Hanggrundstück am Zollhausweg: Stadtentwicklungsausschuss macht Weg für Bebauung frei

„Ja“ zum Zentrum für Frischzellentherapie

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Auf dem 4.000 Quadratmeter großen Grundstück am Zollhausweg soll ein „Zentrum für Frischzellentherapie“ entstehen.

Bad Tölz – Der Stadtentwicklungsausschuss hat den Weg für ein Zentrumfür  Frischzellentherapie am Hanggrundstück am Zollhausweg geebnet.

„Wir sind alle froh, dass an dieser Stelle ein Bauvorhaben kommt, zumal es schwierig zu realisieren ist“, sagte Stadtrat Franz Mayer (Grüne), als es in der jüngst im Stadtentwicklungsausschuss um den Bau eines Zentrums für Frischzellentherapie am Zollhausweg ging. Auf dem Hanggrundstück von 4.000 Quadratmetern, das früher der Stadt gehörte und wo man noch in den Fünfziger Jahren des vorigen Jahrhunderts im Winter vom Kogel herab Skirennen austrug, plant der Geschäftsführer des Deutschen Zentrums für Frischzellentherapie, Klaus Dieter Burkhart, zwei Gebäude für Herstellung, Verwaltung, Vertrieb und Unterbringung der Patienten sowie für Lager, Verwaltung und Vertrieb von Kosmetikartikeln zu errichten. Wie Stadtbaumeister Hannes Strunz anhand des Plans erläuterte, gehe es sich um zwei Haupt- und ein Garagengebäude sowie um eine im Berg untergebrachte Tiefgarage. Es handelt sich um ein Hanggrundstück, das im Süden um zwölf Meter höher als im Norden ist. Laut Strunz sei eine zehn Meter hohe Verbauung unterhalb des Waldes notwendig, da die Sohle der Tiefgarage zehn Meter tiefer liegt als der natürliche Hang. Vorgesehen ist eine Natursteinmauer. Das Bauvorhaben stelle, so Strunz, „einen ziemlichen Eingriff in das Gelände“ dar. Von den Nachbarn haben drei den Bauantrag unterschrieben, eine Eigentümerin im Norden nicht. Vorgesehen sind laut Stadtbaumeister fünf große Patientensuiten, die 780 Quadratmeter umfassen, 500 Quadratmeter für Büroräume, 340 für das Lager und außerdem gibt es zwei Hausmeisterwohnungen mit 136 und 171 Quadratmetern. Der Bauwerber benötigt für das Objekt 31 Stellplätze, laut Plan sind 36 ausgewiesen, 22 in der Tiefgarage. „Nicht recht glaubwürdig“ erschienen den Baufachleuten und einigen Stadträten die beiden großzügigen Hausmeisterwohnungen, eine davon könne auch eine Wohnung des Betreibers werden. „Dagegen ist nichts einzuwenden, wohnen ist in diesem Bereich des Badeteils möglich“, so Christian Fürstberger vom Bauamt. Unbedingt notwendig sei es, das Niederschlagswasser abzufangen, so Strunz, außerdem möchte er noch einen detaillieren Begrünungsplan, den auch Grünen-Stadträtin Andrea Grundhuber forderte. Allerdings dürfte der Landschaftsplaner keine großen Spielräume mehr haben, sind doch auf dem Grundstück neben den Gebäuden noch Zufahrten und Parkplätze unterzubringen. In der Abstimmung votierte allein Camilla Plöckl (SPD) ohne Angaben von Gründen gegen das Vorhaben, das ursprünglich einmal für den Bereich am Bruckfeld vorgesehen gewesen war. Bereits zwei Tage zuvor hatte sich der gesamte Stadtrat mit der 3. Änderung des Bebauungsplans für das Gebiet „Am Zollhausweg“ befasst, um den Neubau „auf der grünen Wiese“ zu ermöglichen. Dazu war der Bebauungsplan einen Monat öffentlich ausgelegt worden. Wie Fürstberger erläuterte, waren von den „Trägern öffentlicher Belange“ keine wesentlichen Bedenken eingegangen. Ein Nachbar im Osten indes hatte befürchtet, dass ihm ein Nebengebäude völlig die Sicht verdecke. Diese Bedenken wies Fürstberger im Hinblick auf die Hanglage zurück. Es sei, wie er sagte, „nur noch ein geringer Teil der Außenwand sowie der Dachfläche sichtbar“. Wolfgang Buchner (FWG) plädierte dennoch für eine Höhenbegrenzung der notwendigen Stützmauer, „um eine Schluchtenbildung hinter den beiden Häusern zu verhindern“. Fürstberger verwies ihn auf die folgende Bauausschuss-Sitzung, wo auf die Stützmauer aber nicht mehr speziell eingegangen wurde. Die Frischzellentherapie erlebte ihre Blütezeit ab etwa 1960 in Lenggries, wo Dr. Siegfried Block zahlreiche prominente Personen mit Zellen, die aus ungeborenen Lämmern gewonnen wurden, behandelte. Da es im Verlauf der einwöchigen Therapie gelegentlich zu Komplikationen kam, in anderenBundesländern sogar zu Todesfällen, verbot der damalige Gesundheitsminister Horst Seehofer die Frischzellentherapie im Jahr 1997. Das Verbot wurde zwar im Jahr 2000 durch ein Gericht wieder aufgehoben, der Einsatz der lebenden Zellen bleibt aber umstritten. Heute gibt es in Lenggries an der Brauneckstraße das „Zentrum für Frischzellentherapie Daniel Siegfried Block“ und an der Dr.-Siegfried-Block-Straße das „Deutsche Zentrum für Frischzellentherapie“, das laut Internetpräsenz vor allem auf eine zahlungskräftige Klientel aus Russland, arabischen Ländern und Asien setzt. Letzteres tritt mit seinem Geschäftsführer Klaus Dieter Burkhart in Bad Tölz als Bauherr auf.

bo

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