Security gegen „Wildes Bieseln“

Stadt setzt auf privaten Sicherheitsdienst: Gelder müssen noch bewilligt werden

Der Kassenautomat an der Tölzer Bockschützstraße wurde im August durch eine Bierflasche derart demoliert, dass die Stadt das teure Gerät erneuern lassen musste.
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Der Kassenautomat an der Tölzer Bockschützstraße wurde im August durch eine Bierflasche derart demoliert, dass die Stadt das teure Gerät erneuern lassen musste.

Bad Tölz – Auch im neuen Jahr soll ein privater Sicherheitsdienst im Tölzer Stadtgebiet für Ruhe und Ordnung sorgen. Dafür votierten die Stadträte in der jüngsten Sitzung des Bau- und Stadtentwicklungsauschusses einstimmig.

Allerdings muss der gesamte Stadtrat die geschätzten Kosten von 25.000 Euro pro Jahr erst noch bewilligen. Vorgesehen ist, dass die Security-Männer und -Frauen zwischen April und Oktober täglich die neuralgischen Punkte in Bad Tölz kontrollieren. Damit soll vor allem einem zunehmenden Vandalismus entgegen gewirkt werden.

Bereits am 22. August diesen Jahres war die Präsenz von Streifen des städtischen Kommunalen Ordnungsdienstes sowie eines privaten Sicherheitsdienstes verstärkt worden. Das berichtete Ordnungsamtschef Christian Fürstberger, nachdem sich im Zuge der coronabedingten Schließung von Clubs und Diskotheken das Treffen von jungen Leuten in den öffentlichen Raum verlegt hatte. So häuften sich, wie man bei der Stadt feststellte, nächtliche Ruhestörungen, Verschmutzungen und Vandalismus. Ganz konkret nannte Fürstberger einen Lehrling, der mutwillig den Parkautomaten am Zentralparkhaus Bockschützstraße demolierte. Dabei entstand ein Sachschaden von über 3.000 Euro, den der junge Mann ersetzen musste. Man hatte ihn nämlich durch die dortige Videoüberwachung ermitteln können. Überhaupt scheint das Parkhaus ein „Hotspot“ zu sein, wo sich junge Leute treffen, aber nicht so verhalten, wie es sein sollte. Auch an der Isarpromenade kam es im Sommer zu Ruhestörungen und Verunreinigungen („Wildes Bieseln“), das Anlieger auf den Plan rief. Sogar aus dem Nachbarlandkreisen kommen Leute an schöne und eher abgelegene Plätze in Tölz, um hier zu feiern, wie Fürstberger anmerkte. Um Ruhestörungen und Vandalismus vorzubeugen, will man auch im kommenden Jahr mit einem privaten Sicherheitsdienst arbeiten, nachdem man zum einen damit gute Erfahrungen gemacht habe, zum anderen sich auch Landratsamt und Polizei dafür ausgesprochen hätten. Anders als die Polizei hätten die „Security-Mitarbeiter“ aber keine Befugnisse etwa zu Personenkontrollen. Man setze vielmehr auf Gespräche und eine „Sensibilisierung der Menschen“. Lediglich in gravierenden Fällen werde die Polizei zur Unterstützung hinzugezogen, so Fürstberger. Bürgermeister Ingo Mehner (CSU) merkte an, dass weibliche Mitarbeiter hier oft bessere Erfolge erzielen würden als Männer.

Karsten Bauer (CSU) begrüßte die Idee und fand es auch gut, dass die Mitarbeiter des Sicherheitsdienstes über genaue Ortskenntnisse verfügen sollen. Es habe sich nämlich gezeigt, dass Touristen vielfach nach Auskünften verlangen. Franz Mayer-Schwendner (Grüne) wollte wissen, ob für das Vorhaben eine Ausschreibung erfolge, was Fürstberger so nicht ohne weiteres mit Ja oder Nein beantworten konnte. Es gebe da ein genau festgeschriebenes Vergaberecht. Matthias Winter (CSU) fragte, wer wo und wie unterwegs sei und ob man die Security-Mitarbeiter direkt erreichen könne. Fürstberger erläuterte, dass die „Einsatzpläne von der Verwaltung erarbeitet“ würden, zu den Bürozeiten sei das Ordnungsamt der Stadt Ansprechpartner. Sollten die Bürger abends oder Nachts Vandalismus beobachten, sei es ohnehin besser, gleich die Polizei zu verständigen. Ulrich Fottner (FWG) fragte nach Alternativen für Leute ohne Garten, die auch mal auf öffentlichen Grünflächen Grillen wollten. Dies sei nicht das Problem, so Mehner, die Sicherheitsdienste hätten in erster Linie Ruhestörungen oder Sachbeschädigungen zu überwachen.

Bei der Auswahl der künftigen Mitarbeiter kommt es auch sehr viel auf „Flexibilität“ an, wie die Vergangenheit gezeigt habe. Fürstberger: „Bei schlechtem Wetter sind Streifen so gut wie nicht notwendig.“ Letztendlich muss der Stadtrat aber noch die Gelder bereit stellen, was aufgrund der zu erwartenden Steuerausfälle im kommenden Jahr keine Selbstverständlichkeit sein dürfte.“ Karl Bock

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