Alles neu im alten Josefistift

Stadt Bad Tölz informiert zum Neubau eines Alten- und Pflegeheims – Personal geschockt

Das Bild zeit das Josefistift an der Bahnhofstraße in Bad Tölz
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Das Tölzer Josefistift an der Bahnhofstraße soll in einigen Jahren zum Seniorenzentrum werden. Das neue Pflegeheim wird nicht von der Stadt, sondern von einem Investor gebaut.

Bad Tölz – Die Tölzer Bürger der Stadt werden in einigen Jahren ein neues Pflegeheim bekommen, und zwar auf dem städtischen Grundstück an der General-Patton-Straße, an der heute noch vielbefahrenen Hauptkreuzung.

Das Haus für 128 ältere Menschen wird aber nicht die Stadt bauen, sondern ein freigemeinnütziger Träger, der noch gesucht wird.

Und auch für den Bau des Gebäudes, das 2026 bezugsfertig sein soll, wird ein privater Investor gesucht. Das alles hat der Tölzer Stadtrat in seiner April Sitzung nichtöffentlich beschlossen, am Dienstag wurde es im Rahmen eines Pressegesprächs mit der Heimleitung öffentlich bekannt gemacht.

Wegen gesetzlicher Mindestanforderungen stand bereits seit 2019 fest, dass ein Neubau notwendig ist, am jetzigen Standort an der Bahnhofstraße oder an einem anderen Platz in Bad Tölz. Mit 14 zu neun Stimmen wurde dann im Oktober 2019 entschieden, dass ein Neubau am jetzigen Platz schon allein wegen des jahrelangen Baulärms und der beengten Verhältnisse nicht in Frage komme und vielmehr auf die 8.000 Quadratmeter grüne Wiese am jetzigen Lettenholz-Spielplatz ausgewichen werden solle. Der alte Standort soll dann zu einem „Seniorenzentrum“ umgebaut werden.

Seitdem der Neubau mit einem Investitionsvolumen von mindestens 20 Millionen Euro feststeht, hätten sich wöchentlich Investoren im Rathaus gemeldet, berichtete Kämmerer Hermann Forster. Offenbar entstand dadurch die Idee, die Errichtung des eigentlichen Gebäudes einem privaten Unternehmen zu überlassen, das - weil es nicht wie Kommunen an öffentliche Ausschreibungen gebunden ist - wesentlich günstiger bauen kann. Der nächste Schritt war dann die Absicht, einen Betreiber zu suchen, der gemeinnützig ist, wie beispielsweise Caritas oder Arbeiterwohlfahrt, und das bisherige Personal übernimmt. Hier gibt es in Bad Tölz den speziellen Fall, dass es sich beim aktuellen Pflegeheim Josefistift, um eine Stiftung handelt, die bereits 1752 gegründet wurde. Diese betreibt das Wohn- und Altenheim, wird aber ihrerseits wieder von der Stadt Bad Tölz verwaltet und vertreten.

Auch der Landkreis kommt mit ins Spiel, denn ihm obliegt es, für eine ausreichende Versorgung der Bevölkerung mit Pflegeplätzen zu sorgen. Ein neues Pflegeheim kann aber die Josefspitalstifung (so der offizielle Name) mangels finanzieller Mittel und fehlenden Auftrags in der Satzung nicht bauen, das ist Aufgabe der Stadt oder eben eines Investors. Für die Stadt hätte dies den Vorteil, dass sie das bestehende Grundstück dem Investor verkaufen kann, ein neues Gebäude erhält und auch das bislang bei der Stiftung angestellte, von der Stadt aber verwaltete Personal übernommen wird. Allerdings will sie dafür sorgen, dass die tarifvertraglichen Regelungen der aktuell 106 Mitarbeiter eingehalten werden, sie also auch unter einem neuen Arbeitgeber nicht schlechter gestellt werden. Dies alles scheint beim angestrebten Modell der Fall zu sein, wie Bürgermeister Ingo Mehner (CSU) erläuterte. Und ein weiterer Vorteil: durch den Erlös vom Grundstücksverkauf auf der Flinthöhe kann die Umwandlung des jetzigen Josefistifts in ein Seniorenzentrum finanziert werden.

Bislang ist das im Rahmen einer Betriebsversammlung informierte Personal eher geschockt und nicht gerade begeistert von den Veränderungen, wie Heimleiterin Bettina Emmrich erläuterte. Allerdings glaubt sie, dass auch im neuen Heim nicht die Mauern, sondern die Menschen den Geist eines Hauses ausmachen werden. Karl Bock

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