer Lenggrieser sei. Um sodann wieder auf den Punkt zu kommen: „Es ist unglaublich, was man aus solchen Sprühdosen rausholen kann.“ Von Scheitlers Fähigkeiten an der Dose ließen sich zahlreiche Passanten während der Sprayaktion faszinieren. Immer wieder, so erzählt der junge Student der technischen Redaktion und Kommunikation, hätten Fußgänger über die Schulter geschaut: „Auch 14- oder 15-Jährige“, was Scheitler besonders freute. Denn diese Gruppe sei es doch allzu oft, die die Wände sonst mit unnötigen Schmierereien voll kritzelten. Nach 23 Tagen und 165 Spraydosen war das Werk übrigens vollbracht, rechtzeitig zum Beginn des Volksfestes. Und während die Festbesucher sich an den Flächenbildern erfreuen können, mag sich wohl so mancher von ihnen fragen, wo noch eine kahle Wand in der Gemeinde auf eine Verschönerung wartet. Thomas Kapfer-Arrington Infos zum Künstler Florian Scheitler alias „Pulex“ finden sich im Internet unter www.7degree.de

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