Ein wirklich gutes Gespann

Stadtbücherei feiert den Tag des Buches und des Bieres

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Leviten lesen: Sabrina Schwenger und Ludwig Gollwitzer erheiterten die Besucher in der Stadtbücherei mit witzigen Anekdoten: .

Wolfratshausen/Waldram – Der 23. April gilt seit den 1990er-Jahren als Tag des Buches und des Bieres. Grund genug für die Stadtbücherei, eine kulinarische Lesung zu veranstalten und ein „wirklich gutes Gespann“ zu feiern.

Stadtbüchereileiterin Silke Vogel und ihr Team schoben die Regale beiseite und stellten sechs festlich dekorierte Bierbänke auf. Zu bayerischen Brotzeitschmankerln gab’s Bier, die volkstümlichen Klänge der Feldweg-Musi und – natürlich – literarische Auszüge zum Thema. Sabrina Schwenger und Ludwig Gollwitzer lasen dabei nicht nur einfach aus Büchern vor, sondern präsentierten auch interessante historische Fakten.

Brauen ist Frauensache

So war das Brauen einst Frauensache. „Es war damals Sitte, dass eine Frau ihre Nachbarinnen zu einem Bierkränzchen einlud“, erzählte Gollwitzer. Kaum vorstellbar: Bei diesen Treffen brockten sich die Damen oft Brot ins Bier ein, um es dann zu essen. Später sprachen auch die Mönche dem Genuss des „flüssigen Goldes“ zu. Ein täglicher Konsum von fünf Maß war dabei für einen Klosterbewohner durchaus normal. Gollwitzer berichtete, dass dem berühmten Reformator Martin Luther noch in jungen Jahren diese „Trinksitten“ missfielen, er sie aber später sehr wohl zu schätzen wusste. „Bierfälschen ist so schlimm wie Ehebruch oder Wucher“, soll er einmal gesagt haben.

In späteren Jahrhunderten ging vor allem die bayerische Obrigkeit restriktiv gegen die Trunksucht vor. So erhielten Alkoholikerinnen an manchen Orten ein Stirnband mit der Aufschrift „Versoffene Bierurschel“ und wurden an den Pranger gestellt. Der Rauflust betrunkener Männer sollte 1853 mit dem Erlass der „niederbayerischen Wirtshausordnung“ Einhalt geboten werden. Im schlimmsten Fall drohte ein Jahr Gaststättenverbot. Im zweiten Teil der rund zweistündigen Lesung ging Sabrina Schwenger dann zunächst auf das seit 1516 bestehende Reinheitsgebot ein.

Bier schmeckt heute anders als früher

„Bier schmeckte im 16. Jahrhundert anders als heute“, erzählte sie. Manch Brauer mischte dem Getränk damals sogar Ochsengalle, Eichenrinde oder Schafgarbe bei. Bei so vielen historischen Anekdoten blieb am Ende leider kaum noch Zeit für internationale Erfolgsautoren und ihre Bier-Erfahrungen. Immerhin fand Jack London und sein 1913 erschienenes autobiographisches Werk „König Alkohol“ Berücksichtigung. Angesichts der darin enthaltenen Schattenseiten von flüssigen Suchtmitteln plädierten Sabrina Schwenger und Ludwig Gollwitzer für einen moderaten Genuss des Hopfensaftes. „Bier hebt die Lebensfreude“, riefen beide den Besuchern zu. Und einige von ihnen nahmen sich sogar noch auf dem Heimweg vor, demnächst diesbezüglichen Lesestoff aus der Stadtbücherei zu entleihen.Peter Herrmann

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