Bürgermedaille für Karlheinz Rauh

Stadt ehrt Mitbegründer der Energiewende Oberland

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Bürgermeister Klaus Heilinglechner (r.) verlieh Karlheinz Rauh die Bürgermedaille.

Wolfratshausen – Seinen 1997 angetretenen Ruhestand nutzte Karlheinz Rauh für vielfältiges ehrenamtliches Engagement. Der Stadtrat beschloss daher einstimmig, den mittlerweile 84-jährigen Tausendsassa mit der Bürgermedaille auszuzeichnen.

Seit vielen Jahren verleiht die Stadt eine besondere Auszeichnung für Persönlichkeiten, die sich laut Satzung „durch verdienstvolles Wirken für das Wohl und das Ansehen der Stadt ausgezeichnet hat“. Während 2018 mit Ewald Brückl und Paul Brauner gleich zwei Preisträger die Bürgermedaille entgegennehmen durften, fiel die Entscheidung des Stadtrats diesmal einstimmig zugunsten einer Person aus.

Im Rahmen einer Feierstunde im Rathaus würdigten die beiden Laudatoren Fritz Schnaller und Fritz Meixner sowie Bürgermeister Klaus Heilinglechner und die Sprecher der Stadtratsfraktionen die Leistungen von Karlheinz Rauh.

Nachdem Sigrid von Kracht mit ihren Töchtern den Festakt mit klassischer Geigenmusik eröffnet hatte, erinnerte sich Heilinglechner an seine erste Begegnung mit dem Gründungsvater der Energiewende Oberland.

„Er wollte vor 19 Jahren auf meiner Dachfläche eine Photovoltaik-Anlage, die den Bürgern zugutekommen sollte, errichten“, berichtete Heilinglechner. Obwohl dieses Vorhaben scheiterte, war sein Interesse geweckt. Der Landwirt und heutige Bürgermeister ließ später tatsächlich eine Solaranlage auf dem Dach installieren.

Dass der mittlerweile 84-jährige Karlheinz Rauh sich nicht nur für die Durchsetzung der Energiewende sondern auch für viele andere Projekte einsetzte, wurde in der anschließenden Laudatio seiner SPD-Parteifreunde Fritz Schnaller und Fritz Meixner deutlich. Letzterer würdigte den Preisträger in fränkischer Mundart, denn Rau ist gebürtiger Nürnberger und zog „erst“ 1970 mit seiner Frau Christel und seinen Kindern nach Wolfratshausen. „Er drächt a frängische Grundwertausrichtung in sich, ist zuweilen aber a bisserla eigensinnig“, stellte Meixner fest. Der SPD-Stadtratsfraktionssprecher lobte zudem Rauhs Charaktereigenschaft, nie großes Aufsehen um sein Wirken gemacht zu haben. Dabei sei der ehemalige Siemens-Nachrichtentechniker nach seinem Ruhestand 1997 als spätberufener Ehrenamtlicher „voll durchgestartet“.

Schnaller verwies in der Laudatio auf den Begriff der Nachhaltigkeit, der sich wie ein roter Faden durch Rauhs Engagement zieht. So gründete er 1997 mit rund 30 Bürgern in Waldram die Lokale Agenda 21 Geretsried-Wolfratshausen. Als Mitglied der Ortsgruppe des Bund Naturschutz (BN) konzipierte Rauh kurz darauf einen ökologischen Wanderpfad durch den Bergwald. Und damit nicht genug: Als Gründungsmitglied und erste Vorsitzender der Solidargemeinschaft Oberland wird er 2003 mit der Isar-Loisach-Medaille ausgezeichnet. Ein Jahr später ehrte ihn das bayerische Umweltministerium für seine vorbildlichen Leistungen.

Noch bekannter wurde der Preisträger durch die 2005 erfolgte Gründung der Bürgerstiftung Energiewende Oberland (EWO). „Ohne dich hätten ihre Ziele nie diese Schlagkraft bekommen, die sie heute haben“, erklärte seine langjährige Wegbegleiterin Martina Raschke. Der heutige EWO-Vorsitzende Josef Kellner kann dies bestätigen. „Das ist eine riesige Gemeinschaft geworden“, sagte er. Zuletzt fiel Rauh neben seinem Mitwirken in den Vereinen „Der Regio“ und der „Osteuropahilfe“ vor allem am Erinnerungsort Badehaus in Waldram auf. Bei der Sanierung des Gebäudes schleppte er schwere Mauerbrocken, installierte Kabel und machte sich damit unentbehrlich. „Du bist Motivation und Vorbild für andere Wolfratshauser“, folgerte Co-Laudator Fritz Meixner. Ins selbe Horn stießen die Sprecher der Stadtratsfraktionen. „Das ist phänomenal, was Sie geleistet haben“, befand Forster.

Auch CSU-Bürgermeisterkandidat Günther Eibl und der grüne Stadtrat Rudi Seibt fanden lobende Worte. „Ich freue mich, dass so ein aufrechter Sozialdemokrat im tiefschwarzen Bayern so eine Ehrung erfährt“, erklärte Seibt. Am Ende des Festaktes kam Karlheinz Rauh auch noch einmal selbst zu Wort. Dabei zeigte sich das SPD-Mitglied glücklich, dass er es trotz zweimaliger Kandidatur nie in den Stadtrat geschafft hat. „Ich bedaure das nicht: So habe ich mehr Zeit für andere wichtige Dinge gehabt!“, erklärte Rauh. Das Wort Ruhestand scheint er ohnehin nicht zu kennen. Peter Herrmann

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