Hoher Besuch im Badehaus

Staatsminister Bernd Sibler zeigt sich beeindruckt vom Erinnerungsort

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Dr. Sybille Krafft zeigte Prof. Dr. Andreas Otto Weber (r.), Staatsminister Bernd Sibler (l.) und dem CSU-Stimmkreisabgeordneten Martin Bachhuber ein Modell des Todesmarsch-Mahnmals.

Waldram – Im November 2018 wurde Bernd Sibler zum bayerischen Staatsminister für Wissenschaft und Kunst ernannt. Nun folgte der 48-Jährige einer Einladung des Vereins Bürger fürs Badehaus Waldram-Föhrenwald, um den Erinnerungsort am Kolpingplatz zu besichtigen.

Begleitet vom CSU-Stimmkreisabgeordneten Martin Bachhuber und dem Direktor des Hauses des Deutschen Ostens Prof. Dr. Andreas Otto Weber, zeigte sich der Niederbayer schon kurz nach dem Betreten des Foyers begeistert. „Hier wird sowohl die aktive Bürgergesellschaft als auch gelebte Erinnerungskultur sichtbar gemacht“, lobte der 48-Jährige. Da Sibler in den 1990er-Jahren an der Universität Passau das Lehramt Deutsch und Geschichte studierte, brachte er viel Vorwissen mit.

Den 2016 in München verstorbenen KZ-Überlebenden Max Mannheimer, der im Verein Bürger fürs Badehaus Waldram-Föhrenwald bis heute mit der Mitgliedsnummer eins geführt wird, lernte er noch persönlich kennen. „Das war damals eine sehr schöne emotionale Begegnung für mich“, erinnerte sich der Staatsminister. Noch nichts wusste er dagegen über den einstigen Wolfratshauser Bürgermeister Heinrich Jost, der im Zweiten Weltkrieg als NSDAP-Ortsgruppenleiter für den Werkschutz der Rüstungsbetriebe und damit auch für die im Lager Föhrenwald untergebrachten Arbeiter zuständig war. Beim Anblick des Hitler-Bärtchens von Jost schüttelte Sibler ungläubig den Kopf: „Das ist wirklich eine Karikatur des Führers“, kommentierte er das Porträt von Jost. Doch Sybille Krafft zeigte ihm auch die viele positiven Aspekte des späteren Lagers für Überlebende des Holocaust. „In Föhrenwald gab es die höchste Geburtenrate aller jüdischen DP-Lager weltweit“, berichtete die Vorsitzende des Badehaus-Vereins.

Mit einem Gang durch den „Wald der Erinnerung“ im Obergeschoss und der Besichtigung der noch bis zum 22. September laufenden Sonderausstellung „Mitgenommen – Heimat in Dingen“ im Gartengeschoss endete der etwa 45-minütige Rundgang des Wissenschaftsministers.

Bei einem abschließenden Glas Sekt zeigte sich Sibler beeindruckt vom Engagement des Badehaus-Vereins und seiner vielen jungen Helfer. „Ich finde es großartig, dass sie so viele Zeitzeugenberichte dokumentiert haben und für nachfolgende Generationen bewahren“, erklärte er. Sibler versprach zudem den Verein zu unterstützen und sich dafür einzusetzen, dass die Wanderausstellung „Die Kinder vom Lager Föhrenwald“ noch an vielen Orten gezeigt wird. Peter Herrmann

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