„Das wird sich gravierend ändern“

Stadt Bad Tölz stellt Planung zum Baugebiet „Hintersberg II“ (Zwickerwiese) vor

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Susanne Rentsch (Mitte, stehend) erläuterte im Tölzer Rathaus die konkrete Planung für das Baugebiet „Hintersberg II“(Zwickerwiese).

Bad Tölz – Einmal mehr wurde deutlich, dass Anwohner der Heißstraße in erster Linie gegen die Erschließung des geplanten Neubaugebiets „Hintersberg II“ über ihre Wohnstraße sind. Zu einer Infoveranstaltung im Rahmen der „frühzeitigen Beteiligung der Öffentlichkeit“ zum Bebauungsplan hatte die Stadt ins Tölzer Rathaus geladen. Dabei wurden im voll besetzten Sitzungssaal sowohl die detaillierte Planung des Neubaugebiets als auch die Gutachten zur Verkehrsbelastung und zur Beeinträchtigung durch den ehemaligen Arnoldstollen vorgestellt.

Susanne Rentsch vom Münchner Büro „Plankreis“ gab einen detaillierten Überblick über die Planung auf der so genannten „Zwickerwiese“. Insgesamt sollen dort 37 Parzellen entstehen, in der Mehrzahl Doppelhäuser, bei Grundstücksgrößen zwischen 230 bis 600 Quadratmeter.

„Der ehemalige Arnoldstollen, der quer durchs geplante Baugebiet führt, hat keinerlei Einflüsse mehr auf den Untergrund.“ Zu diesem Schluss kam Bergbau-Gutachter Michael Grösbrink von der Gelsenkirchener Firma „arccon“. Der durch zig Bohrungen festgestellte Stollen im Ausmaß von etwa zwei mal zwei Metern ist rund 230 Meter lang und liegt maximal in 33 Meter Tiefe. Zwischenzeitlich wurde er zum größten Teil bereits mit einem „betonartigen Material“ verfüllt.

Rechtsanwalt Josef Bösmeier, der einige Heißstraßen-Anwohner vertritt, wollte sich mit dem Gutachten nicht zufrieden geben. Er bemängelte die fehlende „konkrete Hohlraum-Berechnung“. Zudem warf er Bürgermeister Josef Janker und Bauamtsleiter Christian Fürstberger „grobe planungsrechtliche Versäumnisse“ vor. Der Bergbau-Fachmann versicherte daraufhin: „Wenn wir mit der Verfüllung fertig sind, dann ist dort kein Hohlraum mehr. Dafür garantiere ich mit meiner 27-jährigen Erfahrung in diesem Metier.“

Im Mittelpunkt der Kritik der Heißstraßen-Anwohner standen die Ergebnisse der verkehrstechnischen Bewertung durch Ingenieur Daniel Lesch. Er war zu dem Schluss gekommen, „die Verkehrsbelastung der Heißstraße bleibt auch künftig in verträglichem Rahmen“. Laut seiner „Neuverkehrs-Prognose“ würde der zu erwartende Verkehr 315 Fahrzeugbewegungen pro Tag nicht übersteigen. Da so der „Mischverkehr“, also zeitgleich Fußgänger, Radfahrer und Autos auf der Straße, deutlich unter der vom Gesetzgeber vorgesehenen Grenze von 400 Fahrzeugen pro 24 Stunden bleibe, „wird es auch keine Veränderung des künftigen Sicherheitsniveaus geben.“

Zu schlecht, zu eng und vor allem ein „verändertes Milieu der künftigen Nutzer“ waren die Einwände der Anwohner: „Jetzt wohnen dort etwa zehn Kinder. Das wird sich gravierend ändern, wenn dort ein familienfreundliches Wohngebiet entsteht, wenn die Kinder zur Schule und in den Kindergarten gefahren werden wollen.“ In Sachen Straßenzustand erklärte Fürstberger: „Es ist derzeit nichts geplant, daran etwas zu ändern.“

Untersucht hatte Lesch auch die Verkehrsauswirkung bei einer Erschließung des Baugebiets aus Richtung Norden, also hin zur Staatsstraße 2072 auf Höhe der Einmündung zum Gewerbegebiet Farchet. Da sich der meiste Verkehr aber in südliche Richtung (Stadtmitte) bewegen wird, würden wohl lediglich 20 Prozent der Anlieger diese Anbindung nutzen. „Das entspricht selbst bei Spitzenzeiten in den Morgenstunden nicht mehr als acht Fahrzeugen pro Stunde.“ Eine Absage an diese Variante kam dann auch von Fürstberger: „Eine neue Straße wäre zu Zeiten, in denen der Umweltschutz in aller Munde ist, absolut nicht angebracht. Hierbei würden zusätzliche rund 4.000 Quadratmeter Fläche versiegelt: unnötiger Flächenfraß.“

Sämtliche Pläne und die detaillierten Gutachten sind im Internet für jedermann einzusehen. Zudem können Bürger noch bis zum 22. Oktober zu den üblichen Geschäftszeiten im Stadt-Bauamt ihre Einwände gegen die aktuelle Planung des Baugebiets „Hintersberg II“ vorbringen.ejs

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