„Heimat lebenswert halten“

Stadtbaumeister Hannes Strunz geht in Altersteilzeit

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Stadtbaumeister Hannes Strunz nimmt nach 27 Jahren Abschied von der Stadt Bad Tölz. Bock

Bad Tölz – Vor 27 Jahren und rund 250 Bauausschuss- und Stadtratssitzungen hat Stadtbaumeister Hannes Strunz seine Laufbahn bei der Stadt Bad Tölz begonnen. Am Dienstag war für ihn die letzte Sitzung, die er nutzte, um auf seine langjährige Tätigkeit zurückzublicken.

Für Strunz hat jetzt die Altersteilzeit begonnen, am 30. November dieses Jahres tritt er offiziell in den Ruhestand, seine Verabschiedung erfolgt am kommenden Dienstag im Stadtrat. Vor über einem Vierteljahrhundert gehörten von den heutigen Stadträten lediglich Josef Janker und Ludwig Bauer (beide CSU) dem Gremium an. Strunz erinnerte daran, dass damals der Bau eines vierstöckigen Hotels in der Ludwigstraße anstand, ein Projekt, das man sich heute wünschen würde, das damals aber an der von Gabriel-von-Seidl vorgegebenen Baulinie scheiterte. Die damaligen Bauherrn wollten das Gebäude nämlich nahe an die Ludwigstraße heranrücken, da die bestehenden Gästehäuser zwischen Kurhaus (von Seidl erbaut) und Jodquellenhof aber alle weit zurück in die jeweiligen Grundstücke gerückt sind, um eine repräsentative Grünfläche zu ermöglichen, wurde der Bauantrag damals abgelehnt.

Der 64-Jährige erwähnte in seinem Rückblick auch das damals von den Amerikanern verlassene Kasernen-Areal, für das der Finanzminister 120 Millionen Mark (heute gut 60 Millionen Euro) erzielen wollte. „Der damalige Sparkassendirektor Dieter Klopfer hat gleich die Rechenmaschine ausgepackt und erklärt, dafür müsse man Wohnungen für 2500 neue Einwohner bauen“, erinnerte sich Strunz. Auch so könnte Stadtplanung aussehen meinte er, glücklicherweise sei es anders gekommen. Seiner Meinung nach seien die 2000 Jahre alten Grundsätze, welche Eigenschaften ein Bauwerk haben müsse, auch heute noch gültig, nämlich Standfestigkeit, Gebrauchsfähigkeit und Schönheit. Auf letztere habe, so Strunz vor allem der damalige Kreisbaumeister Peter Wondra geachtet, der manche verunstaltende Dachgaube mit einem Bleistiftstrich verhindert habe. Allerdings sei mit der neuen Bauordnung, die man 2008 erließ, das Thema Schönheit „nicht mehr wichtig gewesen“. Weitere Gefahren für eine den hiesigen Gestaltungsnormen entsprechende Baugestaltung sah Strunz in der Energiewende, die viele „verfahrensfreie abenteuerliche Photovoltaikanlagen“ ermöglicht habe sowie in der grundsätzlich zu begrüßenden Barrierefreiheit. „Damit werden aber auch Kleinsteinpflaster, wie sie beispielsweise im Gries üblich sind, von vorne herein verhindert, und damit geht der Charakter eines ganzen Viertels verloren.“ Der 3. Wolf im Schafspelz sei die allgemeine Wohnungsnot, mit der sich alles rechtfertigen lasse. Neue Wohnungen bedeuteten aber auch immer mehr Verkehr. Strunz dankte unter dem Beifall von Bürgermeister, Kollegen und Stadträten für die in den langen Jahren erfahrene Unterstützung in vielen Sitzungen und appellierte an den kommenden Stadtrat, die Stadt und die Heimat lebenswert zu erhalten“.bo

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